Nach dem Spaziergang juckt die Haut

Draußen ist es kalt, der Wind pfeifft – und nach dem Spaziergang juckt die Haut , die der Kälte ausgesetzt war und es bilden sich Quaddeln. “Das ist ein bisschen so, als hätte man in eine Brennnessel gelangt”, erklärt ein Betroffener die Symptome. “Dabei handelt es sich um eine Kälte-Urtikaria, eine Form von Nesselsucht”, sagt dazu die Dermatologin und Allergologin Dr. Petra Staubach-Renz von der Hautklinik der Universitätsmedizin Mainz.

Erst juckt es, dann bilden sich Quaddeln, eine Reaktion auf die Ausschüttung von Histamin aus den Mastzellen, den Wächterzellen der körpereigenen Abwehr. Die Hautreizungen treten bei der Kälte-Urtikaria in der Regel da auf, wo die Kälte direkt einwirkt, etwa im Gesicht oder an den Händen. Es gibt Patienten, die keine gekühlten Getränke zu sich nehmen können, weil in der Folge Mundschleimhaut, Atemwege und Zunge anschwellen. Das kann gefährlich werden, sagt Petra Staubach-Renz: “Es kann bis zum anaphylaktischen Schock bei einer solchen Form der Urtikaria kommen”.

Charakteristisch für eine Nesselsucht ist, dass ein Juckreiz auftritt und die Quaddeln und die Schwellungen der Haut immer nach einiger Zeit wieder von selbst weggehen – und es nicht zur Narben- oder Krustenbildung kommt. Die juckenden Hautveränderungen können den gesamten Körper übersäen. “Die Lebensqualität der Patienten ist dann erheblich reduziert”, so die Ärztin.

Es gibt unterschiedliche Arten von Nesselsucht. Die akuten Formen werden häufig durch Infekte oder Allergien, etwa auf Medikamente wie Aspirin, Diclofenac, ACE-Hemmer oder Nahrungsmittel ausgelöst. Die Kälte-Urtikaria ist eine Form der physikalischen Urtikaria. In den meisten Fällen entwickelt sie sich im Laufe des Lebens.

In kalten Ländern wie in Skandinavien kommt sie häufiger vor, heißt es beim Urticaria Network-Verein. Frauen sind doppelt so oft betroffen wie Männer, die Krankheitsdauer beträgt im Schnitt etwa fünfJahre.

Welche Temperatur die Reaktion auslöst, ist je nach Patient verschieden. In Mainz – dort gibt es an der Hautklinik eine Urtikaria-Sprechstunde – gibt es ein spezielles Gerät, mit dem die Mediziner die individuelle Schwellentemperatur messen können. “Und je nach Schweregrad der Erkrankung gibt es dann verschiedene Therapieoptionen”, sagt die Oberärztin Petra Staubach-Renz. Die Symptome seien mit Antihistaminika der zweiten Generation in der Regel gut behandelbar. Die Patienten sollten zudem versuchen, Kälte und schnelle Temperaturwechsel zu meiden. Das heißt, nur mit warmer Kleidung, Handschuhen, Mütze, Schal und warmen Socken im Winter nach draußen gehen.

Die Ärztin rät ansonsten Patienten mit Urtikaria prinzipiell nicht davon ab, in den Alpen Ski zu fahren oder in Grönland Eisbären zu beobachten. “Es gibt gute Möglichkeiten, mit der Erkrankung gut zu leben”, sagt die Ärztin. Zudem bleibe sie “fast nie ein Leben lang.” Irgendwann gehen die Beschwerden in der Regel wieder weg, genauso plötzlich, wie sie gekommen sind.

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