Bachelor für Krankenpfleger

In Darmstädter Kliniken gibt es zwar keinen Engpass an Personal auf Intensivstationen, wie eine Kurz-Umfrage des ECHO ergab.  Der Markt an Fachkräften ist jedoch leergefegt. Bundesweit sieht es schlechter aus: Auf vielen Stationen fehlt den Pflegekräften die Zeit, um ein ruhiges Gespräch mit Angehörigen zu führen oder Patienten nach einer Operation auf die Beine  zu helfen.  Wie es in einer Umfrage des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung in Köln  heißt,  belastet die zunehmende Arbeitsverdichtung die Pflegekräfte. Krankheitsdauer und Krankheitshäufigkeit, so das Institut, hätten in den vergangenen zwei Jahren deutlich zugenommen. 
Die Studie weist  darauf hin, dass Pflegekräfte in der Intensivpflege zu großen Teilen eigenverantwortlich und selbstständig arbeiten. Damit ist die Realität in der Pflege weiter, als es die berufspolitischen Diskussionen sind.  Noch immer widerstrebt es der Bundesärztekammer, ärztliche Leistungen an Mitarbeiter zu delegieren. Dies würde das Recht des Patienten auf eine Behandlung nach fachärztlichem Standard unterlaufen und zu einem Qualitätsabfall und einer Unwirtschaftlichkeit in der Versorgung führen, heißt es in einer Stellungnahme.

Eine ganz andere Empfehlung kommt aktuell vom Wissenschaftsrat, der die Bundesregierung und die Regierungen der Länder zum Thema Hochschulen, Wissenschaft und Forschung berät. Um das Gesundheitswesen für die zunehmenden Zahl an schwerst- und chronischkranken Patienten zu rüsten, brauche es nicht nur mehr, sondern auch qualitativ andere Versorgungsleistungen. Die Experten sprechen sich für eine partielle Akademisierung der Gesundheitsfachberufe aus. Etwa  20 Prozent aller  Krankenpfleger, Altenpfleger, Physiotherapeuten und Hebammen sollen dazu künftig an Hochschulen ausgebildet werden und mit einem Bachelor abschließen.  Die Experten empfehlen auch eine engere Zusammenarbeit mit den medizinischen Fakultäten.  Eine gute Idee. Die Frage ist nur,  wie lange es braucht, bis aus Empfehlungen Richtlinien werden.

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