Hundenasen als Krebsdetektor

Hundenasen gegen Krebs: Am Klinikum Darmstadt läuft eine Studie, die das Ziel hat, eine neue Vorsorgetechnik zu entwickeln, die auf dem Geruchssinn der Vierbeiner basiert.

Hundenasen gegen Krebs: Foto Klinikum DarmstadtHunde werden seit Jahren eingesetzt, um nach Drogen oder Sprengstoffen zu suchen – und längst nutzt man den Geruchssinn der Tiere auch in der Medizin, etwa als Frühwarnsystem auf vier Beinen für Diabetiker. Die Tiere können nämlich auch riechen, wenn Frauchen oder Herrchen eine Unterzuckerung droht. In einigen kleineren Studien hat sich in den vergangenen Jahren zudem gezeigt, dass Hunde in der Atemluft oder im Stuhl von Menschen bestimmte Krebsarten riechen können. Und das mit einer hohen Genauigkeit, sagt Professor Carl Schimanski, Direktor der Medizinischen Klinik am Klinikum Darmstadt. Dieses Können soll nun genutzt werden, um eine neue Vorsorgetechnik zu entwickeln.

Die Idee dazu hatte Thomas Riemann-Seibert aus Dieburg. Seine Frau Heidrun starb vor drei Jahren im Klinikum nach einer Strahlentherapie an Lungenkrebs. Er gründete in ihrem Namen eine Stiftung. “Ich wollte etwas tun, was Menschen hilft”, erzählt er im Gespräch mit dem ECHO. Und er wollte verhindern, dass andere Menschen das gleiche Schicksal trifft wie seine Frau. Derzeit gibt es nämlich noch keine Vorsorgeuntersuchung für Lungenkrebs. Als er von einer Studie mit Hunden und 220 Probanden am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus las und von der hohen Trefferquote bei der Frühdiagnose von Lungenkrebs, stand für ihn fest: Dies könnte eine Möglichkeit sein, die Prävention auf eine neue Basis zu stellen und so Menschen zu retten.

“Es geht uns nicht darum, 5000 Hunde auszubilden, damit sie bei den Patienten Krebs aufspüren können”, erzählt Thomas Riemann-Seibert. Dies mache wenig Sinn, zumal in Krankenhäusern keine Tiere erlaubt seien. Ziel der Studie sei vielmehr, einen Chip zu entwickeln, der den Hundenasen gleichkommt.

Am Klinikum Darmstadt fand Riemann-Seibert Mitstreiter. Die ärztliche Leitung hat Carl Schimanski übernommen. Die Studie soll die Nachweisgenauigkeit wissenschaftlich eruieren. Das Klinikum steuert je 100 Proben von Patienten mit Lungen- und Darmkrebs bei. Verglichen werden die Daten mit Kontrollproben von gesunden Menschen. Dazu werden noch Probanden zwischen 45 und 80 Jahren gesucht, die Atem- oder Urinproben für die Studie zur Verfügung stellen.

Eine neue und einfache Vorsorgetechnik wäre ein Quantensprung für die Krebsfrüherkennung, so Schimanski. Derzeit würde nur von einem Viertel der Bevölkerung die Möglichkeit zur Darmspiegelung genutzt. Die Schwelle liege hoch. Diesen Mangel, so auch Thomas Riemann-Seibert, soll das Projekt beseitigen und “hoffentlich viele Menschenleben retten”. Ziel müsse sein, dass der neue Test preislich so günstig ist, dass ihn künftig jeder Hausarzt und jedes Labor anbieten könne.

Geplant ist, dass bei Patienten des Klinikums, wenn sie damit einverstanden sind, Atemproben zur Entdeckung von Bronchialkarzinomen und Stuhl-und Urinproben für Darmkrebs und große Darmpolypen genommen und mit herkömmlichen Diagnosetechniken abgeglichen werden. Die gesammelten Proben werden dann an das Hundetrainingszentrum “TeamCanin” in Filderstadt bei Stuttgart geschickt. Dort bewerten speziell ausgebildete Hunde die Proben. In dem schwäbischen Trainingszentrum waren bereits im Jahr 2011 für eine Studie am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus vier Hunde ausgebildet worden, um Lungenkrebs zu erschnüffeln.

Für die neue Darmstädter Studie ist geplant, dass die Tiere die Testproben unter 18 unaufffälligen Proben erkennen müssen, erklärt Schimanski. Parallel dazu sollen die Proben auch am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg analysiert und die Geruchsmoleküle entschlüsselt werden.

Vermutlich Ende 2018, so der Zeitplan von Thomas Riemann-Seibert, sind die Zielmoleküle identifizert. Dann gehe es darum, den Chip zu produzieren. “Es gibt Unternehmen, die für uns so ein Gerät entwickeln können”, sagt Klinikdirektor Schimanski. Er rechnet mit etwa einer Million Euro, die es braucht, um das neue Testverfahren auf den Markt zu bringen.

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2 Antworten auf Hundenasen als Krebsdetektor

  1. Vielen Dank für diesen Artikel. Das Hunde über das Riechorgan Krebs aufspüren können, war mir noch völlig neu. Obwohl es ja irgendwie naheliegend sein könnte, wenn Vierbeiner benutzt werden, um Drogen aufzuspüren, wieso sollte es nicht der Medizin nützlich sein. Auf jeden Fall sehr aufschlussreich der Artikel.

  2. René Walter sagt:

    “Es geht uns nicht darum, 5000 Hunde auszubilden, damit sie bei den Patienten Krebs aufspüren können”, erzählt Thomas Riemann-Seibert. Dies mache wenig Sinn, zumal in Krankenhäusern keine Tiere erlaubt seien. Ziel der Studie sei vielmehr, einen Chip zu entwickeln, der den Hundenasen gleichkommt.” – Bald sind auch unsere Tiere überflüßig!

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