Nichts ist gut: Mit dem Babynotarzt nach Gießen

Als Reakteurin und Bloggerin kriegt man des öfteren Post von Lesern. Mal Lob, mal Tadel, manchmal sind es auch sehr bewegende  Geschichten, wie die von Jana Tokarczyk-Steinmetzer.  Sie hatte den Artikel über das Neugeborenen-Herzscreening im ECHO gelesen und sich sofort hingesetzt und ihre Erlebnisse festgehalten. Sie hofft, dass ihr Appell für ein verpflichtendes Screening bei Vertretern von Krankenkassen und Kliniken gehört wird.

“Ich habe am 21.7. entbunden und verweilte 5 Tage auf der Neugeborenenstation. Bereits nach der Geburt machte meine Tochte seltsame Atemgeräusche (Videoaufnahme vorhanden)- die Nächte verbrachte sie bei den Schwestern zur Beobachtung anstatt bei mir. Die Schwestern machten dies eigenverantwortlich, denn ihnen gefiel dieses Geräusch nicht. Bereits in der ersten Nacht wandte sich die Schwester an die Kinderärztin, um meine Tochter zu untersuchen. Sie bemerkte neben den Geräuschen einen schlaffen Körpertonus und ließ die Vermutung aufkommen, dass meine Tochter evt. etwas am Herzen haben könnte. Die Ärztin untersuchte und “Alles in Ordnung”. Innerhalb der 5 Tage Klinikaufenthalt stand auch noch die U2 an, die vom Leiter der Neonatologie gemacht wurde. Wieder verwiesen wir (Eltern und Schwestern) auf die Geräusche und wieder hieß es “Alles in Ordnung”. Entlassen wurde ich vom stellvertretenden Leiter mit der Aussage “Freuen Sie sich über ein gesundes Kind!”

Dieses “Ach so gesunde” Kind wurde eineinhalb Tage später im kardiogenen Schockzustand in die Klinik (nicht die Geburtsklinik) eingewiesen und Dank der Erfahrung des Oberarztes sofort mit dem Babynotarzt nach Gießen transportiert. Meine Tochter war dem Tod näher als dem Leben (Arztberichte vorhanden). Sie hat einen angeborenen Herzfehler. Herzgeräusche will niemand der Ärzte gehört haben. Es folgte eine lange Zeit auf der Intensivstation mit einer Herzop und anschließender Genesungsphase. Diese OP hätten wir nicht umgehen können, das ist mir bewusst, allerdings wurde durch das “Nicht reagieren”der Ärzte auf unsere Hinweise sowie auf die der Schwestern mit dem Leben eines Säuglings grob fahrlässig gespielt. Meiner Meinung nach stand die Arroganz den Ärzten im Weg- wie und warum sollte man Krankenschwestern glauben oder gar einer “vielleicht hysterischen” Mutter beim ersten Kind. Sollten die Geräusche nicht abklingen, so der Arzt, könne ich in einer Woche nochmal zum Kinderarzt gehen vorher nicht. Eine Woche später wäre ich wo ganz anders hingegangen…

Ich bin froh, dass meine Tochter lebt und sich so prächtig entwickelt und hoffe, dass es keine Folgeschäden auf Grund ihrer Unterversorgung gibt. Dennoch bin ich vom Ärzteteam enttäuscht, man hätte mir einen Ultraschall vom Herzen anbieten müssen. Man hätte mich nicht entlassen dürfen ohne die Gesunheit meines Kindes schwarz auf weiß zu bestätigen. So etwas darf nicht passieren!!! Um juristisch vorzugehen haben mein Mann und ich keine Kraft, dennoch möchten wir für alle anderen diese Situation transparent machen, an unserer Geschichte ist nichts schön zu reden.

Wir danken Gott dafür zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein – bei den richtigen Ärzten!

Wir unterstützen das Vorhaben von Dr. Feil, bei dem auch wir in kardiologischer Behandlung sind. Wir hatten Glück- wie viele Babys, Kinder und Eltern haben dies nicht. Ein Herzscreening ist so wichtig!”

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Eine Antwort auf Nichts ist gut: Mit dem Babynotarzt nach Gießen

  1. Alina sagt:

    Unvorstellbar was ihr durchmachen musstet. Das Neugeboren-Herzscreening muss zur Pflichtuntersuchung werden!!!
    Alles Gute euch und eurer kleinen Kämpferin!

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