Schöne neue Gesundheitswelt mit Haken

Pulsmesser

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Interessanter Vorschlag:  Ärzte sollen künftig nach Qualität  bezahlt werden. Gutachter der Heinrich-Böll-Stiftung finden, dass sich das deutsche Gesundheitswesen im internationalen Vergleich zwar recht gut schlägt, es aber noch  erheblichen Reformbedarf gibt.  So stürze unser Gesundheitssystem Ärzte und Pflegende und die Einrichtungen in ein ethisches Dilemma.  „Allzu oft müssen sie sich zwischen dem eigenen wirtschaftlichen Interesse und ihrem Berufsethos, das von ihnen verlangt, die Gesundheit ihrer Patienten bestmöglich zu fördern, entscheiden“, sagt Helmut Hildebrandt, einer der 13 Gutachter. Anreiz- und Vergütungsstrukturen müssten so gesetzt werden, dass sie sich an der Versorgungsqualität und dem Gesundheitsnutzen einer Behandlung für den Patienten orientieren.

Die Tipps der Gutachter, um dem gegenzusteuern:

  • Versicherte sollen einen gesetzlichen Informationsanspruch erhalten, welches Krankenhaus, welcher Arzt und welche Krankenkasse ihnen die qualitativ beste Versorgung mit den besten Ergebnissen bietet.
  • In regionalen Gesundheitsnetzen sollen Ärzte, Apotheker und  Pflegedienstleister  eng zusammenarbeiten und gemeinsam die Versorgung der Bevölkerung verbessern.
  • Die Vergütungssysteme sollen weiterentwickelt werden. Für gute Qualität soll es mehr Geld geben als für schlechte. Außerdem sollen die Vergütungsregeln für den ambulanten Bereich und die Krankenhäusern so angeglichen werden, dass die Zusammenarbeit zwischen ihnen nicht weiter behindert wird.
  • Die Kommission fordert, den Versicherten und Patienten mehr Mitsprachemöglichkeiten zu geben. So sollen Patientenverbände und Selbsthilfezusammenschlüsse mit eigenen Listen zu den Sozialwahlen antreten können.
  • Die Kommission sieht die starke Arztzentrierung des deutschen Gesundheitswesens als Auslaufmodell. Gesundheitsversorgung müsse künftig stärker im Team erfolgen, die unterschiedlichen Gesundheitsberuf

Auf dem Papier klingt das alles super. Doch wie bringt man  Einzelkämpfern bei – und von denen gibt es in der Medizin noch sehr viele –  im Team zu arbeiten? Was für ein Gremium erarbeitet die neuen Vergütungsregeln – und wer sorgt für die notwendige Akzeptanz? Auch die Forderung nach mehr Mitsprache-Rechte von Patienten ist nicht einfach so umzusetzen. Sie  setzt voraus, dass jeder Einzelne  eine große Portion Verantwortung übernimmt und sich schlau macht. Das ist aber in vielen Fällen nur schwer umsetzbar. Ein ECHO-Leser hat mir gestern von einer 77 Jahre alten Frau erzählt, die mit Herzbeschwerden in eine Klinik eingeliefert wurde. Es ging einiges schief, eine Wunde entzündete sich, das Leben der Frau stand auf der Kippe. Sie selbst konnte gar nichts mehr tun, sie war zu schwach, um selbst Entscheidungen treffen zu können – glücklicherweise reagierten ihre Kinder: Sie fragten nach, erhielten von den Ärzten jedoch keine zufriedenstellenden Antworten. Als sich der Zustand ihrer Mutter erneut verschlechterte, ließen sie sie kurzerhand in eine andere Klinik verlegen.  Das Beispiel zeigt: Ein Systemwechsel im Gesundheitswesen ist dringend notwendig – mit Visionen allein ist es jedoch nicht getan.

 

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