„Ich will keine Schläuche“

Etwa 70 Prozent aller Bundesbürger halten eine Patientenverfügung für außerordentlich wichtig, aber nur zehn Prozent haben eine unterschrieben. „Dabei sollte jeder sowohl eine Patientenverfügung als auch eine Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung haben“, sagt Uwe Janssens von der Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). „Nur dann ist es auch möglich, selbst über sein eigenes Schicksal zu bestimmen.“ Ein Unfall, eine Krankheit oder altersbedingte Beschwerden könnten schnell dazu führen, dass man die Kontrolle über sein eigenes Leben verliere. Ehepartner oder Familienangehörige wähnten sich dann oft auf der sicheren Seite und glaubten sich gegenseitig vertreten zu können. „Doch dem ist nicht so“, sagt Janssens, der selbst Chefarzt und Intensivmediziner in Eschweiler ist. „Bei Handlungsunfähigkeit muss rechtzeitig vor Gericht der Antrag für einen Betreuer gestellt werden. Um das zu verhindern, sind die jeweiligen Vollmachten zwingend.“

Welche Vollmachten gibt es?

  • Vorsorgevollmacht: Sie ermächtigt eine Person des Vertrauens, alle persönlichen  und finanziellen Entscheidungen zu treffen, wenn man es selbst wegen geistiger oder körperlicher Schwäche nicht mehr kann. Liegt ein solches Schriftstück unterschrieben vor, ist ein gerichtlicher Betreuer nicht mehr nötig.
  • Betreuungsverfügung:  Sie legt fest, wen das Gericht als Betreuer bestellen soll, wenn es ohne rechtliche Betreuung nicht mehr weitergeht. In ihr kann man aber auch festlegen, wen man sich auf keinen Fall als Betreuer wünscht und welche Wünsche und Gewohnheiten respektiert werden sollen.
  • Patientenverfügung. Sie legt fest, welche medizinischen Behandlungen Betroffene am Ende ihres Lebens zulassen möchten und welche nicht. „Das kann man zwar auch mündlich gegenüber Angehörigen und Freunden machen“, sagt Janssens. „Aber eine mündliche Erklärung ist nur schwer nachweisbar und Ärzte können sich nicht immer darauf stützen. Deshalb auch hier der dringende Rat für die schriftliche Form.“ Wichtig hierbei: Je genauer sie verfasst ist, desto besser. Problematisch sind vor allem schwammige Formulieren wie beispielsweise „Ich will in Ruhe sterben“ oder „Ich möchte keine Schläuche“. Damit kann kein Arzt etwas anfangen.

Was  tun?

Das Bundesjustizministerium gibt auf ihrer Internetseite http://www.bmj.de genaue und detaillierte Anleitungen, um den eigenen Willen exakt festzuhalten.  Für Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung ist eine notarielle Beglaubigung nicht unbedingt nötig. Ausnahme: Angelegenheiten, die das Grundbuch oder das Handelsregister betreffen. Jeder kann eine Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung beim Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer registrieren lassen. Das kostet rund 20 Euro. Weitere Infosn hierzu unter  http://www.vorsorgeregister.de im Internet.

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