Beim Schlaganfall zählt jede Minute

In Hessen erleiden etwa 21.000 Patienten pro Jahr einen Schlaganfall –  von Jahr zu Jahr werden es mehr.  Die Überlebenschancen stehen gut, wenn die Patienten möglichst schnell behandelt werden. Doch viele Menschen kennen die Symptome nicht und warten ab, statt den Notarzt zu rufen. „Es gibt einen großen Aufklärungsbedarf“, sagt Professor Rainer Kollmar, Direktor der Klinik für Neurologie und Neurogeriatrie am Klinikum Darmstadt im Interview mit dem „Pulsmesser“.

Prof. Rainer Kollmar, Direktor am Klinikum Darmstadt. Foto: Klinikum

Prof. Rainer Kollmar, Direktor am Klinikum Darmstadt. Foto: Klinikum

Was ist ein Schlaganfall?

Kollmar: Bei einem Schlaganfall kommt es durch einen Gefäßverschluss oder eine Blutung zu einer Mangelversorgung bestimmter Hirnareale – die Nervenzellen erhalten dadurch nicht mehr ausreichend Sauerstoff und können absterben.

Was sind die Folgen?

Kollmar: Etwa 20 Prozent der Betroffenen sterben innerhalb der ersten vier Wochen, etwa die Hälfte der Überlebenden bleibt dauerhaft behindert.

Woran erkennt man, dass man einen Schlaganfall hatte?

Kollmar: Mögliche Symptome sind Sehstörungen, akuter Schwindel, halbseitige Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen oder ganz starke plötzliche Kopfschmerzen. Sie können einzeln, aber auch kombiniert auftreten, manchmal gehen die Symptome auch schnell wieder weg. Sie sind deshalb aber nicht minder gefährlich.

Was soll ich im Notfall tun?

Kollmar: Den Notarzt rufen, es zählt jede Minute.  Wenn wir innerhalb von  viereinhalb Stunden nach Symptombeginn mit der Standardtherapie beginnen können, stehen die Chancen gut. Wir haben am Klinikum eine spezielle Schlaganfall-Station, die Stroke-Unit. Dort versorgen wir pro Jahr etwa 2000 Patienten nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Warum gibt es so ein großes Wissensdefizit beim Thema Schlaganfall?

Kollmar: Neurologische Erkrankungen werden oftmals stigmatisiert, die Menschen ziehen sich zurück. Das ist kein Thema, über das man gerne offen spricht.

Warum wird die Zahl der Schlaganfälle in den nächsten Jahren zunehmen?

Kollmar: Schlaganfälle sind ein Phänomen der modernen Gesellschaft: Die Menschen werden immer älter. Darüber hinaus nehmen Fettleibigkeit und Bluthochdruck zu. Rauchen und ungesunde Ernährung sind ebenfalls Risikofaktoren.  Die genetische Veranlagung spielt zudem eine Rolle, auch junge Menschen können einen Schlaganfall erleiden.

Was kann ich  tun, um einem Schlaganfall vorzubeugen?

Kollmar: Sich bewegen, gesund ernähren, nur in Maßen Alkohol trinken und auf keinen Fall rauchen. Außerdem sollte man regelmäßig den Blutdruck messen und zur Vorsorgeuntersuchung zum Arzt gehen.

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Eine Antwort auf Beim Schlaganfall zählt jede Minute

  1. Sebastian sagt:

    Das Thema Schlaganfall wird in den nächsten Jahren wohl noch viel öfter in aller Munde sein. Da es ja heute schon die dritthäufigste Todesursache und die häufigste Ursache von bleibenden Behinderungen ist! Ich bin gespannt ob es neue Präventionsmaßnahmen geben wird und wie sich die Todeszahlen senken lassen können.

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