Wie war die Geburt? Umfrage der Elterninitiative Mother Hood

Die Elterninitiative Mother Hood ruft Eltern aus Darmstadt und Umgebung dazu auf, ihre Erfahrungen bei der Geburt ihres Kindes zu schildern. Der Verein will die Berichte als Grundlage für die Arbeit am Runden Tisch der Geburtshilfe des Landkreises Darmstadt-Dieburg und der Stadt Darmstadt nutzen.

Franziska Kliemt

Franziska Kliemt

“Die Wahrnehmung der Eltern unterscheidet sich von der Wahrnehmung von Hebammen, Geburtshelfern und Ärzten”, erklärt Franziska Kliemt, Initiatorin des Runden Tisches und Landeskoordinatorin des Vereins Mother Hood: “Wir sind die Lobby der Eltern.” Die Geburt eines Kindes sei für die Geburtshelfer Routine, für die Eltern jedoch ein einzigartiger Moment. “In Hessen bekommen Frauen im Schnitt 1,4 Kinder”, so Franziska Kliemt. Sie weiß von Frauen, die sich eine Hebamme mit anderen Betroffenen teilen musste. Zustände, die einer sicheren und entspannten Geburt entgegenwirken.

Ende Januar hat der Hebammenmangel auch die Landespolitiker in Wiesbaden in einer Plenarsitzung beschäftigt. Daniela Sommer (SPD) sprach von einer “angespannten Lage in Hessen” und forderte von der Landesregierung, ein Hebammen-Register zu erstellen, um anhand von genauen Zahlen feststellen zu können, ob es eine Unterversorgung in diesem Bereich gibt. “Wir brauchen eine kompetente Hebammen-Begleitung vor und nach der Geburt”, so die Politikerin. Dazu gehöre, nicht nur den Beruf zu erhalten, sondern auch finanziell aufzuwerten. Dem stimmte Sigrid Erfurth (Grüne) zu. 32,80 Euro für den Besuch einer Wöchnerin sei “entschieden zu wenig”. Und auch an der teuren Haftpflichtversicherung müsse man drehen.

Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) verwies in der Debatte darauf, dass für die Kostensituation die Krankenkassen zuständig sind. Um die Situation für Hebammen zu verbessern, müsse man über den GKV-Spitzenverband und das Bundesgesundheitsministerium gehen, da sei das Land nicht zuständig. Einen steuerfinanzierten Zuschuss zu den Honoraren, wie ihn beispielsweise das Land Sachsen gibt, lehnt Grüttner ab. Dazu sei er derzeit noch nicht bereit: “Hebammen sollten in der Lage sein, ihre Haftpflichtprämien selbst zu bezahlen.”

Auf regionaler Ebene haben sich seit September 2015 die Teilnehmer, darunter Hebammen, Ärzte, Klinikgeschäftsführer, Frauenbeauftragte und Vertreter von Stadt, Landkreis und dem Hessischen Sozialministerium, viermal getroffen.

“Es geht uns um die Patientenbeteiligung, die ist uns noch viel zu gering”, erklärt Franziska Kliemt ihr Engagement und die Gründe für den Aufruf: Die Schilderungen der Eltern zur aktuellen Versorgungsqualität sollen als Grundlage für gemeinsame Diskussionen genutzt werden, um beispielsweise die regionalen Strukturen zu verbessern. “Uns interessieren die Erfahrungen der Eltern bei der Geburt ihres Kindes, ob in der Klinik, im Geburtshaus oder daheim, ob positiv, negativ oder normal”, so die Landeskoordinatorin. Die eingesandten Texte würden anonym behandelt. Ziel ist letztlich, regionale Versorgungsstrukturen zu optimieren.

Ein Thema, das den Verein ebenfalls beschäftigt, ist die Kaiserschnittrate bei Geburten. Die Rate lag im Landkreis Darmstadt-Dieburg 2015 bei 38,1 Prozent, in Darmstadt bei 35,5 Prozent. “Sie wurden aus wohnortbezogenen DRG-Fallzahlen und anhand der Bevölkerungsdaten errechnet”, so Franziska Kliemt. Dem gegenüber stünden Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation, die die medizinischen Vorteile eines Kaiserschnittes bei zehn bis 15 Prozent der Geburten sieht. “Da ist eine Diskrepanz.” Sie verweist auf eine Stellungnahme von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, wonach Kaiserschnitte nur dann, wenn sie medizinisch notwendig sind, gemacht werden sollten. Ein Thema, das den Runden Tisch beim nächsten Treffen im Frühjahr beschäftigen wird.

Erfahrungsberichte können bis zum 28. Februar an folgende E-Mail-Adresse gesendet werden: f.kliemt@mother-hood.de.

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