Hilfe für die Seele

Wenn Menschen in eine psychische Krise geraten, bleibt ihnen oft nur der Weg in die Klinik. Einen Termin bei Fachärzten und Psychotherapeuten zu bekommen, kann Monate dauern. Der ambulante Krisendienst, den die Caritas in Südhessen seit 2012 anbietet, schließt eine Lücke – allerdings nur für Versicherte von Krankenkassen, die sich an dem integrierten Versorgungsvertrag beteiligen.

Was tun, wenn sich die Gedanken im Kreis drehen und immer finsterer werden und man Hilfe braucht? Viele Betroffene schrecken vor einem stationären Aufenthalt in der Psychiatrie zurück, weil sie nicht aus ihrem Alltag gerissen werden wollen. Manche haben auch Angst, dass Arbeitskollegen und Freunde von ihren Problemen etwas mitbekommen. Schnelle Hilfe in der Krise bietet die Caritas in Darmstadt mit ihrem ambulanten Dienst samt Rufbereitschaft rund um die Uhr an. In Notfällen steht kurzfristig auch eine Krisenpension mit Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung. Mehr als 260 Patienten betreuen die Caritas-Mitarbeiter derzeit. Etwa die Hälfte leidet an Depressionen.

Bei dem Netzwerk handelt es sich um ein integriertes Versorgungsmodell, bei dem Fachärzte für Psychiatrie, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und Fachkrankenpfleger die Patienten zuhause betreuen. Den zusätzlichen Aufwand bekommen die Mediziner und Therapeuten von den am Vertrag beteiligten Krankenkassen extrabudgetär bezahlt – in Südhessen sind das unter anderem die Techniker Krankenkasse und die Betriebskrankenkassen von Merck und Siemens. Ärzte und Therapeuten sind im Gegenzug auch nachts, an Wochenenden und an Feiertagen im Einsatz. Immer dann, wenn ein Patient Hilfe braucht. Ziel ist, Betroffenen Strategien an die Hand zu geben, wie sie ihre Krise selbst meistern können und teure Klinikaufenthalte zu vermeiden. „Es geht darum, den Tunnelblick zu lösen“, erklärt Caritas-Dienststellenleiterin Monika Daum. Das könne ein nächtliches Telefonat sein, das hilft oder auch nur der Rat, sich einen Tee zu machen oder die Lieblingsplatte aufzulegen. „Man verliert in schwierigen Situationen den Blick auf die hilfreichen Dinge, wir helfen, sie wieder zu finden“, beschreibt Daum ihre Arbeit. Etwa 80 Prozent der Patienten hätten einen Job, den sie auch nicht aufgeben möchten. Schwerst psychisch Kranke und Patienten, bei denen eine akute Fremd- oder Selbstgefährdung vorliegt, werden nicht in das Modell aufgenommen. „Das können wir nicht leisten“, sagt Monika Daum. Viele Patienten werden von ihren Ärzten für die Betreuung vorschlagen, erklärt Ripper. Wenn die Krankenkassen dem zustimmen und die Kosten übernehmen, können die Betroffenen den Service für drei Jahre in Anspruch nehmen.

Zum Einzugsbereich des Netzwerks für psychische Gesundheit gehören die Stadt, der Landkreis Darmstadt-Dieburg, der Kreis Bergstraße und Teile des Odenwalds. Sprechstunden gibt es auch bei der Caritas in Viernheim und Bürstadt. „Es ist ein dezentrales Angebot“, sagt Bastian Ripper, Sozialpädagoge und Vorstandsreferent der Caritas. Gespräche mit weiteren Partnern gebe es bereits. Zum Stammteam gehören neun Mitarbeiter, dazu kommen 15 Honorarkräfte. Sie betreuen nicht nur die Patienten, sondern kümmern sich auch um die Angehörigen und versuchen ihnen zu vermitteln, wie sie Frühwarnzeichen erkennen können, damit die Helfer möglichst schnell eingreifen können.

Die Krisenpension in der Sturzstraße bietet psychisch Erkrankten die Möglichkeit, einige Tage zur Ruhe zu kommen. „Im Schnitt bleiben sie zwei bis drei Tage“, so Monika Daum. Dort sei ein Betreuer ständig an ihrer Seite. „Wir schotten uns nicht vom Alltag ab, wie das in Kliniken oft der Fall ist”, sagt Monika Daum. Die Patienten sollen vielmehr eigene, individuelle Strategien erlernen, die ihnen im Alltag gut tun. Das könnten Entspannungsbäder sein oder ein ausgedehnter Spaziergang. Ein paar Tage in der Pension könnten oft auch helfen, die angespannte Situation in der Familie zu lockern, denn auch Angehörige bräuchten ab und an eine Verschnaufpause. „Wir bieten den Raum dafür“, sagt Ripper.

Infos: Monika Daum, Telefon 06151 50123630

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