Mit einem Schlag ist alles anders – eine junge Frau erzählt

Liebe Leser, ich weiß, bloggen heißt, keine langen Geschichten schreiben. Das gelingt mir im “Pulsmesser” nicht wirklich – aber dazu liegen mir diese Geschichten ja auch viel zu sehr am Herzen. Hier nun  ein Erfahrungsbericht einer jungen Frau – und ehemaligen Kollegin - die 24 Jahre alt ist, als sich ihre Halsschlagader aufspaltet und einen Infarkt auslöst.

Die Journalistinn Meike Mittmeyer-Riehl mit ihrem Buch "Der Spalt", in dem sie erzählt, wie sie im Alter von 24 Jahren einen Schlaganfall erlitt.Es ist der 17. März 2012: Beim Tennisspielen bemerkt Meike Mittmeyer-Riehl – sie lebt im Landkreis Darmstadt-Dieburg – ein Stechen im Hals und leichte Schmerzen im Hinterkopf. Sie fühlt sich etwas benommen und vermutet, dass sie sich erkältet hat. Sie geht nach Hause, duscht und bricht zusammen. Kurzfristig hat sie kein Gefühl mehr in ihrer linken Körperhälfte. Die herbeigerufenen Rettungssanitäter tun das einzig Richtige: Sie nehmen sie mit in die Darmstädter Stroke Unit, eine Spezialstation für solche Fälle am Klinikum in Darmstadt. Dort stellen die Ärzte die Diagnose und versorgen sie mit Medikamenten.

Etwa fünf bis zehn Prozent der Schlaganfälle treten bei Menschen unter 50 Jahren auf. Sogar Kinder kann es treffen, heißt es bei der Deutschen Schlaganfallhilfe in Gütersloh. Oft sind es Herzrhythmus- oder Blutgerinnungsstörungen, die zu Schlaganfällen bei jungen Menschen führen. Bei Meike Mittmeyer-Riehl war eine spontane Dissektion der Halsschlagader die Ursache: In der Wand einer Arterie hatte sich ein Riss gebildet, daraufhin löste sich die innere Gefäßschicht ab, es kam zu einem Gefäßverschluss im Gehirn.

“Mit einem Schlag ist alles anders”, schreibt sie in ihrem Buch “Der Spalt”. Die Journalistin und ehemalige ECHO-Redakteurin schildert darin, was die Krankheit mit ihr machte und wie wütend und verzweifelt sie sich fühlte. “Es ist in gewisser Weise ein Outing”, sagt sie im Gespräch mit dem ECHO. “Ich wollte auf ganz ehrliche Art und Weise schildern, wie es ist, wenn einem der eigene Körper in einem Alter, da eigentlich alle Türen offenstehen sollten, plötzlich all diese Türen mit voller Wucht vor der Nase zuknallt”, schreibt sie im Vorwort. Dabei hatte sie – oberflächlich betrachtet – sogar Glück: Ihre rechte Gehirnhälfte war nur ganz kurz unterversorgt. “Mein Körper hatte es offenbar schnell genug geschafft, die Blutversorgung des Gehirns über andere Wege sicherzustellen.” Sie behielt keine bleibenden körperlichen Schäden zurück.

Gleich nach der Reha, sechs Wochen nach dem Schlaganfall, reist sie mit Freunden durch die USA, danach stürzt sie sich in die Arbeit. Sie versucht, sich abzulenken, sie zieht um, heiratet, hört auf, über die Krankheit zu sprechen. Und sie versucht herauszufinden, warum sich bei ihr ein Riss in der Arterie gebildet hat. Manchmal ist eine Überdehnung des Nackens oder eine rasche Rotation der Halswirbelsäule die Ursache. Manchmal ist es auch eine Bindegewebsschwäche. Die Erkrankung ist nur wenig erforscht, sie sucht vergeblich nach der Ursache. “Ich habe mich da hineingesteigert”, sagt Meike Mittmeyer-Riehl heute. “Leider ist es mir nicht gelungen, meine Erkrankung als Teil meines Lebens zu akzeptieren.”

Bald spielen Körper und Seele nicht mehr mit: Sie fühlt sich fremd in ihrem Körper, leidet unter Panik- und Angst attacken, innerer Unruhe. Und dann kommt der Schwindel. Sie fühlt sich manchmal wie in einem Kettenkarussell. Die Journalistin geht von Arzt zu Arzt, ohne Befund. Schließlich wird ihr klar: “Meine verbissene Suche förderte immer nur noch mehr Ungewissheit zutage, weil es klare Antworten leider immer noch nicht gibt. Schleichend stürzte ich in eine psychische Erkrankung, und erst die zwang mich zur echten Aufarbeitung mit allem, was passiert ist.”

Sie habe gelernt, dass “man immer auch zurückschauen muss, um vorwärts zu kommen”, sagt Meike Mittmeyer-Riehl . Zur Aufarbeitung gehört für sie auch das Schreiben des Buches. Wenn man sich seine Schwächen eingesteht, macht das stark, ist darin zu lesen. Und: Man muss Gefühle zulassen und nicht beiseite schieben.

Weitere Infos zum Schlaganfall: www.gesundheitsinformation.de und www.schlaganfall-hilfe.de

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