Lange Wartezeiten bei Fachärzten – Alleingelassen in der Krise

Immer wieder teilen mir ECHO-Leser mit, dass sie Wochen und Monate auf einen Termin bei Fachärzten warten müssen. Eng ist es vor allem bei Orthopäden und Augenärzten.  Um einiges härter trifft dieser Engpass im ambulanten Bereich Menschen mit psychischen Problemen.  Sie brauchen vor allem in akuten Krisen schnell Hilfe. In einigen anderen Städten gibt es deshalb Krisendienste, die diese Menschen auffangen – in Darmstadt gibt es so einen Dienst nicht.

„Etwa  50 Prozent der psychischen Krisen treten außerhalb der üblichen Sprechzeiten auf“, sagt  Susanne Jöhnck, Leiterin des sozialpsychiatrischen Dienst des Gesundheitsamtes.  Also nachts oder am Wochenende,  wenn die meisten ambulanten Anlaufstellen geschlossen sind.  Viele Betroffene würden in Krisensituationen gegen ihren Willen stationär psychiatrisch behandelt, ohne dass zuvor ambulante Alternativen erprobt werden konnten. Es gebe klare Belege dafür, dass funktionierende Krisendienste das System  entlasteen und präventiv wirken. „Bundesweit gibt es mehr Tote durch Suizide  als durch Verkehrsunfälle – warum gibt es   flächendeckend keine Krisenhilfe“, fragt die Fachärztin.

Die Versorgungsengpässe in und um Darmstadt sind Thema einer Fachtagung am 28. März in Darmstadt.  Im Schnitt warten Patienten mit psychischen Problemen  bis zu drei Monate auf einen Termin beim Facharzt. Das ist eines der Ergebnisse einer Bestandsaufnahme, die Susanne Jöhnck  auf der Tagung vorstellen wird. Die Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie hatte 2012 eine  Umfrage bei sieben Einzel- und zwölf Gemeinschaftspraxen in der Region gemacht. Demnach beträgt die  Wartezeit auf einen Termin  für  eine Psychotherapie und für eine  fachärztliche Behandlung  im Schnitt bis zu drei Monate.   Wer versuche, telefonisch einen Termin zu bekommen, brauche   auch  „viel Ausdauer und Geduld“, erzählt  auch die Psychiatriekoordinatorin Jutta Schwibinger.  Telefonisch sei ein Großteil der Praxen nur schwer zu erreichen. manche hätten  auch Neuanfragen komplett abgewiesen.

Bei  der Tagung, die sich an Fach- und Hausärzte, Pflegepersonal, Vertreter von Krankenkassen, Politiker, Betroffene und Angehörige  richtet, geht es  darum, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sich die Lage entspannen könnte.   Beispielsweise stellt die Caritas ihr Modell der integrierten Versorgung vor.  „Eine gute oder sehr gute ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung würde so manche stationäre Aufnahme überflüssig machen“, sagt  Martin Hambrecht, Chefarzt am Darmstädter Elisabethenstift. Frühzeitige Diagnostik und Krisenintervention könne Zuspitzungen verhindern und Krankheitsverläufe abmildern: „Es gibt keine Alternative, als es gemeinsam anzugehen.“

Tagung:„Hilfe verzweifelt gesucht!“, Info- und Diskussionstag zur ambulanten psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung: Freitag, 28. März, 10 bis 16 Uhr, Justus-Liebighaus,  Darmstadt. Kontakt: Jutta Schwibinger, Gesundheitsamt, Telefon 06151 330980

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Eine Antwort auf Lange Wartezeiten bei Fachärzten – Alleingelassen in der Krise

  1. Puchinger, Joseph sagt:

    Wenn die ÄrztInnen dann nicht auch noch frech und die Vorzimmerdamen über ihre menschliche Kompetenz hinaus noch unverschämt wären, könnten wir alles ….noch…ertragen. Es ist hier in Hessen und vor allem in DA schlimmer als im Rest der alten Bundesländer!

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