Nüsse sind nicht per se schlecht

Viele Jahre hinweg empfahlen Allergologen, Kleinkindern keine hochallergenen Nahrungsmittel wie Erdnüsse zu essen zu geben, um Nahrungsmittelallergien zu vermeiden. Mehrere Studien kommen nun zu einem ganz anderen Schluss.

Das Besondere einer Erdnussallergie ist, dass sie sich früh im Leben entwickelt und sich nur selten eine Toleranz entwickelt, so die Professorin Margitta Worm von der Charité Berlin in einer Stellungnahme für die DGAKI, der wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie. Die Leitlinien zur Allergieprävention sehen deshalb vor, allergene Nahrungsmittel wie Nüsse , Soja, Milch, Ei, Weizen und Fisch bei Kindern mit einem hohen Allergierisiko bis zu einem Alter von zwei Jahren zu meiden.

2015 zeigte eine britische Studie (“Learning Early About Peanut Allergy”, kurz Leap) auf, dass Kleinkinder, die mit Erdnussbutter-Snacks zugefüttert werden, seltener an einer Erdnussallergie erkranken im Vergleich zu Kindern, die sich an eine strikte Erdnuss-Diät halten. Eine Nachfolge-Studie kommt nun zum Schluss, dass die Toleranz ein Jahr lang anhält, auch wenn später wieder auf Erdnüsse verzichtet wird.

Die Studie gibt Hinweise darauf, dass “langfristig vermutlich anders beraten werden muss”, sagt die Darmstädter Allergologin Helen Straube von den Kinderkliniken Prinzessin Margaret. Allerdings seien in der Studie Kinder untersucht worden, die bereits eine ausgeprägte Neurodermitis entwickelt hatten. “Man kann daher die Studienergebnisse nicht einfach auf gesunde Kinder übertragen”, so die Oberärztin.

Sie rät Eltern von Hochrisikokindern, also von Kindern, die an einer Neurodermitis leiden, sie möglichst früh auf Allergien testen zu lassen. Ein Prick-Test sei bereits in den ersten Lebenswochen möglich. “Dadurch kann eine Einschätzung getroffen werden, ob eventuell bereits eine Sensibilisierung auf Nahrungsmittel besteht”, sagt Straube. Bei einem negativen Allergietest sei es recht unwahrscheinlich, dass Erdnüsse nicht vertragen werden. In diesem Fall könnten Eltern den Kindern Erdnüsse geben. Allerdings nie pur in Form von ganzen Nüssen, da die Gefahr, sich daran zu verschlucken in diesem Alter hoch sei. Die Ärztin rät zu Erdnuss-Mus oder zu Erdnussbutter ohne Stückchen.

Kinder, bei denen eine Sensibilisierung gegen Erdnüsse im Allergietest auffällt, sollten Erdnüsse meiden, bis eine Allergie ausgeschlossen wurde. “In solchen Fällen könnte es sonst beim einfachen Ausprobieren zu gravierenden Symptomen kommen”, warnt die Ärztin.

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