Fahrlässiger Umgang mit Patientendaten

Datenschutz ist auch im  Gesundheitswesen ein besonders sensibles Thema – immer wieder wird bekannt, dass Patientenakten im Müll gelandet sind oder Ärzte Daten an Versicherungen oder Arbeitgeber weitergeleitet haben. Die folgenden Beispiele zeigen, dass es  beim Datenschutz  bei Ärzten und Patienten große Wissenslücken gibt.  Die  Beispiele sind  unglaublich –  und leider wahr.

Beispiel 1: Ein  Freund  hat ein Beratungsgespräch  mit einem Facharzt. Während  der Arzt  ihn  im Sprechzimmer über die geplante Behandlung aufklärt, klingelt das Telefon. Der  Mediziner geht im Beisein des Freundes dran und erläutert  dem Kollegen laut, deutlich  und ausführlich die Krebs-Diagnose eines seiner Patienten, den er   auch noch namentlich nennt.   

Beispiel 2:   Gestern erreicht die Redaktion die E-Mail eines Darmstädters, der bei seinem Arzt vorab ein Rezept für  bestimmte Medikamente bestellt – und  ihm im  Mail-Anhang  gleich noch das komplette Ergebnis zum Blutbild mitliefert.  Die Mail hat mehr als 20 Adressaten, darunter ist eine Online-Apotheke und  eben auch die ECHO-Lokalredaktion. Oben links ist die Mail zu sehen – die  Patientendaten wurden unleserlich gemacht. 

Dieser Beitrag wurde unter Gesundheitspolitik, Kliniken, Pflege, Praxen abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten auf Fahrlässiger Umgang mit Patientendaten

  1. Wolfgang Timling sagt:

    Vor kurzem habe ich in unserer Papiertonne Stationspapiere vom Klinikum Darmstadt gesehen. Es handelte sich um Auflistungen mit Angaben über Tablettenverabreichungen und sonstige Vermerke was mit Patienten zu tun ist. Die Namen der Patienten waren auch mit Vor und Nachnamen vermerkt.
    Auf der Rückseite waren private Vermerke einer Krankenschwester, die bei uns im Haus wohnt, angebracht.
    Es scheint wohl Praxis zu sein, das diese Blätter nicht vernichtet werden, sondern aqls Notizzettel Verwendung finden.
    Gruß
    wolfgang timling

    • sabine sagt:

      Das werden nicht nur Klinikumpatienten mit Schrecken lesen. Stationspapiere, die als Notizzettel Verwendung finden, sind ein Fall für den Datenschutzbeauftragten. Ich starte da mal eine Anfrage.
      Vielen Dank für den Tipp und viele Grüße
      Sabine Schiner

  2. Hallo und vielen Dank für die Mitarbeit bei der Aufklärung zum Datenschutz. Leider ist gerade im Gesundheitswesen, in dem es um besonders sensible Daten geht, bislang noch nicht flächendeckend ein angemessenes Bewusstsein geschaffen worden. Vielfach argumentieren die Verantwortlichen mit „Ja es ist wichtig, aber ich habe gerade andere Sorgen, …“ . Solche Artikel, die mit Praxisbeispielen versehen werden, sind ein guter Ansatzpunkt zur Sensibilisierung. Weiter so!!!

    • Sabine Schiner sagt:

      Tja, das Problem ist leider aktuell, wie ein Bericht in „Die Welt“ zeigt: Danach sind aus dem Kreiskrankenhaus Rastatt und dem Medizinischen Versorgungszentrum des Klinikums Mittelbaden Patientendatensätze verschwunden, darunter auch ärztliche Befunde. Der Landesdatenschützer geht von einer sechsstelligen Zahl aus. Hammer!

      • „Hammer“ trifft es absolut. Nach neueren Berichten soll es sich um menschliches Versagen handeln. In der Folge wird dieser Vorfall vermutlich auf den Schultern einer oder weniger Personen zum Tragen kommen (auf der Seite der Krankenhäuser). Diese und ähnliche Vorfälle geschehen ständig, wenn auch in unterschiedlichen Ausmaßen. Wenigstens sind die betreffenden Unternehmen relativ schnell ihrer Meldepflicht nachgekommen.
        Hier kann man nur eines sagen, schlimm aber wieder ein Beispiel was uns lernen lassen sollte. Es muss vorgebeugt werden und nicht nur nach einem Vorfall Schadensbegrenzung betrieben werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.