Mehr Zeit für Patienten

Patienten, die im Zehn-Minuten-Takt abgefertigt werden  – das nervt ja schon beim Hausarzt.  Eine Studie von Ärzten des Krankenhaus Nordwest in Frankfurt zeigt jetzt auch Mängel bei der Betreuung von Krebspatienten auf.

Vielen  Krebspatienten  machen Müdigkeit, Erschöpfung und Schwäche zu schaffen – von ihren Ärzten fühlen sie sich alleingelassen.  Die klassischen Beschwerden wie Schmerzen und Übelkeit sind in den  vergangenen Jahren  in der Krebstherapie   durch die Entwicklung von zunehmend verträglicheren Medikamenten und Therapien mit geringeren Nebenwirkungen in den Praxen und Ambulanzen  in den Hintergrund gerückt, so    der Onkologe  Salah-Eddin Al Batran.  „Wenn der Schmerz da ist, dann ist das natürlich für  die Patienten  eine Katastrophe, Schmerzen beeinflussen die Lebensqualität sehr stark“, sagt er. Die Umfrage habe   gezeigt, dass diese Patienten  in der Regel nach dem  Gespräch mit dem Arzt  „ausreichend zufrieden sind“, so Al-Batran. „Vielleicht liegt es daran, weil es für diese Probleme Medikamente gibt“, so seine Vermutung.

Um einiges stärker  in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt  fühlten sich    hingegen Patienten, die unter  Müdigkeit, Erschöpfung und Schwäche litten, dem sogenannten Fatigue-Syndrom. Ärzte, so das Ergebnis der Umfrage,  widmen  diesen Problemen zu wenig Aufmerksamkeit. Viele  Befragten gaben ihnen schlechte Noten.

Mediziner konzentrierten sich  in Gesprächen mit  Krebspatienten eher auf handfeste Symptome wie Übelkeit, Schmerzen oder Erbrechen, so Studienleiter Al-Batran.  Ob die Patienten unter Zukunftsängsten leiden, sich überfordert fühlen oder unzufrieden mit der Lebenssituation sind, werde von den Ärzten  in der  Regel nicht abgefragt. Das würde dann auch länger dauern als die üblichen zehn Minuten, die man für einen Patienten Zeit hat, so der Arzt. Die Frage „Haben Sie Schmerzen?“ sei  schneller beantwortet.
Er gibt zu bedenken, dass Patienten, die unter   ständiger Müdigkeit oder Depressionen litten,  unter einer großen Belastung stehen.  „Diese Menschen brauchen jemanden, der auf sie eingeht“, so der Onkologe. Die Beschwerden beeinträchtigten die Lebensqualität stark und seien  dem gesamten Heilungsprozess nicht förderlich.   „Im schlimmsten Fall könnte es dazu kommen, dass die Patienten  voller Frust die Therapie abbrechen“, so der Mediziner.

Sein Fazit: Das medizinische System in der Onkologie braucht mehr Ressourcen, damit mehr Zeit für die Patienten bleibt.   Vor allem in  der  akuten Tumortherapie sei es wichtig,    Symptome, die   auf ein Fatigue-Syndrom hinweisen,  zu überprüfen.
„Ein erfolgreiches Eingreifen bei akuter Müdigkeit verbessert  die Lebensqualität der Kranken deutlich und trägt   dazu bei, dass sie die Therapie besser vertragen und die Compliance steigt“,  sagt Al Batran.  Eine  erfolgreiche Behandlung des  Fatigue-Syndroms könne  den gesamten  Therapieerfolg günstig beeinflussen.

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