Mit Smileys gegen Schmerzen

Mitte 20 und Schmerzpatientin?  Ein Jahr dauerte es, bis bei Alina Aue aus Darmstadt die Diagnose feststand: „Hochgradige Hüft-dysplasie“. Das ist zwei Jahre her, seitdem hat sie viele Eingriffe hinter sich. Ihren Optimismus hat sie nicht verloren – eine Patientengeschichte, die Mut macht.

„Mrs. A. Hinkebein“ nennt sie sich auf Facebook (www.facebook.com/Mrs.A.Hinkebein). Dort bloggt sie über das „bunte Leben“ als Hüftkranke. Sie erzählt von  Schmerzen,  Fehldiagnosen,  Rückschlägen. Ohne groß zu klagen oder zu murren. Mit vielen Smileys am Satzende. „Ich habe von Anfang an die Situation angenommen. Ich  kann ja nicht vor mir weglaufen,“ erklärt sie im Gespräch.  „Humor ist wie ein Scheibenwischer, er vertreibt nicht den Regen, aber man fährt besser damit.“

Hier ihre Geschichte: Mit 25 Jahren bekommt sie beim Joggen plötzlich Schmerzen. Die Ärzte suchen nach einer Diagnose, ein Jahr lang. „Es wurden in dieser Zeit sieben Falschdiagnosen gestellt“, erzählt Alina Aue. Einmal war es der Blinddarm, dann ein Bandscheibenvorfall. Der nächste Arzt stellte eine Thrombose fest, ein anderer machte den Stress im Job – sie ist Bankkauffrau – dafür verantwortlich. „Die Ärzte haben mich nicht ernst genommen. Ein junger Mensch mit starken Schmerzen – das hatten sie nicht auf dem Schirm.“

Alina Aue zweifelte nach dem x-ten Arztbesuch  irgendwann an sich. Ihr Hausarzt ordnete schließlich ein MRT der Hüfte an. Es   stellte sich heraus, dass sie von Geburt an eine Fehlstellung hat. „Hochgradige Hüftdysplasie mit Arthrose“ lautete die Diagnose. „Ich bin fast vom Stuhl gefallen“, erinnert sie sich. Das Leiden war zuvor  bei keiner Untersuchung festgestellt worden. „Als Kleinkind hatte ein Arzt meiner Mutter einmal geraten, mich eine zeitlang doppelt gefaltet zu windeln, das war´s auch schon.“  Wäre die Erkrankung früher entdeckt worden, hätte sie  nur  Spreizhosen anziehen müssen, um die Fehlstellung zu korrigieren. Nun, mit 25, brauchte sie eine künstliche Hüfte.

„Nach der Diagnose ging es mir eine Woche lang richtig schlecht“, erzählt sie. „Ich hatte die  Wahl: Untergehen oder kämpfen – ich entschied mich für Letzteres.“ Es folgten Operationen, Komplikationen, Rückschläge – und Schmerzen über Schmerzen. Ein Arzt versuchte an einer Klinik  in Dortmund  die Hüfte zu retten. „Das war eigentlich von vornherein zum Scheitern verurteilt“, sagt sie heute. Er versuchte eine dreifache Becken-Osteotomie: Dazu wird die  Hüftpfanne  herausgelöst und in die anatomisch korrekte Stellung gebracht. Das Vorhaben  scheiterte. Die Folge: Sie musste sechs Wochen im Bett verbringen, durfte in dieser Zeit nur liegen, nicht sitzen und konnte nicht einen Schritt vor die Tür machen. „Ich lag die ganze Zeit wie ein alter Mensch im Pflegebett.“ Die Schmerzen waren sehr stark, sie nahm Opiate, machte später eine Schmerztherapie. Als die zweite Hüfte in München korrigiert wurde,  verzögerte sich der Heilungsprozess und die linke Seite musste mit Krücken monatelang entlastet werden. „Danach war meine zuvor  operierte rechte Hüfte ganz kaputt. Da war nichts mehr zu machen.“ Um ihre Gelenke zu schmieren, radelte sie täglich eine Stunde auf dem Hometrainer. Mehr war nicht drin.

“Die Hüftgelenksersatz-Operation ließ sie  in einer Klinik in Lorsch machen. „Das war ein tolles Team und ein toller Arzt“, erzählt sie. Trotzdem kam es zu  Komplikationen: Sie infizierte sich vor der OP mit einem Klinikkeim, die Operation musste verschoben werden. „Als ich dann endlich negativ getestet wurde, ließ ich mich operieren. Direkt nach der OP war der gefährliche Keim wieder da. Elf Tage lang lag ich isoliert auf der Station, ich kam mir vor, als hätte ich Ebola.“

In Kürze will  Alina Aue wieder arbeiten gehen. Ihr Arbeitgeber, die Sparkasse Darmstadt, hat ihre Stelle freigehalten. Ihre linke Hüfte wird derzeit durch fünf große Edelstahlschrauben stabilisiert. Wenn sie versagt, wird sie eine weitere Prothese brauchen. Unterkriegen lassen will sie sich  nicht.   Sie engagiert sich in der Selbsthilfegruppe Hüftdysplasie und leitet den Bereich Westdeutschland auf Facebook – ihr Blog bekam in wenigen Wochen  300 Likes.  „Wenn man merkt, dass es andere gibt, die ähnliches durchgemacht haben, wird es leichter – zusammen sind wir stark.“

Ihre positive Einstellung hat sie vorangebracht und diese Erfahrung will sie weitergeben, um anderen Mut  zu machen. Ihr Erfolgsrezept:  „Ich suche jeden Tag nach etwas Gutem, das mir passiert ist.“

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