Zu viele Fremdwörter auf Beipackzetteln

Für viele Patienten ist das Fachchinesisch auf Beipackzetteln von Medikamenten ein stetiges Ärgernis. Auch die EU-Kommission kritisiert die Arzneimittel-Infos der Hersteller – konkrete Verbesserungen sind allerdings nicht in Sicht.

“Die verwendete Sprache ist häufig zu kompliziert und die Gestaltung und das Layout sind nicht immer benutzerfreundlich”, heißt es in einem neuen Prüfbericht der Kommission der Europäischen Union (EU). Die Schrift der Beipackzettel sei oft zu klein für ältere Patienten und Menschen mit Lese- und Schreibschwäche.

Eigentlich müssen die Packungsbeilagen für Pillen, Salben oder Infusionen gut lesbar sowie klar und verständlich sein. Beipackzettel unterliegen den Vorgaben der EU, Einzelheiten sind im deutschen Arzneimittelgesetz verpflichtend vorgeschrieben. Trotzdem strotzen viele Beilagen vor Fachbegriffen und verwirrenden Infos über Nebenwirkungen.

Auch die EU-Vertreter bemängeln die Aufmachung. Die Kommission formuliert jedoch nur sehr vage Empfehlungen zu einer Überarbeitung der bestehenden Leitlinien. Die bereits im EU-Auftrag mit einer Studie erforschte Idee, auf dem Beipackzettel eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Fakten vorzuschreiben, wolle man beispielsweise weiter erkunden, bevor sie “erwogen werden kann”.

Seit Jahren sind die Packungsbeilagen ein Thema im Gesundheitswesen. Es gibt mehrere Studien, die darauf hinweisen, dass sich damit auch Ärzte und Apotheker schwer tun. Hintergrund ist, dass manche Formulierungen, etwa zu den Nebenwirkungen der Medikamente, missverständlich seien und deshalb falsch interpretiert werden, heißt es zum Beispiel in einer Studie des Instituts für Medizinische Biometrie und Statistik der Universität Lübeck. So gelten Nebenwirkungen als “häufig”, wenn Patienten sie in einem bis zu unter zehn Prozent der Fälle entwickeln. “Gelegentlich” treten Nebenwirkungen auf, wenn sie 0,1 bis weniger als 1 Prozent der Fälle betreffen. Und “selten” sind Nebenwirkungen dann, wenn sie bei 0,01 bis unter 0,1 Prozent der Patienten auftreten. Die Ergebnisse der Studie waren für die Forscher überraschend: Nur wenige Experten hätten den Begriffen häufig, gelegentlich und selten den richtigen Prozentwert zugeordnet.

Welchen Nutzen elektronische Medien bei Fach- und Patienteninformationen bieten, soll laut Kommission ebenfalls weiter untersucht werden. “Die Kommission und die Europäische Arzneimittel-Agentur werden auf die Umsetzung der Empfehlungen hinarbeiten, um bestimmte Aspekte der Fachinformation und der Packungsbeilage zu verbessern”, heißt es in dem Bericht. Dies soll in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedsstaaten durchgeführt werden.

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