Das ABC des Arzt-Patientengesprächs

Kennen Sie das auch? Sie gehen zum Arzt, erzählen ihm, wie es Ihnen geht – und haben das Gefühl, dass er nur Bahnhof versteht?  Das ist nicht nur unbefriedigend, sondern kann zu falschen Diagnosen und Fehlbehandlungen führen. Neu ist diese Erkenntnis nicht. Es gibt auch längst eine Reihe von Studien, die dies belegen.  Nun soll ein bundesweites Curriculum für Medizinstudenten erarbeitet werden, damit angehende Ärzte ab dem 1. Semester lernen, wie sie ihre Patienten besser verstehen.

Auf dem  Kongresses für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Heidelberg
wurde das Projekt diese Woche vorgestellt. „Das Patientengespräch wurde lange Zeit unterschätzt und an den  Universitäten zu wenig und zu spät gelehrt“, sagt die Heidelberger Oberärztin und Initiatorin  Jana Jünger. Nur wenn der Patient
sich verstanden fühlt und seinem Arzt vertraut, kooperiere er auch bei der Therapie.
Ärzte, die keinen guten Kontakt zu ihren Patienten aufbauen, gefährdeten  den
Therapieerfolg und könnten seelische Schäden anrichten. Etwa wenn sie Patienten
oder Angehörige auf wenig feinfühlige Art mit einer belastenden Diagnose
konfrontieren. Ärzte, die nicht zuhören, gelangten zudem häufiger zur falschen
Diagnose, weiß Jünger: „Die wichtigsten Hinweise für die Diagnose kommen
schließlich vom Patienten selbst.“

Ärzte aller deutschen medizinischen Fakultäten tragen derzeit die besten Übungen und Trainingsmöglichkeiten zusammen, um  einen Leitfaden für alle Studierenden zu entwickeln. Das Spektrum  reicht von diagnostischen Übungen über Gespräche mit Eltern, deren Kinder  behandelt werden, bis hin zum Überbringen schlechter Nachrichten und Gesprächen  mit nicht-therapietreuen Patienten. Mit ihnen erarbeiten die Studenten gemeinsam  Therapieziele. Geübt wird auch mit Schauspielern, die die Patienten spielen – und auch in Gesprächen mit wirklichen Patienten.  Das Curriculum soll mit Prüfungen abgeschlossen werden und bis Herbst 2014 erarbeitet werden. Spätestens 2016 sollen alle Medizinstudenten die Kurse durchlaufen.  Zugute kommt dies nicht nur Patienten, sondern auch den Ärzten selbst. Denn auch das haben Studien ergeben: Wenn die
Kommunikation mit den Patienten „rund läuft“, neigen  Ärzte weniger zu Zynismus
und entwickeln seltener ein Burnout-Syndrom.

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