Übungen für Parkinson-Patienten

Übung unter Anleitung:Mareike Schwed beim Koordinationstraining.Foto: PrivatEin spezielles Training kann Parkinson-Patienten bei  Gang- und Gleichgewichtsstörungen helfen. Die Sportwissenschaftlerin und Informatikerin Mareike Schwed aus Darmstadt bringt  Patienten auf Trab.

„Freezing“ nennen Parkinson-Patienten den Zustand, wenn sie das Gefühl haben,  dass ihre Füße am Boden kleben bleiben.  Und diese Patienten sollen   Sport treiben?  Ja, sagt Mareike Schwed aus Darmstadt. Sie hat während  ihrer  Promotionszeit an der Frankfurter Goethe-Universität viel mit Parkinson-Patienten gearbeitet – und festgestellt, dass sich bestimmte Trainingsmethoden  positiv auf die Beweglichkeit   auswirken. Die Sportwissenschaftlerin hat daraufhin mit dem Arbeitsbereich Bewegungssteuerung und Neuro-Rehabilitation des Instituts für Sportwissenschaften ein spezielles Gang-Koordinations-Training entwickelt.

Morbus Parkinson ist eine langsam fortschreitende und  nicht heilbare   Erkrankung, bei der in bestimmten Hirnbereichen Nervenzellen, die den Botenstoff Dopamin herstellen, nach und nach absterben.   Zu den Haupt-Symp-tomen  gehören Bewegungsstörungen, Zittern, Muskelsteifheit, Gang- und Gleichgewichtsstörungen.   Viele Parkinson-Patienten  haben Angst vor Stürzen. Vielen fällt es   schwer,  aus dem Bett zu kommen, und  sie fühlen sich  niedergeschlagen. Mareike Schwed rät, morgens, gleich nach dem Zähneputzen, zum Gang-Variationstraining. „Zehn Minuten und das Zittern geht zurück“, sagt sie.

Dass Sport und Physiotherapie die Symptome lindern können, ist   nichts neues.   Es gibt  viele Studienergebnisse, die belegen, dass sich  Bewegung bei Parkinson-Patienten positiv auf die Dopamin-Ausschüttung auswirkt. Bereits vor Jahren  haben beispielsweise Frankfurter Sportwissenschaftler  eine Methode  entwickelt, bei der durch Vibrationsreize das Zusammenspiel von Gehirn und Muskulatur trainiert wird (Stochastische Resonanztherapie).     „Auch  Sportarten wie Nordic Walking eignen sich, um Gleichgewicht und Gang zu verbessern“, sagt Mareike Schwed. Sie hat  am  Soemmerring-Institut für Bewegungsstörungen und Verhaltensneurologie in Bad Nauheim  eine Nordic-Walking-Studie  gemacht, um herauszufinden, ob  Gehen die Herz-Kreislaufausdauer verbessern kann. Ergebnis:  „Auch die Lebensqualität steigt.“ Den Patienten – sie befanden sich zu Beginn der Studie in einem leichten bis mittleren Krankheitsstadium – sei es nach dem Training  deutlich  besser gegangen. Dies wiederum motivierte Mareike Schwed   ein Schulungskonzept zu entwickeln,  das Patienten auch ohne Geräte ermöglicht, Gang und Gleichgewicht zu schulen.

„Das Nervensystem braucht gezielte und effektive Trainingsanreize“, erläutert sie. Nicht die Muskulatur der Patienten sei krank, sondern die Schnittstelle im Gehirn funktioniere nicht richtig.  Je optimaler Impulse während des Trainings gesetzt würden, desto flüssiger werde die Bewegung.   Sie ließ ihre Probanden hüpfen,  die Beine heben und setzte   optische Reize, etwa indem sie auf dem Boden die Schrittlängen mit einem Klebeband vorgab.

Der Erfolg motivierte die Teilnehmer, erzählt die Sportwissenschaftlerin. Sogar ein ehemaliger Kettenraucher und überzeugter Nicht-Sportler sei seitdem mit Eifer bei dem Gang-Koordinations-Training dabei. Manche Patienten hätten sogar, weil es ihnen danach so gut ging,  vergessen,   ihre Medikamente zu  nehmen.  Andere konnten   ihre Blusen  wieder selbst zuknöpfen und  fühlten sich beim Gehen sicherer. „Entscheidend ist, nach den Ressourcen des Einzelnen zu schauen und gemeinsam das persönliche Training optimal zu gestalten.“ Selbstverständlich in Absprache mit dem behandelndem Arzt.
Damit mehr Kranke  vom Training profitieren können, möchte   Mareike Schwed  ihr Trainingskonzept auch an  andere   Patienten weitergeben. Sie hat sich selbstständig gemacht und bietet Kurse, Schulungen und  Wochenend-Workshops an.

Kontakt:www.neurowerkstatt.de (Telefon 06151 6295171)

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