Unterstützung für Schädel-Hirn-Verletzte und ihre Angehörigen

In ganz Hessen gibt es nur eine Beratungsstelle für Schädel-Hirn-Verletzte und ihre Angehörigen: In der Poststraße   9 in Darmstadt hilft Beate Stahl, wo sie nur kann.  Etwa 80 bis 100 Betroffene und Angehörige suchen Jahr für Jahr  bei ihr Hilfe. Manche wurden bei einem Unfall schwer am Kopf verletzt, andere hatten einen schweren Schlaganfall, Hirnblutungen,  einen Hirntumor oder sie wurden nach einem  Herzstillstand wiederbelebt. Alle  haben  eine Hirnschädigung erlitten, mal mehr, mal weniger stark. Sind die Betroffenen außer Lebensgefahr und medizinisch versorgt, geht es darum, welche Therapie- und Rehamöglichkeiten es für sie gibt, ob sie zuhause versorgt werden oder in einem Pflegeheim.

„Viele Angehörige werden ganz plötzlich von der Realität eingeholt“, sagt Beate Stahl im Gespräch mit dem ECHO.   Gerade eben war der Mensch noch gesund, dann kam der Unfall, danach die Diagnose und damit die Frage: Was tun? Viele  stünden  unter Schock. „Es ist ein Wust an Fragen und auch finanzieller Sorgen, die  auf die Betroffenen zukommen.“ Etwa  wenn der Hauptverdiener einer Familie ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hat – und nach sechs Wochen Klinik nach Hause entlassen wird. Pflegebedürftig.       Wenn die Ehefrau sich dann um ihn kümmern muss, zusätzlich zu den drei kleinen Kindern,  dann   schafft sie das nur mit Menschen, die ihr helfen. Aufgabe von Beate Stahl ist es, herauszufinden, welche Möglichkeiten es gibt. „Man muss Kümmerer finden, die die Betroffenen begleiten.“  Sie hilft Angehörigen in Krisen, klärt über Krankheitsbilder und sozialrechtliche Ansprüche auf, ist bei der Suche nach Reha-Einrichtungen behilflich. Zudem pflegt sie ein Netzwerk, dem Ärzte, Kliniken, Pflegedienste und Selbsthilfegruppen angehören.

„Wir brauchen Ärzte, die sich Zeit nehmen für das Gespräch mit Angehörigen und Betroffenen“, sagt Beate Stahl.   Ganz wichtig seien auch  Experten  direkt vor Ort. Sie hat beispielsweise  sehr gute Erfahrungen mit Neuropsychologen gemacht,  die Angehörigen und  Betroffenen aufzeigen können, welche Auswirkungen  die Funktionsstörungen im Gehirn  im Alltag haben  – und wie sie damit umgehen können.   Vor allem jüngere  Patienten hätten  oft unter  Gedächtnisverlust, Konzentrationsstörungen und  Orientierungsproblemen zu leiden, vielen falle die Rückkehr in den Beruf schwer, manche reagierten darauf   aggressiv oder bekämen Depressionen.   Eine Therapie könnte  ihnen  helfen.  Das Problem: Eine flächendeckende ambulante Versorgung mit Neuropsychologen gibt es in Südhessen  bislang nicht.  Beate Stahl hofft, dass sich das  bald ändert.

Infos: Die Beratungsstelle des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes ist in der Poststraße 9 in Darmstadt, Rufnummer  06151 957383 (oder  per Mail  beate.stahl@paritaet-hessen.org).   Geöffnet ist  Montag und  Mittwoch von 10 bis 13 Uhr, Dienstag und Donnerstag von 15 bis 18 Uhr.

Die Darmstädter Selbsthilfegruppe für Schädel-Hirn-Verletzte: www.shg-darmstadt.de

Weitere Informationen  gibt es auch bei der „ZNS – Hannelore Kohl Stiftung“ in Bonn. Die Stiftung berät Betroffene, unterstützt   gemeinnützige Einrichtungen  und  widmet sich auch der Forschungsförderung. www.hannelore-kohl– stiftung.de

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