Erste Hilfe für chronisch kranke Kinder

Oberarzt Markus Freff  hat es in seiner Sprechstunde und auf der  Station in  den Kinderkliniken Prinzessin Margaret in Darmstadt  immer häufiger mit Kindern zu tun, die an chronischen Erkrankungen  leiden –   Lehrer und Erzieher    sollten  wissen, was sie bei der Betreuung beachten müssen, so  der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin.

Bei Kindern, die etwa  an Diabetes erkrankt sind, muss  regelmäßig der Blutzucker gemessen und Insulin verabreicht werden.  „Die Verunsicherung ist  groß“, sagt Freff  dem ECHO.  Oft käme es vor, dass  Kitas  und  auch Schulen chronisch kranke Kinder  deshalb erst  gar nicht  aufnehmen wollen. Die Ablehnung  führe zur Ausgrenzung der Kinder  – und bringe die Eltern in eine Zwangslage. „Sie stehen oft noch unter dem Schock der Diagnose, suchen dann verzweifelt nach einem Betreuungsplatz  für ihr Kind,  können nicht arbeiten gehen und  verlieren vielleicht sogar den Arbeitsplatz – das alles muss nicht sein“, so Freff. Er hat die Erfahrung gemacht, dass Einrichtungen durchaus bereit sind, chronisch kranke Kinder aufzunehmen, wenn bei den Fachkräften das nötige Wissen über die Krankheit vorhanden ist.

Um Eltern und ihren Kindern mit Asthma, Diabetes, Allergien und Epilepsie zu helfen, hat Freff kurzerhand selbst die Initiative ergriffen. Er bietet mit seinem Team   Fortbildungen für pädagogisches Fachpersonal an   – das Interesse  an diesen Schulungen ist  groß. Bei der letzten Veranstaltung in den Räumen der Stadtsparkasse Darmstadt kamen 120 Erzieherinnen, „knapp 200 hatten sich angemeldet“, so Freff. Im Herbst  will er für Lehrer  dieses Seminar erneut anbieten.   Einer der Schwerpunkte der Kurse ist die rechtliche Situation.  „Viele Erzieher denken, sie bekommen rechtliche Probleme, wenn sie im Alltag notwendige Medikamente  verabreichen  oder im Notfall  einem Kind mit einem allergischen Schock Adrenalin in die Oberschenkelmuskulatur  injizieren“, so Freff.  Ein   helfender Eingriff, der dem Kind  weiteres Leid erspare und den sich deshalb  auch geschulte Erzieher und Lehrer trauen sollten.
„Wer nicht grob fahrlässig handelt,  hat nichts zu befürchten“, so Gerd Gnadl von der Unfallkasse Hessen, der bei den Seminaren für den rechtlichen Part zuständig ist.   Viele Einrichtungen hätten ohnehin in ihrer Satzung  festgeschrieben, dass Medikamente in bestimmten Fällen von  Erzieherinnen  verabreicht werden dürfen. „Mit einer schriftlichen Abspracheregelung zwischen der Einrichtung und den Eltern  – etwa zur Medikamentenverordnung –  ist man  auf der sicheren Seite“, so Gnadl. „Eigentlich ist alles klar geregelt, aber leider wird zu oft falsch oder unvollständig kommuniziert“, sagt Markus Freff.  Auch der Mehraufwand für die Betreuer sei zeitlich überschaubar. Das Ergebnis einer Blutzuckermessung liege nach fünf  Sekunden vor, eine Insulin-Injektion spiele sich im Bereich von Sekunden ab.

Ein Beispiel, das zeigt, dass Integration möglich ist, ist die Geschichte des vier Jahre alten Hendrik. Vor zweieinhalb Jahren war bei ihm  Typ-1-Diabetes diagnostiziert worden. „Es war ein Schock für uns“, erzählt  Hendriks Mutter Kristina Friedrich.  Glücklicherweise erklärten sich die Erzieherinnen  der Kita „Fossilchen“ in  Messel  dazu bereit, sich weiterhin von 8 bis 16.30 Uhr  um das Kind zu kümmern.  Sie kontrollieren täglich mehrfach seine Blutwerte und notieren bei jeder Mahlzeit alle Broteinheiten, die er  zu sich nimmt.  „Diabetes ist eine berechenbare Krankheit“, sagt  die   Erzieherin Angelika Jonas.  Die Betreuer stünden  ständig mit Hendriks Eltern in Kontakt. „Wenn die Insulinpumpe  verstopft ist, stehen die Eltern sofort parat“, so die Erzieherin.  Der zusätzliche Betreuungsaufwand liege bei Hendrik bei   15 Minuten am Tag. „Wir haben gesunde  Kinder, die  deutlich mehr von meiner Zeit fordern und keinen Diabetes haben.“

Mehr Informationen zu den Fortbildungsveranstaltungen für pädagogisches Fachpersonal gibt es auf der Internetseite www.kinderkliniken.de.

Dieser Beitrag wurde unter Kliniken, Medizin abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.