Verschiebe-Geschäfte mit Patienten

Vor einiger Zeit rief mich eine Darmstädterin an und erzählte mir, wie ihr Mann mitten in der Nacht einen Herzinfarkt bekam, sie den Rettungsdienst rief, er in ein Krankenhaus in Dieburg gebracht und einige Wochen später in eine Klinik nach Bad König verlegt wurde, wo er auch starb. “Ich musste, aufgeregt und zittrig wie ich war, mit dem Auto nach Dieburg fahren und später nach Bad König, um meinen Mann zu sehen”, erzählte sie mir. Das ist nur ein Aspekt eines Geschäftsmodells, das sich “Weaning” nennt: In Dieburg und Groß-Umstadt gibt es solche Stationen bereits, die Kreiskliniken in Jugenheim wollen, wie im ECHO steht, bis zum Jahresende eine Intensivstation einrichten, auf denen andere Kliniken ihre Patienten unterbringen können, die von den künstlichen Beatmungsmaschinen entwöhnt werden müssen. Eine Win-win-Situation: Die einen haben Betten für neue Notfallpatienten freigemacht, die anderen haben ihre Betten belegt. Auch Sozialminister Stefan Grüttner hat nichts dagegen einzuwenden, sofern die Kliniken dabei die medizinischen Standards beachten. Ob solche Exportgeschäfte auch die Bedürfnisse der Patienten und ihrer Angehörigen im Blick haben, ist eine ganz andere Frage.

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