Fehler in der Abrechnung

Jeder, der schon einmal eine Klinikabrechnung in den Händen gehalten hat, weiß, dass diese Dokumente mit den vielen Pauschalen eine Wissenschaft für sich sind. Selbst Handwerkerrechnungen sind leichter zu lesen. Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen klagt auch in diesem Jahr wieder über Abrechungsfehler.  Im ersten Halbjahr 2012 seien elf Prozent aller Klinikabrechnungen überprüft worden, behauptet ein Sprecher des Verbands. Jede zweite Rechnung habe sich als fehlerhaft erwiesen. Laut “Spiegel” betonte er allerdings auch, dass die Falschabrechnungen nicht unbedingt auf Betrug oder vorsätzliche Täuschung zurückgingen.

Auf seiner Homepage listet der Verband in einem Argumentationspapier unterschiedliche Abrechnungsfehler auf. Hier drei  Beispiele:

“Im  Falle  einer  82-jährigen  Patientin,  die  wegen  einer  Beckenfraktur  (Hauptdiagnose
S32.89)  zwölf  Tage  stationär  behandelt  wurde,  war  die  DRG A13F  mit  ca.
14.500 Euro  abgerechnet  worden.  Durch  die  MDK-Prüfung  wurde  festgestellt,  dass
die  angegebenen  96 Beatmungsstunden  nicht  in  Rechnung  zu  stellen  sind,  da  weder
eine  Intubation  noch  eine  nichtinvasive  Beatmung  erfolgte.  Der  Rückerstattungsbe-trag von ca. 11.700 Euro wurde durch das Krankenhaus umgehend bezahlt.”

“Für  einen  im  Februar  2010  stationär  behandelten  Patienten  rechnete  ein  Kranken-haus  neben  der  DRG A11D  wegen  einer  schweren  Pilzinfektion  das  Zusatzentgelt
ZE 109 für  die Gabe von Caspofunginab. ImRahmen einer MDK-Prüfung hinsichtlich
der  Dosis  des  verabreichten  Medikamentes  wurde  festgestellt,  dass  der  Patient  nicht
Caspofungin,  sondern  Voriconazol  (ebenfalls  ein  Medikament  zur  Behandlung  bei
schweren  Pilzinfektionen)  erhalten  hatte.  Der  OPS 6-002.re  trat  damit  an  Stelle  des
ursprünglich  angegebenen  OPS 6-002.pv.  Die  Rechnung  wurde  korrigiert  und  das
Zusatzentgelt  ZE 112  für  die  Gabe  von  Voriconazol  berechnet.  Der  Rechnungsbetrag
verringerte sich um ca. 57.500 Euro.”

“Ein 48-jähriger  Patient wurde zur  Durchführung einer endoskopischen Untersuchung
der  Gallenwege  stationär  aufgenommen  und  dafür  die  DRG H41A  mit  ca.  5.800 Euro
in  Rechnung  gestellt.  Begleiterkrankungen  wurden  nicht  behandelt,  so  dass  bei  die-ser  Routineuntersuchung  laut  Medizinischem  Dienst  ein  Tag  Krankenhausbehand-lung  ausgereicht  hätte.  Die  Krankenhausbehandlung  dauerte  allerdings  sechs  Tage.
In  der  Patientendokumentation  war  zu  lesen:  1. Tag:  12:45 Uhr:  Patient  ist  fit  und
selbstversorgend,  Patient  geht  spazieren  mit  Sonnenbrille  und  Hut  sowie  Sonnen-schutzcreme;  2. Tag:  Patient  keine  Beschwerden,  Patient  war  unterwegs;  3. Tag:
ERCP,20:23 Uhr  Patient war  bei ERCP, hat gegessen,  ist beschwerdefrei;5. Tag:Patient  war  zum  Rauchen,  keine  Beschwerden.  Die  Korrektur  der  Rechnung  führte  mit
vier  Tagen  Verweildauerabschlag  zu  einer  Reduzierung  des  Betrages  um  ca.
3.600 Euro.”

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