Pflege am Boden

Am Samstag (12. Juli)  ist um 16 Uhr auf dem Darmstädter Luisenplatz erneut eine Aktion zum Thema „Pflege am Boden“, bei dem Pflegekräfte, pflegende Angehörige und Mitglieder von Gewerkschaften und Berufsverbänden auf Missstände  aufmerksam machen  – und sich für zehn Minuten aus Protest aufs Pflaster legen.

Mehr als 20 000 Menschen haben sich bislang nach Angaben des Bündnisses „Pflege am Boden“ bundesweit an den Protesten beteiligt. Die erste Aktion war im September vergangenen Jahres in Berlin. Seitdem wird auch in Darmstadt – in der Regel immer am zweiten Samstag eines Monats – in  Medien wie Facebook ein Flashmob ausgerufen, also ein  kurzes Treffen auf einem öffentlichem Platz, bei dem sich die Teilnehmer persönlich in der Regel nicht kennen.

„Die Reaktionen  sind überwiegend positiv”, erzählt  Henrike Dietermann von der Darmstädter Gruppe, die auf dem sozialen Netzwerk Facebook knapp 200 Mitglieder hat und in diesem Jahr bereits  fünf Aktionen auf dem Luisenplatz organisiert hat. Die Proteste der Teilnehmer  richteten sich nicht gegen die Arbeitgeber. „Wir wissen, dass deren Spielraum begrenzt ist”, sagt Henrike Dietermann. Es sei vielmehr ein Versuch, Politiker und andere Verantwortliche auf die Probleme im Gesundheitswesen aufmerksam zu machen.

„Krankenhäuser dürfen keine reinen Wirtschaftsbetriebe sein”, so Henrike Dietermann. Die Beschäftigten bräuchten ausreichend Zeit, um sich um die Patienten sorgen zu können. „Ohne ständig auf die Uhr zu schauen.“ Sie findet deshalb gut, dass kürzlich auf dem Hauptstadtkongress in Berlin  Staatssekretär Karl-Josef Laumann (CDU) eine Verbesserung des 20 Jahre alten Personalschlüssels in der stationären Pflege gefordert hat.  „Der Pflegebedarf hat sich mit den Jahren geändert”, sagt sie.  Es gebe zunehmend mehr ältere Patienten, die sehr viel Betreuung bräuchten. Wie ihre Mitstreiter hofft sie darauf, dass im Zuge der  Pflegereform die Zahl der Mitarbeiter in stationären Einrichtungen erhöht wird. Konkrete Aussagen dazu gibt es bislang allerdings von den Gesundheitspolitikern der Großen Koalition nicht.

Henrike Dietermann ist selbst   ganz zufrieden mit ihrem  Arbeitsplatz an einem kleinen Kreiskrankenhaus in Südhessen. Doch auch dort, so die Krankenschwester, müssten sich die Beschäftigten um immer mehr Patienten kümmern. Und zwar unter Hochdruck, da die  Liegezeiten in den Kliniken immer kürzer, die  bürokratischen Aufgaben aber immer mehr werden. „Das sind alles Faktoren, die die Arbeit verdichten“, erläutert sie.

Ein weiteres Problem sei die Tendenz,  dass auch das Pflegepersonal selbst immer älter wird – und der Nachwuchs ausbleibt. Die  Arbeitsbedingungen in der Pflege müssten sich bessern, um den Beruf wieder attraktiver zu machen.  „Es geht uns dabei gar nicht nur um mehr Geld. Das ist nicht die größte Klage, die ich höre”, so Henrike Dietermann. Sie und ihre Kollegen wünschten sich vielmehr,   mehr Zeit für die Patienten zu haben.  Sie hofft deshalb, dass sich am Samstag viele Menschen am Flashmob beteiligen.  „Wir können noch viele Mitstreiter gebrauchen.“

Dieser Beitrag wurde unter Gesundheitspolitik, Kliniken, Pflege abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>