Zu viel Stress auf den Stationen

Pulsmesser

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“Die Belastungsgrenze der Beschäftigten im Klinikum ist überschritten”, warnen Verdi-Vertrauensleute des Klinikums und der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen. Es brenne nicht nur am Klinikum , sagt Verdi-Mitarbeiter Armin Löw. Die Zustände seien eins zu eins auf andere Häuser in Südhessen übertragbar.

Die Zahl der Überstunden ist zu hoch, der Personalmangel eklatant, so Löws Hauptkritikpunkte. “Es spielt keine Rolle, ob sich die Häuser in öffentlicher oder privater Trägerschaft befinden”, sagt der Gewerkschaftssekretär von Verdi Südhessen. Es werde mit zu wenig und zunehmend abgehetztem und gestresstem Personal gearbeitet. Dies habe Auswirkungen auf die Patienten.

Die weist die Geschäftsführung des Klinikums zurück: “Wie in der Bevölkerung auch, gibt es unter unseren Mitarbeitern jahreszeitlich bedingt erhöhte Krankenstände, die aber insgesamt unauffällig und keinesfalls auf Arbeitsüberlastungen zurückzuführen sind”. Den Vorwurf, die Arbeitsverdichtung oder gar der Personalmangel gehe zu Lasten der Patientenversorgung, lassen die beiden Geschäftsführer Steffen Gramminger und Clemens Maurer so nicht gelten.

Nicht stehen lassen wollen sie auch den “implizierten Vorwurf, dies gehe zu Lasten der Qualität. Das Klinikum habe in den vergangenen Jahren mehrere Strukturierungsprojekte aufgesetzt, um die Abläufe auf den Stationen und die Zusammenarbeit der verschiedenen Abteilungen und Disziplinen zu optimieren und die Qualität zu verbessern. Diese Prozesse seien noch nicht vollständig umgesetzt. Das Klinikum rechnet 2017 mit weiteren positiven Effekten. Derzeit arbeiteten im Klinikum mehr als 1000 Pflegekräfte und mehr als 350 Ärzte. Insgesamt seien es mehr als 2000 Mitarbeiter in der Patientenversorgung beschäftigt. Und im Pflege- und Funktionsdienst gebe es derzeit keine freien Stellen.

Den Krankmeldungen begegne das Klinikum in der Pflege mit einem fest installierten Pflegekräftepool, “um kurzfristige Ausfälle immer dort kompensieren zu können, wo sie anfallen”. In einigen speziellen Disziplinen wie in der OP- oder Intensivpflege sei es allerdings schwierig, alle Stellen zeitnah zu besetzen. “Wir haben im Herbst ganz bewusst auf Ausbildung im Haus gesetzt”, so die Geschäftsführer. Im Oktober seien 59 Auszubildende in der Gesundheits- und Krankenpflege eingestellt und die Zahl der Operationstechnischen Assistenten sei auf zehn erhöht worden. Zugleich setze das Klinikum mit Blick darauf, für die Zukunft gerüstet zu sein, auch auf die Fach- und Weiterbildung der Pflegekräfte.

Ähnlich sieht es auch in den anderen Darmstädter Kliniken aus. Beispielsweise wurden auf dem Alice-Campus die Ausbildungskapazitäten aufgestockt. “So können frei werdende Stellen in der Regel zeitnah nachbesetzt werden, sagt Marcus Fleischhauer, kaufmännischer Geschäftsführer am Alice-Hospital. Lediglich bei Pflegepersonal mit Zusatzqualifikationen wie Intensiv, Neonatologie oder Stationsleitungen stelle sich die Nachbesetzung schwieriger dar. “Aktuell sind auf dem Alice-Campus drei Stellen im Bereich der Pflege ausgeschrieben”, so der Geschäftsführer.

Beim Agaplesion Elisabethenstift ist Geschäftsführer Michael Keller derzeit einigermaßen zufrieden mit der Personalsituation. Allerdings weiß auch er um die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt. In Frankfurt ist seines Wissens bereits ein harter Konkurrenzkampf um Personal entbrannt.

Aktionstag für mehr Personal am 21. Februar

Verdi hat sich vorgenommen, im kommenden Jahr die Arbeitssituation an Kliniken zum Thema zu machen. Die Gewerkschaft fordert einen Entlastungs- und Gesundheitsschutz-Tarifvertrag für Klinik-Beschäftigte und eine verbindliche personelle Mindestausstattung per Gesetz. Für den 21. Februar ist zudem ein Aktionstag für mehr Personal geplant.

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