Pflege von Muslimen: Mit dem Kopf Richtung Mekka

Bei muslimischen Patienten sorgen oft Sprachprobleme sowie  kulturelle und religiöse Unterschiede bei Ärzten und Pflegekräften  für Irritationen. Welche Bedürfnisse haben sie? Die angehende Pflegewissenschaftlerin Imran Karkin gibt Tipps.

Die 23 Jahre alte Imran Karkin ist in Aschaffenburg geboren. Die Muslimin  und angehende Pflegewissenschaftlerin  bereitet sich  an der Evangelischen Hochschule Darmstadt  auf ihre Bachelorarbeit vor. Ehrenamtlich hält sie Vorträge und Fortbildungen über das Thema Sterben im Islam. „Ich habe  in meiner Familie mitbekommen, das viele muslimische Patienten sich in Kliniken unverstanden fühlen“, erzählt sie auf einem Workshop auf dem  Hessischen Palliativtag im Darmstadtium. Sie setzt auf Aufklärung, damit sich dies ändert.

In den vergangenen Jahren   wurden viele alte und kranke Menschen zuhause, im türkischen Familienverband,  versorgt.   Die zweite und dritte  Generation habe  heutzutage meist  keine Zeit mehr für die Pflege der  Eltern, so Imran Karkin.  Die Folge: Die Zahl der Muslime, die in Altenheimen, Kliniken und Hospizen versorgt  werden,  nimmt zu. Oft kommt es aufgrund der kulturellen und religiösen Besonderheiten zu Missverständnissen.

Sterben ist im Islam fest mit Gott verbunden. „Wir glauben an ein Leben nach dem Tod“, erzählt Imran Karkin. Die Familie helfe dem Kranken, sich auf den Übertritt ins Jenseits vorzubereiten.    Im Pflegealltag  führe dies oft zu Problemen, wenn    20, 30 Menschen ins Krankenzimmer möchten.  Sie rät, die Besucher in kleine Gruppen aufzuteilen, damit sie sich vom Patienten  verabschieden können.  Sie rät zudem  Ärzten und Pflegern,  vorab Kontakte zu Moscheen zu knüpfen, die sich  nach dem Tod  um die rituelle Waschung kümmern.  Feuerbestattung ist  Muslimen strikt verboten. Sterbehilfe und Suizid sind nach  dem Koran eine Sünde, Patientenverfügungen  werden nicht akzeptiert: „Gott entscheidet, wann ein Mensch stirbt.“

Im Sterbezimmer sollten  Bilder, Kreuze und Kerzen entfernt werden. Pflegende sollten für die Befeuchtung von Lippen und Mundbereich des Sterbenden  sorgen. Warum?  Nach dem Koran besucht der Teufel in den letzten Stunden den Sterbenden und bietet ihm Wasser an, wenn er seinen Glauben verrät.  „Um ihn nicht in Versuchung zu führen, dürfen Muslime keinen Durst haben“,  sagt Imran Karkin.  Wichtig sei  auch, den  Sterbenden auf die rechte Seite zu  legen, mit dem Gesicht in Richtung  Mekka.
„Wir erweisen unseren Toten Respekt“, so die Pflegewissenschaftlerin. Nach dem Koran ist ein Mensch nicht nur wertvoll, wenn er lebt, sondern auch, wenn er gestorben ist.

Dieser Beitrag wurde unter Kliniken, Medizin, Pflege veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>