Hände waschen gegen Virenangriffe

IMG_1668Die Praktikantin am Schreibtisch  schnupft, niest und hustet, das Gegenüber wenig später in der Straßenbahn auch: Infekte häufen sich. Und wie jedes Jahr um diese Zeit machen Noroviren  die Runde. Wer sich mit ihnen infiziert, ist in der Regel erstmal zwei Tage ausgeschaltet. In dieser Zeit entleeren sich Magen und Darm explosionsartig. In der Regel ist dann alles wieder gut. Risikopatienten sind alte und kranke Menschen sowie Kinder: Ist der  Flüssigkeitsverlust groß, muss er durch Infusionen ausgeglichen werden. Damit es also gar nicht erst soweit kommt:  Hände waschen! Je öfter, desto besser.

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3 Antworten auf Hände waschen gegen Virenangriffe

  1. Hallo,

    Ich fahre jeden Morgen mit der Straßenbahn und muß mich zwangsläufig an den Haltestangen auch festhalten.
    Die Sauberkeit in den Straßenbahnen und Bussen ist zwar erfreulich besser geworden, aber die Stangen können jetzt gereinigt werden und im nächsten Moment greift einer hin, der sich eben noch die Hand vor den Mund gehalten hat um die Umgebung vor seinen Nies-Tröpfchen zu schützen… und patsch, hängen sie an der Stange, wo dann jeder was davon hat….
    Im Winter kann man sich noch mit Handschuhen schützen, ist halt Jahreszeit entsprechend.
    Aber im Sommer, greifst du an die Haltestangen, die von den Schwitzhänden total versyfft sind und du bekommst mitten in der Sommerhitze eine Gänsehaut, die bis in die Haarwurzeln reicht….
    Kann man da nichts machen, gibt es kein Material für die Stangen, die nur in geringen Mengen Bakterien, Viren etc. “aufnehmen”….?

    • Sabine Schiner sagt:

      Ja, das ist eine sehr gute Frage – ich werde Sie gleich an einen Hygieneexperten weiterleiten. Bin selbst gespannt. Viele Grüße
      Sabine Schiner

      • Sabine Schiner sagt:

        Hier die Antwort von Dr. Martin Thieves, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin und Leiter der Abteilung Krankenhaushygiene am Klinikum Darmstadt – ungekürzt: “Hier wird völlig zu Recht der Missstand angesprochen, dass es im öffentlichen Raum viele Kontaktstellen gibt, die hygienisch nicht einwandfrei sind. Exemplarisch genannt werden die Haltestangen im Bus, an denen man sich festhalten muss, um sicheren Halt zu haben und sich nicht zu verletzen. Diese Haltestangen sind – wie in der Leseranfrage plastisch dargestellt – oft in einem ästhetisch äußerst abstoßenden Zustand. Eine bessere und ggf. desinfizierende Reinigung im Busdepot schafft dagegen optisch Abhilfe, nicht aber mikrobiologisch, denn der erste Fahrgast nach der Reinigung kann schon wieder Bakterien und Viren an die Haltestange bringen.

        Generell muss zum Gesundheitsrisiko unterschieden werden zwischen den täglichen Alltagsrisiken und speziellen Gefahren zu Zeiten der Norovirenepidemien:
        1. Alltagrisiko
        Für jeden Krankheitserreger besteht die Gefahr einer Ansteckung, wenn eine bestimmte Keimmenge, die sog. Infektionsauslösedosis, durch Schlucken oder Einatmen aufgenommen wird. Glücklicherweise ist diese für eine Ansteckung notwendige Keimmenge in der Regel sehr hoch, also im Bereich von mindestens 1 Million Keime, oft sogar größer 100 Millionen Keime. Daher kommt es nur selten zu einer Ansteckung auf diesem Wege. Beste und absolut ausreichende Vorsichtsmaßnahme ist das Händewaschen.

        2. Noroviren:
        Noroviren sind eine besondere Gefahr, denn zur Ansteckung reichen wenige Viren aus – nur 10 bis 100 Viren können eine Infektion auslösen! Noroviren gibt es das ganze Jahr über, aber deutlich häufiger im Winter, weshalb Norovirusepidemien typischerweise in der kalten Jahreszeit auftreten. Dabei gibt es alle zwei bis drei Jahre einen besonders heftigen Ausbruch, wenn sich das Virus in seiner Genstruktur verändert, also weiterentwickelt hat. Zur Zeit scheint ein derartiges aggressives Virus zu grassieren.

        Vorbeugend sollte man immer nach Hautkontakt zu sichtbar verdreckten und möglicherweise verkeimten öffentlichen Gegenständen wie den Haltestangen im Bus die Hände gründlich waschen, sobald man am Zielort oder zu Hause eingetroffen ist. Dabei ist es wichtig, die Hände ‚richtig‘ zu waschen und dies auch seinen Kindern frühzeitig zu vermitteln.

        Händewaschen erfolgt richtig, indem erst die Hände mit klarem Wasser benetzt werden. Dann soll wenig Seife aufgetragen und aufgeschäumt werden. Abschließend muss die Seife mit viel Wasser gründlich abgespült werden, bevor die Hände getrocknet werden.
        Das gründliche Abspülen der Seife ist wichtig, denn eingetrocknete Seifenreste schädigen die Haut, lassen kleine Risse entstehen und erlauben damit Keimen, unter die Haut einzudringen.
        Das Wasser sollte immer dann, wenn die Hände stark abgekühlt sind, ‚handwarm‘ sein, also etwa Hauttemperatur haben. Im Winter also kein kaltes Wasser, und generell nie so heißes Wasser, dass es schmerzt oder die Haut rötet.

        In Krankenhäusern oder überhaupt Gesundheitseinrichtungen wird bei Körperkontakt mit Patienten eine Händedesinfektion notwendig, um ein höheres Schutzziel zu erreichen. Hierzu hängen Flaschen mit alkoholischer Desinfektionslösung in speziellen Spendern. Die Lösung soll auf die trockenen Hände aufgebracht und 30 Sekunden eingerieben werden. Die meisten Lösungen – im Klinikum Darmstadt alle Händedesinfektionsmittel – enthalten dabei auch Hautpflegesubstanzen, um die Haut weich und geschmeidig zu halten.
        Speziell für Noroviren benötigt man besonders starke Händedesinfektionsmittel, die man daran erkennen kann, dass sie die Bezeichnung ‚begrenzt viruzid‘ oder ‚viruzid‘ auf dem Etikett stehen haben.

        In der Leseranfrage wird auch nach dem Material der Haltestangen im Bus gefragt. Da die eigentliche Keimübertragung über die Hautoberfläche mit Schweiß, Hautfett, Hautschuppen erfolgt und sich hierin auch die Nährstoffe für das Überleben der Keime befinden, ist das Material selbst unerheblich. Viel wichtiger ist die Oberfläche: Glatte Flächen lassen sich sehr viel besser reinigen als genoppte oder gerippte rauhe Flächen. Und da Kunststoffe mikroskopisch gesehen immer eine rauhe Oberfläche haben, sind sie schlechter geeignet.”

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