Medizinische Hilfe für Flüchtlinge

In den Flüchtlingseinrichtungen in Hessen sind derzeit mehr als 12720 Menschen untergebracht, davon 650 in Bensheim. Gibt es genug Ärzte, die sich um sie kümmern?

Im Zeltdorf auf dem Bensheimer Festplatz sind etwa 650 Flüchtlinge untergebracht. Der Internist Wolfgang Kauder vom Malteser Hilfsdienst ist einer der Ärzte, die dort eine tägliche Sprechstunde abhalten. Der Darmstädter Mediziner musste sich nicht erst in die Flüchtlingsthematik einarbeiten. Er bietet seit 2006 mit seinem Team im Marienhospital ehrenamtlich eine wöchentliche Sprechstunde für Migranten an.

Man brauche für diese Arbeit alle fünf Sinne beisammen und jede Menge Erfahrung, sagt Kauder. Viele der Flüchtlinge, die in Bensheim zu ihm in die Sprechstunde kommen, litten an bronchialen Infekten und Hautkrankheiten. Manche hätten sich auch auf der Flucht verletzt oder sich Blasen gelaufen. Viele sprächen, trotz Dolmetscher, nur wenig, seien sehr zögerlich. „Manche sind bestimmt auch depressiv”, so seine Einschätzung. Nach einer Untersuchung von 100 syrischen Flüchtlingskindern der Technischen Universität München, leidet jedes fünfte Kind an einer posttraumatischen Belastungsstörung. „Man merkt ihnen die Strapazen an, die sie hinter sich haben”, sagt der Internist. „Es fehlt ihnen eine Perspektive.”

Wie viele Ärzte derzeit hessenweit in den Flüchtlings-Einrichtungen tätig sind, kann das Regierungspräsidium (RP) in Gießen, das die Oberaufsicht hat, nicht sagen. Eine pauschale Aussage könne nicht getroffen werden, da sich viele freiberufliche Ärzte darunter befänden und es, je nach Flüchtlings-Einrichtung, ganz unterschiedliche Einsatzmodelle gäbe, heißt es auf Nachfrage des ECHO. Manchmal seien niedergelassene Ärzte einbezogen, manchmal auch Festangestellte des RP.

Anfang August hatte das Land gemeinsam mit der Ärztekammer einen Aufruf veröffentlicht und Mediziner gesucht, die die Erstuntersuchung auf übertragbare Krankheiten samt Impfungen vornehmen können. Diese Untersuchungen sind die Voraussetzung dafür, dass die Flüchtlinge an die Kommunen verteilt werden können. Nach Medienberichten waren die Ärzte in der Gießener Erstaufnahme überlastet, was dazu führte, dass Aufnahmeverfahren ins Stocken gerieten.

Mittlerweile, so heißt es beim RP, sei die medizinische Versorgung sichergestellt. Auf den Aufruf hätten sich rund 200 Ärzte gemeldet. „Diese Angebote werden derzeit koordiniert”, so RP-Sprecherin Gabriele Fischer. „Aber auch die ambulante, medizinische Versorgung nimmt immer breiteren Raum ein.” Impfstoffe gegen Grippe oder Polio würden bei Bedarf angefordert. Hinweise auf Engpässe oder Produktionsprobleme gibt es nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung in Frankfurt nicht.

Der medizinische Dienst und die Versorgung mit Medikamenten in Bensheim ist nach Kauders Meinung bestens organisiert. „Am Montag hatten wir einen Patienten mit einer eitrigen Augenentzündung, die behandelt werden musste”, erzählt der Internist. Sanitäter hätten den Patienten sofort zu einem niedergelassenen Augenarzt gefahren, wo er behandelt wurde.

Doch die Versorgung im Flüchtlings-Zeltdorf hat Grenzen. „Flüchtlinge haben keinen Anspruch auf Rundum-Versorgung”, so Kauder. Dies sei für Patienten und Ärzte unerfreulich: Nach dem Asylbewerberleistungsgesetz ist die Versorgung von Flüchtlingen auf das „medizinisch unerlässliche” zu beschränken.

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Eine Antwort auf Medizinische Hilfe für Flüchtlinge

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