Voller Einsatz für Patienten und Ärzte

Eine 67 Jahre alte Frau bekommt nachts starke Schmerzen, ihr Lebensgefährte ruft bei der Ärztlichen Bereitschaftsdienstzentrale im Klinikum an – und wird abgewiesen.  Ihr Hausarzt organsiert schließlich den Transport mit einem Rettungswagen in die Mainzer Uniklinik. Dort stellen die Ärzte eine Gallengang-Entzündung fest. Nachzulesen ist das in diesem Artikel im Lokalteil Darmstadt.

War das ein Missverständnis? Haben die Beteiligten aneinander vorbeigeredet? Wäre es besser gewesen, die 112 anzurufen? War die Mitarbeiterin der Zentrale überfordert? Im Stress? Überarbeitet? Hat sich der Anrufer nicht klar genug ausgedrückt? Leider äußerte sich die zuständige Presseestelle trotz wiederholter Anfrage nicht zu dem Vorgang, über die Gründe kann nur spekuliert werden.

Dass es sich nicht nur um einen Einzelfall handelt, zeigt die Bundesratsinitiative, die das Land Hessen gemeinsam mit Baden-Württemberg gestartet hat. Unter anderem sollen alle Anfragen  an den Bereitschaftsdienst künftig über die Rettungsleitstellen bearbeitet werden, um Zeitverzögerungen und Missverständnisse zu vermeiden. Dagegen protestieren die Ärztevertreter der kassenärztlichen Vereinigung (KV)  in Frankfurt. Sie fordern eine schärfere Trennung zwischen den beiden Institutionen und favorisieren ihre eigenen Reformpläne, die vorsehen, einige Bereitschaftsdienstzentralen zu schließen und  Bezirke zu vergrößern.

Es ist eine Diskussion, die über die Köpfe von Patienten und Ärzten hinweg geführt wird. Das Gerangel um Kompetenz und Macht, mag für Funktionäre und Politiker eine Daseinsberechtigung sein, Leben rettet das nicht. In Notfällen zählt nur die schnelle und kompetente Hilfe. Engagierte Ärzte gibt es glücklicherweise viele. Doch  sie können nur optimal arbeiten, wenn das Umfeld und die Strukturen stimmen.

 

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