Von der Krebspatientin zur Aktivistin: Myriam von M.

Myriam von M - Mittelfinger ©Piya Henrici FotografieMyriam von M . erkrankte im Alter von 25 Jahren an Krebs – heute setzt sie sich für mehr Vorsorge ein, hier ihre Geschichte:

“Fuck Cancer” ist der Name einer gemeinnützigen GmbH in Darmstadt. Dahinter steht die 38 Jahre alte Myriam von M . Als sie 25 Jahre alt war, erkrankte sie an Krebs. Sie machte das ganze Programm durch: Chemo, Bestrahlung, Operationen. Heute setzt sie sich für die Prävention ein – und wirbt offensiv für die HPV-Impfung.

Myriam von M . ist ihr Künstlername – man könnte auch Markenname sagen. Myriam von M . steht für eine Kampagne für mehr Krebsvorsorge. Hintergrund sind ihre eigenen Erfahrungen. “Ich erkrankte gleich an zwei Krebsarten, über die man nicht gerne spricht”, erzählt sie. Erst war ihre Vulva befallen, dann die Gebärmutter. Nur ihre engsten Freunde und ihre Familie wussten genauer Bescheid. “Ich sprach damals lieber ganz allgemein von Unterleibskrebs.”

Nach der Diagnose folgen insgesamt neun Operationen, sie zieht sich zurück, will ihre Schwäche niemandem zeigen. “Ich bin nie ungeschminkt aus dem Haus”, sagt Myriam von M . Doch “die schöne Myriam war nur ein Fake”, erzählt sie. Hinter der Fassade habe ein ganz anderer Mensch gesteckt. Krank, verzweifelt, schwach, voller Schmerzen. Sie überlebt. Es braucht Jahre, bis es ihr wieder einigermaßen besser geht.

Im Januar 2014 startet sie ihre Kampagne für mehr Vorsorge, im April 2016 gründet sie in Darmstadt eine gemeinnützige GmbH mit dem Namen “Fuck Cancer”, ein klares Motto. “Ich will aufklären, über Vorsorge, übers Impfen”, sagt Myriam von M ., die mit ihrem Lebenspartner und zwei Kindern im Rhein-Main-Gebiet lebt.

“Fuck Cancer” ist auch der Titel ihres Buches, das im November auf den Markt kam. Darin erzählt sie ihre Geschichte. Das Buch soll wachrütteln. Das gleiche gilt für den Dokumentarfilm “Helden gegen Krebs”, den sie gedreht hat. Noch vor Weihnachten soll er als DVD erscheinen. Ihre Botschaft: “Nutzt die Möglichkeit einer HPV-Impfung. Krebs und die Folgeschäden sind tausendmal schlimmer als eine Impf-Nebenwirkung”.

Sie nimmt dafür auch in Kauf, dass sie von Impfgegnern beschimpft wird. Und um ihr Credo zu verbreiten und um Spenden für ihre Projekte zu sammeln, nutzt sie alle Kanäle: Vergangenes Jahr hat sie in Darmstadt ein “Fuck Cancer”-Sommerfestival ausgerichtet, sie hält Vorträge an Schulen, tritt im Frühstücksfernsehen auf, klappert Radiosender ab und postet regelmäßig in den Sozialen Medien. “Ich habe schon einen regelrechten Fanclub”, erzählt sie. Myriam von M . ist es zudem ein Anliegen, Krebspatienten ganz direkt und unbürokratisch zu helfen. “Ich erfülle Herzenswünsche, versuche, Kraft zu geben.”

Einer alleinstehenden Frau, die an Brustkrebs erkrankt ist und mit ihrer kleinen Tochter am Rande des Existenzminimums lebt, half sie beispielsweise, die Wohnung zu renovieren und spendete Lebensmittel. Und sie ist in der Sterbebegleitung aktiv. “Vielleicht, weil ich selbst so eine große Angst vor dem Tod habe. Ich versuche mich an den Gedanken zu gewöhnen – aber das klappt natürlich nicht.”

Myriam von M . hat nach der Schule Friseurin gelernt, Psychologie studiert und und als Heilpraktikerin für Physiotherapie gearbeitet. Ihre “Fuck Cancer”-Projekte sind heute längst zu einem Vollzeitjob ausgewachsen. “Noch steckt alles in den Kinderschuhen”, sagt sie. Deshalb will sie, mit Dampf dahinter, weitermachen, bis “das Baby selbst laufen kann”, wie sie sagt. Erst dann will sie einen Gang zurückfahren. Denn der Stress bringt Krankheitsschübe mit sich. Im vergangenen Jahr erlitt Myriam von M ., die auch an einer Autoimmunerkrankung leidet, einen Rückschlag. Die Haare fielen ihr aus und es ging ihr sehr, sehr schlecht.

“Mein Körper ist nicht mehr das, was er mal war”, sagt sie auf die Frage, wie es ihr heute geht. Sie ist sich aber sicher, dass ihr Engagement sie am Leben erhält. “Ich will etwas hinterlassen auf dieser Welt.” Ihre Kampagne gebe ihrer Krankheit einen Sinn. “Das hört sich krass an, ich weiß”, sagt sie. Doch ihr sei wichtig, anderen Betroffenen zu zeigen, dass man trotz Krebs Kraft aus sich selbst schöpfen kann.

 

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