Trösten statt töten

Seit einigen Tagen wird in Berlin ein Entwurf der FDP diskutiert, der unter anderem vorsieht, dass Angehörige und enge Freunde von Schwerstkranken, wenn sie  Sterbehilfe leisten, straffrei ausgehen.  Da auch Ärzte und Pflegekräfte ein enges, vertrautes Verhältnis zu Sterbenden haben können,  könnte dieser Passus auch für sie gelten. Viele Mediziner sehen die Pläne des Bundesjustizministeriums kritisch.  Damit würden die „Schleusen zur straffreien Tötung auf Verlangen geöffnet“, heißt es in einer Mitteilung der Landesärztekammer in Frankfurt/Main: Ärzte müssten Menschen in allen Lebenssituationen beistehen und versorgen.  „Sterbehilfe leisten heißt, Menschen in den Tod zu schicken. Das hat nichts mehr mit der ärztlichen Aufgabe zu heilen, helfen und zu trösten zu tun.“  

Ich finde, viel wichtiger als Diskussionen über Sterbehilfe sind Diskussionen darüber, ob auch wirklich alles getan wird, um Sterbenden die Zeit, die ihnen noch bleibt, zu erleichtern und erträglich zu machen. Noch immer klagen Palliativmediziner über Versorgungslücken. Noch immer ist die Palliativmedizin  nicht an allen medizinischen Fakultäten in Deutschland in der Lehre vertreten. Noch immer gilt sie als junges Fachgebiet – das muss sich ändern. Wenn es im stationären und ambulanten Bereich ausreichend interdisziplinäre Teams gibt, die sich um Sterbenskranke kümmern, erst dann ist meiner Meinung nach die Zeit da, um auch über Sterbehilfe zu reden.

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