Leider nur Science-Fiction

Auf die  Geschichte im ECHO über das lange Warten auf einen Augenarzt-Termin  gab es viele Reaktionen.  Danke an alle, die mir telefonisch, per Mail und per Blog ihre  Erfahrungen bei Augen- und Kinderärzten, Rheumatologen, Hautärzten und Neurologen geschildert haben.  Lange Wartezeiten  gibt es anscheinend auch in einigen  Klinikambulanzen.  Eine ECHO-Leserin  bekam  von der Mitarbeiterin einer Darmstädter Klinik  einen Termin im Februar 2013 vorgeschlagen – trotz Schmerzen. Auf die Frage, warum das solange dauert, bekam sie von der Mitarbeiterin die Antwort: „Sie sind ja nicht die Einzige“.  Sie machte sich daraufhin auf die Suche nach einer Praxis, die sie nicht wegschickt. Ich hoffe, sie hat mittlerweile einen Arzt gefunden, der ihr hilft. 
Ich habe  den Eindruck, dass es eine riesige  Kluft zwischen Praxen auf der einen und Kliniken auf der anderen Seite gibt. Das haben übrigens auch die Gesundheitsweisen  in einem Sondergutachten kritisiert. Patienten würden  zwischen den Kliniken und den niedergelassenen Praxen hin- und hergeschoben werden. Die Übergänge zwischen den Versorgungsbereichen seien ungeordnet, keiner wolle die Gesamtverantwortung übernehmen, heißt es in dem Dokument.  Um das zu ändern, fordern die Sachverständigen neue Standards, die das Entlassungsmanagement der Kliniken  verbessern sollen, etwa dadurch, dass Behandlungs- und Medikamentenpläne besser aufeinander abgestimmt werden.  Zu ihren Forderungen gehört auch, dass alle Ärzte aus einem Topf bezahlt werden und es in ihren Kassen klingelt, wenn sie ihre Patienten gesund erhalten. Das klingt gut, ist aber wohl nur Science-Fiction.

Dieser Beitrag wurde unter Gesundheitspolitik, Kliniken, Pflege, Praxen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

One Response to Leider nur Science-Fiction

  1. sabine sagt:

    Nicht nur in den Wartezimmern ist es eng, auch bei Medikamenten. Gerade erreicht mich eine Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten in Berlin, wonach es zunehmend Lieferprobleme bei Arzneimitteln gibt: „Das ist eine der Konsequenzen der Preisspirale. Wegen der Konzentration auf den Preis werden andere Aspekte wie eine schlechtere Versorgungsqualität oder Auswirkungen auf die Patientencompliance billigend in Kauf genommen.“ Bereits Mitte Juni hatten einige Krankenhausapotheker von Lieferproblemen berichtet, kürzlich ging auch der Hessische Apothekerverband in Offenbach an die Öffentlichkeit: „Seit mehreren Monaten haben wir Probleme bei Antibiotika, bei Bronchialpharmaka – die bei asthmatischen Beschwerden eingesetzt werden –, aber auch bei Heparinspritzen zur Vorbeugung von Thrombosen“, heißt es. Viele Arzneimittel würden nicht mehr in Deutschland produziert und oftmals auch nur noch an einem Standort. Fällt dann die Produktion aus, wird es eng. Nach Angaben des Apothekerverbandes sorgten die Rabattverträge dafür, dass sich die Preisspirale immer schneller nach unten drehe. Nur der Hersteller, der den günstigsten Preis anbiete, bekomme den Zuschlag. Die Lieferfähigkeit spiele dann oft eine untergeordnete Rolle.

Schreibe einen Kommentar zu sabine Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.