Sportliches Training für MS-Patienten

Sich schonen war gestern: Ein spezielles Training kann Patienten mit Morbus Parkinson, Multipler Sklerose und Patienten mit Neuropathien zu mehr Beweglichkeit verhelfen.

Carmen Katzenstein (50) wohnt im Rheingau und leidet seit 14 Jahren an Multipler Sklerose (MS). Die Krankheit hat Spuren hinterlassen: Sie kann nicht mehr so schnell gehen wie früher, sie fühlt sich nicht mehr so leistungsfähig und ist oft müde.  In einem  Zeitungsbericht las sie von der Möglichkeit, mit Hilfe eines spezielles Trainings Gang und Gleichgewicht zu schulen. Seit einigen Wochen besucht sie nun regelmäßig die „Neurowerkstatt“ von Mareike Schwed in Pfungstadt – und trainiert jeden Tag zu Hause, eine viertel bis eine halbe Stunde. Je nach Tagesform.

Mareike Schwed hat Sportwissenschaften mit dem Schwerpunkt Informatik an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Während ihrer Promotionszeit an der Frankfurter Goethe-Universität hat sie mit Parkinson-Patienten gearbeitet und untersucht, wie sich bestimmte Trainingsmethoden auf  Beweglichkeit und Mobilität auswirken.

Ihre  Trainingsmodule richten sich an Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen. Die Kranken schreiten beispielsweise wie Störche mit hochgezogenen Beinen über die Matte, gehen über Kreuz oder sogar rückwärts. Zum Training gehören auch  Gleichgewichtsübungen wie der Fersengang oder das Laufen auf Fußspitzen.  Die Übungen sehen auf dem ersten Blick etwas komisch aus, sie führen auch zu kleinen Wacklern und Unsicherheiten. Letztlich wird auf diese Weise jedoch das ganze Nervensystem trainiert.

Die Sportwissenschaftlerin greift für ihr Training auf die  Grundlagen der Neurowissenschaften zurück. „Ein intensives Training mit schnellen Bewegungen und Koordinationsübungen führt zum Freisetzen von neurotrophen Faktoren“, erklärt Mareike Schwed. Dies sorge letztlich dafür, dass das Nervengewebe geschützt und neues Gewebe gebildet wird.  „Durch das Training kann man bei MS die Schübe reduzieren und auch die Intensität der Schübe nimmt ab“, sagt die Sportwissenschaftlerin.

Bei Carmen Katzenstein führte das Training unter anderem dazu, dass sie sich  mit dem Treppensteigen leichter tut – und insgesamt wieder schneller unterwegs ist.  Allerdings sind die Übungen in der Neurowerkstatt auch wesentlich anstrengender als zum Beispiel eine Runde Radfahren, wie sie findet. Was ihr ebenfalls gut tut, ist das Training in der Gruppe, mit anderen Betroffenen. „Wir motivieren uns gegenseitig“, erzählt sie.

„Je nach Tagesform klappt es mal besser, mal schlechter“, so die Beobachtungen von Mareike Schwed. Es sei generell so, dass kein Trainer Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen vorgeben sollte,  wie lange und wann  trainiert werden soll. „Die Schwankungen der Tagesform sind so groß, dass Menschen mit MS dies selbst lernen müssen, wann ein Training gehen kann, und wann es keinen Sinn macht“, so Schwed. Sie versucht deshalb, mit den Teilnehmern auch zu kären, wie sie die Übungen am besten in den Alltag integrieren können.

Das Konzept der Sportwissenschaftlerin wird auch von der Deutschen Multiplen Sklerose Gesellschaft (DMSG) unterstützt.  Am 16. April bietet Mareike Schwed  in Kooperation mit der DMSG Darmstadt einen Schnupperkurs an. Weitere Aktionen, etwa  zum Welt-MS-Tag, sind geplant.

Weitere Infos zum Thema Sport und MS im Internet gibt es auf einer Plattform der Universität Erlangen unter  sport-und-ms.phil.fau.de, weitere Infos  zum Pfungstädter Angebot gibt es unter www.neurowerkstatt.de (06151-6295171).

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