Die Leiden der Fußballfans

Spannende Fußballspiele erhöhen das Risiko eines Herzinfarkts bei den Zuschauern. Große Freude, aber auch Ärger können dazu führen dass Hormone ausgeschüttet werden, die Herzrhythmusstörungen oder Infarkte auslösen können. Rauchen und Alkohol verstärken noch die Gefahr.

Es passiert leider immer wieder: Beim Derby gegen Eintracht Frankfurt am 10. September war ein Fan der Darmstädter Lilien auf der Haupttribüne des Jonathan-Heimes-Stadions am Böllenfalltor kollabiert und später im Krankenhaus verstorben. Mehr Glück hatte ein Fußballfan, der Ende Januar bei einem Spiel gegen Schalke 04 zusammenbrach – und überlebt hat. Und das sind keine Einzelfälle. Es gibt mehrere Krankheitsbilder, die in Fußballstadien statistisch gehäuft auftreten, sagt der Darmstädter Kardiologe und Angiologe Professor Martin Heidt.

Herzinfarkt, Lungenembolie, Schlaganfall, Blutdruckkrisen, Aorten-Dissektion, Kreislaufschwächen, Übelkeit, Erbrechen – die Liste ist lang, die Ursachen sind vielfältig. Da ist die Freude über ein Tor, der Zorn über ein Foul oder die aufwühlende Konfrontation mit gegnerischen Fans: “Im Stadion gibt es positiven und negativen Stress “, so Heidt. Aufregung treibt den Blutdruck in die Höhe. Das lange Sitzen und das plötzliche Emporschnellen beim Torjubel belasten den Organismus. Hinzu kommen im Sommer die Hitze und die Sonneneinstrahlung, im Winter kann ein eiskalter Wind im schlimmsten Fall zu einer Verengung der Blutkranzgefäße und letztlich zu einem Herzinfarkt führen.

“Auch die ungewohnte körperliche Belastung spielt eine Rolle”, erklärt der Kardiologe. Ein Sternmarsch vom Langen Ludwig zum Bölle führe über eine recht lange Strecke. Für manche Fans sei das eine ganz schöne Strapaze.

Zum Problem wird die Situation im Stadion , wenn bei den Fans bereits eine Erkrankung vorliegt. “Das erhöht das Risiko “, sagt Heidt. Bei Patienten, die etwa an einer Verengung der Herzkranzgefäße leiden, kann eine Blutdruckkrise dazu führen, dass die Gefäße verstopfen und es im schlimmsten Fall zu einem Infarkt kommt.

Alkohol- und Nikotin-Konsum kann zudem zu einer orthostatischen Dysregulation führen, das heißt: Stehen die Betroffenen, etwa beim Torjubel, schnell auf, versackt das Blut in den Beinen, ohne dass das vegetative Nervensystem darauf reagiert und dies durch ein Zusammenziehen der venösen Blutgefäße verhindert. In der Folge fließt zu wenig Blut zum Herzen zurück und der Blutdruck fällt ab. Die mangelnde Durchblutung des Gehirns führt zu Schwindel bis hin zu Bewusstlosigkeit. Alkohol dickt zudem das Blut ein, erläutert der Arzt. Bier ist nur vordergründig ein Durstlöscher, es sorgt vielmehr dafür, dass die Niere mehr Wasser ausscheidet. Damit steigt wiederum die Wahrscheinlichkeit einer thrombotischen Veränderung.

Heidt ist Notfallmediziner und war selbst schon bei Fußballspielen im Einsatz, sein Fazit: “Es ist sinnvoll, das volle medizinische Equipment im Stadion bereitzuhalten.” Das A und O sei ohnehin die primäre Erstversorgung der Rettungskräfte direkt vor Ort. Sein Tipp für Fans: Statt Bier besser Radler, alkoholfreies Bier oder noch besser Wasser trinken. Und wer unter Vorerkrankungen leidet, sollte sich mit seinem Arzt beraten, um bei Bedarf die Medikation anzupassen.

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