App-Abhängig? Hier gibts Hilfe!

Web@are, Foto: ine

Neues Suchtprojekt Webc@re der Techniker Krankenkasse, Foto: ine

„Webc@re“ heißt ein  Projekt der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen und der Techniker Krankenkasse, das sich an  Menschen richtet, die vom Internet nicht mehr  wegkommen. Als internetsüchtig gelten  Menschen, die sich mehr als 30 Stunden die Woche im Internet aufhalten. Sie spielen, chatten oder bloggen – am Computer oder per Smartphone.  Zu einer Sucht wird ein solches Verhalten dann, wenn sich die Betroffenen von der Familie und den Freunden zurückziehen und  den PC nicht mehr ausschalten können. Seit einigen Wochen haben die Techniker Krankenkasse  (TK) und die  Hessische Landesstelle für Suchtfragen (HLS) in Frankfurt ein neues Portal in Betrieb, das versucht, diesen Menschen zu helfen.  Ziel ist, die Betroffenen im Chat zum Austausch mit anderen Mediensüchtigen  zu animieren.

Wer Internetsüchtigen helfen will, muss selbst online gehen, diese Erfahrung haben die Suchttherapeuten der Landesstelle für Suchtfragen in den vergangenen Jahren immer wieder gemacht.  Das virtuelle Streetwork sieht so aus, dass die Suchtexperten einschlägige Foren aufsuchen  und  und sich dort als Gesprächspartner anbieten. „Egal ob Rollen- oder Ballerspiele – das sind geschlossene Mikrokosmen, und wir sind mittendrin“, erläutert  der Suchttherapeut und Projektleiter Benjamin Wockenfuß dem ECHO.   Mit dem neuen Internetangebot “ betreten die Suchtexperten Neuland.

Diese Form der  netzbasierten Selbsthilfe ist bundesweit einzigartig, so Barbara Voß, Leiterin der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse.  „Diese Menschen brauchen für den ersten Kontakt ein Angebot, das höchstens einen Klick entfernt ist“, so ihre Erfahrung.  Wockenfuß erzählt, dass es Menschen gibt, die  stundenlang vor mehreren Bildschirmen sitzen und sich vor lauter Angst, dass sie etwas verpassen könnten, nicht auf die Toilette trauen. Das reale Leben werde von mediensüchtigen Menschen ausgeblendet. Sie hörten nicht auf Kritik von Familie oder Freunden.  „Die schaffen es oftmals auch  nicht mehr, sich  ins Auto zu setzen oder den Bus zu nehmen, um zu einer Beratungsstelle zu fahren“, so der Suchttherapeut.

Die neue Website  bietet viele Infos,  auch für Angehörige. Es gibt einen  Selbsttest und einen Blog.  „Die Seite ist lebendig“, sagt der Sozialarbeiter. Änderungen seien jederzeit möglich, wenn sich die Nutzergewohnheiten veränderten.  „Es gibt gerade in der Szene  eine Tendenz weg von Chats und hin zu Blogs.“       Er hofft, dass möglichst viele Betroffene das neue Angebot nutzen, sich  austauschen und gegenseitig helfen. „Sie   leben  in einer ganz eigenen Welt, mit eigenen Regeln und einer eigenen Sprache.“
Wockenfuß   hätte gerne,  dass die virtuelle Selbsthilfegruppe am Ende auch in der wirklichen  Welt ankommt.  „Es geht nichts über einen reellen Austausch von Problemen und Erfahrungen“, sagt Wockenfuß.

Auch Wolfgang Schmidt-Rosengarten, Leiter der Landesstelle für Suchtfragen, ist froh, dass das Projekt am Start ist. „Wir machen uns schon lange Gedanken, wie man da helfen kann.“ Selbsthilfe spiele in der Suchthilfe eine große Rolle, da sei  ein solches Angebot naheliegend. Dass Internetsucht  immer noch nicht von der  medizinischen Fachwelt anerkannt ist, bremst ihn nicht. „Es fehlen Studien, und es gibt auch  keinen standardisierten Fragekatalog“, so Schmidt-Rosengarten.  „Das sind Prozesse, die Zeit brauchen. Wir können aber nicht  warten, bis sich  etwas ändert – die Menschen brauchen die Hilfe jetzt.“

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