Hilfe für Kinder von psychisch kranken Eltern

Der Sozialpsychiatrische Verein kümmert sich seit 15 Jahren um den Nachwuchs von psychisch erkrankten Eltern. Unsere Praktikantin, Loana Schnitzspahn, hat sich mit der Sozialarbeiterin Elke Altwein unterhalten. Hier die Geschichte:

Lange Zeit lag der Fokus der Sozialpsychiatrie allein auf psychisch erkrankten Erwachsenen. Seit 15 Jahren engagiert sich der Verein zusätzlich für das Wohl von Kindern, deren Eltern an einer psychischen Krankheit leiden. “Es wurde lange übersehen, dass psychisch erkrankte Menschen oft auch Eltern sind”, sagt die Sozialarbeiterin und Geschäftsführerin des Sozialpsychiatrischen Vereins, Elke Altwein . “Gleich ob Depression, Borderline, Angst- oder Persönlichkeitsstörungen, Kinder, deren Eltern psychisch erkrankt sind, sollten nicht darunter leiden”, betont Altwein .

Im Gespräch mit dem ECHO beschreibt sie die verschiedenen Angebote, die der Verein in der Erbacher Straße für Familien bereithält. Im ‚Kinderprojekt‘ bekommen betroffene Kinder die Möglichkeit, mit ihren Eltern den Umgang miteinander zu verbessern.

Die Gruppen und ein vielfältiges Freizeitangebot ermöglichen den Kindern gemeinsam mit ihren Eltern zu spielen und zu lachen. Es kann aber auch offen über die Krankheit der Eltern gesprochen werden. “Für viele Kinder ist es tröstlich zu wissen, dass auch andere Probleme mit psychisch kranken Eltern haben”, sagt Elke Altwein .

Daneben gibt es seit Jahren ein weiteres Projekt des Vereins: die Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH). Die SPFH arbeitet in Kooperation mit den Jugendämtern aus Stadt und Landkreis. “Ziel der Arbeit ist es, den Familien Zuhause zu helfen. Ein Team von neun Mitarbeitern kümmert sich vier bis acht Stunden die Woche um etwa 15 Familien pro Jahr”, erklärt Altwein . “Viele Kinder müssen im Alltag durch die Erkrankung des Elternteils mehr Verantwortung übernehmen. Andere sind verhaltensauffällig. Deswegen ist die Aufklärung über die Krankheit der Eltern für die Kinder ganz wichtig”, betont sie.

Die Sozialarbeiter bauen durch die Familienhilfe eine Beziehung zu den Kindern und Eltern auf. Sie versuchen, den Kindern in kindgerechten Worten zu vermitteln, was die psychische Krankheit der Eltern bedeutet und dass sie daran keine Schuld tragen. “Durch das Aufstellen von Regeln für den Alltag, Gespräche und gemeinsames Spielen, werden die Kinder entlastet, gleichzeitig erhält die Familie mehr Stabilität.” Auch das Bilden eines sozialen Netzwerks ist Aufgabe der SPFH, erklärt Altwein . “Wir versuchen Unterstützungsmöglichkeiten im sozialen Umfeld für die Familien zu finden. Durch ein gutes Netzwerk in Schule, Kindergarten, Sportverein oder in Kirchengemeinden fühlen sich viele Familien nicht mehr von der Gesellschaft isoliert”, sagt die Sozialarbeiterin.

Eine weitere Arbeit des Sozialpsychiatrischen Vereins ist das Schulprojekt “Verrückt? Na und!”. Es bringt seit dem Jahr 2007 das Thema seelische Gesundheit in Schule und Ausbildung. Gleichzeitig dient es zur Entstigmatisierung der Kranken.

Für das kommende Jahr ist eine weitere präventive Maßnahme des Vereins geplant. Beim “Patenschaftsprojekt” sollen betroffene Kinder und Jugendliche mit anderen Familien Zeit verbringen und ihre Freizeit gestalten. “Das soll auch die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen, und das Selbstbewusstsein der Kinder stärken, denn das Wohl des Kindes steht an erster Stelle”, sagt Altwein .

Dieser Beitrag wurde unter Medizin abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>