Hilfe zur Selbsthilfe: Angehörige von Migräne-Patienten gesucht

Der Kampf gegen chronische Schmerzen belastet oft das Familienleben:  Auch Angehörige kommen an ihre Grenzen, wie das Beispiel von Markus Müller (Name von der Redaktion geändert) zeigt. Er ist auf der Suche nach Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Die Müllers haben zwei schulpflichtige Kinder und leben in Darmstadt. Auf den ersten Blick eine ganz normale Familie. Monika Müller leidet allerdings seit mehr als 20 Jahren unter Migräneanfällen. Die Schmerzen sind so stark, dass sie Auswirkungen auf den gesamten Familienalltag haben.

„Meine Frau hat 15 bis 20 Migräneanfälle im Monat“, erzählt Markus Müller. Hoffnung auf Heilung gibt es nicht. „Der Arzt hat damals gesagt, dass die Migräne hormonell bedingt ist und sie damit leben muss.“ Mit den Jahren habe seine Frau mehr oder weniger gelernt, mit den chronischen Schmerzen zu leben. Markus Müller und die beiden Kinder versuchen Tag für Tag, ihr zu helfen und sie zu unterstützen.

„Es ist bewundernswert, wie meine Frau es schafft, uns allen ein einigermaßen normales Familienleben zu ermöglichen“, sagt er. Doch wenn er zum x-ten Mal bei ihrem Arbeitgeber anrufen muss, weil sie erneut ein Migräneanfall ans Bett fesselt oder er am Wochenende zum wiederholten Male den Notarzt davon überzeugen muss, dass seine Frau spezielle Migräne-Medikamente braucht und ihr Aspirintabletten partout nicht helfen, dann geht ihm langsam aber sicher die Puste aus.

„Ich brauche Unterstützung von Leuten, die wissen, wovon ich rede“, sagt Müller. Seine Frau habe seit einiger Zeit auch eine Depression entwickelt. „Das macht einen ja auch alles fertig“, sagt er. Die Schmerzen, die Isolation, die Verzweiflung. Oft rette sich seine Frau trotz Schmerzen über die Woche – um dann am Wochenende zusammenzubrechen. „Sie braucht dann viel Ruhe“, so Müller. Ein normales Familienleben mit Ausflügen und gemeinsamen Unternehmungen sei seit langem nicht mehr drin. Mürbe macht ihn auch die Auseinandersetzung mit den Krankenkassen. Seit Jahren versucht das Paar die Krankenkasse zu überzeugen, die Kosten für eine Reha in einer Schmerzklinik zu übernehmen. „Keine Chance“, sagt Markus Müller. Dazu seien die Migräne-Attacken seiner Frau zu selten, lautete die Begründung im Ablehnungsbescheid. Auch eine Vater-Kinder-Kur sei nicht bewilligt worden. Markus Müller schüttelt den Kopf. Er hofft, dass bald nicht auch noch finanzielle Sorgen dazukommen. „Wenn meine Frau ihren Job verliert, weil sie sich so oft krankmelden muss, sieht es für uns finster aus.“

Müller fühlt sich alleine gelassen und er sorgt sich um die Kinder, die unter dieser angespannten Situation leiden. Ein paar Therapiestunden bei einem Psychologen hat er bereits hinter sich, geholfen haben sie ihm nicht. „Ich brauche jemand, der ganz ähnliche Erfahrungen gemacht hat.“ Auch nett gemeinte Ratschläge, wie er sie aus dem Freundeskreis bekommt, seien keine große Hilfe. Der Leidensdruck ist groß: „Ich sehe die Gefahr, dass ich meiner Frau gegenüber abstumpfe – das will ich nicht. Das ist meiner Partnerin gegenüber nicht fair, sie ist ja schwer krank.“

Angehörige von Menschen mit chronischen Schmerzen, die an einem Austausch interessiert sind, können sich telefonisch (06151 387367) oder per Mail an sabine.schiner@darmstaedter-echo.de melden.

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