Sprechstunde per Video

Die Techniker Krankenkasse erprobt  bundesweit mit dem Bundesverband der Deutschen Dermatologen eine hautärztliche Online-Videosprechstunde. Dr. Markus Schmitt, Hautarzt in Usingen, ist bislang der einzige Mediziner in Hessen, der dieses Angebot austestet. Bundesweit beteiligen sich 30 Praxen an dem Pilotprojekt.

“Vor allem für ältere Patienten, die sich schwertun in die Praxis zu kommen, etwa nach einer Operation, ist das eine gute Sache”, sagt Markus Schmitt auf Nachfrage. Der Hautarzt ist im Juni, vor den Sommerferien, in das Projekt eingestiegen. Bislang hat er um die 20 Patienten in der Online- Sprechstunde betreut. “Das ist eine überschaubare Zahl”, sagt Schmitt. Aber man dürfe nicht vergessen, dass jeder Kontakt von einer Mitarbeiterin vorbereitet werden müsse. “Das ist ein Service für Patienten, keine Entlastung für die Praxis”, so Schmitt.

Um bei der Online-Videosprechstunde mitmachen zu können, brauchen Patienten derzeit einen PC, eine Webcam, Lautsprecher oder ein Headset und einen Webbrowser wie Google Chrome oder Mozilla Firefox. Teilnehmen können alle Versicherten der Techniker Krankenkasse, die mindestens 16 Jahre alt sind. Und: Sie müssen zuvor in der ganz normalen Sprechstunde beim Arzt gewesen sein, heißt es bei der Techniker Krankenkasse. Diagnostik und Therapieverordnung müssten in der Praxis gemacht werden.

Eine Vorgabe, die Markus Schmitt gut findet. Denn: Um Hautprobleme richtig einschätzen zu können, müsse er den Patient direkt vor sich sehen und den Befund auch ertasten können. Ein Foto alleine reiche dazu nicht aus. Bei Wundkontrollen hingegen, oder auch bei bestimmten Erkrankungen wie Schuppenflechte, sei eine Befundkontrolle per Video durchaus möglich, so seine Erfahrung.

Ganz ähnlich sieht dies auch Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen: “Bei Arztkontakten, die keinen persönlichen Kontakt erfordern, spricht nichts dagegen, wenn Patienten ihren Arzt ausschließlich über die Videosprechstunde konsultieren. In der Hautarztpraxis reichen für die Nachkontrolle oft ein kurzer Blick und ein kurzes Gespräch. Dass sich die Patienten dank der Telemedizin jetzt lange Wege und Wartezeiten ersparen können, ist ein richtiger Schritt.”

Oft, sagt Schmitt, hapere es auch einfach noch an der Technik. Manchmal sei beispielsweise die Internetverbindung schlecht. “Wir hatten es auch schon mal, dass wir den Patienten zwar sahen, er uns aber nicht”, so der Facharzt für Dermatologie. Gut sei, dass die Patienten bei technischen Problemen Unterstützung vom Anbieter bekommen. Er setzt zudem auf eine Applikation fürs Smartphone, die vermutlich gegen Jahresende auf den Markt kommen wird. Dann sei es auch für ältere Menschen, die oft mit Internet und Computern nicht so gut klarkommen, leichter, die Technik in Griff zu kriegen.

Bei der Techniker Krankenkasse ist man ganz zufrieden mit dem Verlauf der Testphase. Dank der Online- Sprechstunde sparten sich die Patienten Wege und Wartezeiten sowie die Ärzte volle Wartezimmer. Barbara Voß sieht sogar noch wesentlich mehr Spielraum: “Wir würden uns nach dem Vorbild Baden-Württemberg wünschen, in Modellversuchen im kontrollierten Rahmen auch in Hessen neue telemedizinische Angebote auszuprobieren, bei denen schon der Erstkontakt zwischen Patient und Arzt per Telefon oder Internet erfolgt”, so die Krankenkassenchefin.

Gerade für die medizinische Versorgung auf dem Land könnten solche Angebote hilfreich sein. In der hessischen ärztlichen Berufsordnung ist derzeit allerdings noch geregelt, dass der erste Kontakt zwischen Arzt und Patient zwingend physisch erfolgen muss, um Diagnose und Therapie zu besprechen.

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