Kassenpatienten warten länger

Im Schnitt warten Kassenpatienten in Hessen 20 Tage länger auf einen Termin bei Fachärzten als privat Versicherte. Bei  Augenärzten sind es  sogar 33 Tage, wie eine Umfrage der Bundestagsfraktion „Bündnis 90/Die Grünen“ zeigt. In Hanau, Darmstadt und Rüsselsheim ist der Unterschied besonders groß.  Nachzulesen ist das heute im ECHO auf der Seite 1.

Warum warten Kassenpatienten länger? Nach Angaben der Grünen liegen die unterschiedlichen Wartezeiten an den Honorarunterschieden zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Für die Behandlung eines Privatpatienten bekomme ein arzt im Schnitt das 2,5fache Honorar. „Deswegen ist es finanziell lukrativ, möglichst viele Privatpatienten zu behandeln“, so die Bundestagsabgeordnete Nicole Maisch. Damit dies gelinge, erhielten Privatpatienten auf Nachfrage schneller einen Termin.

Was sagen Ärzte dazu? Klaus Heckmann, selbst niedergelassener Augenarzt in Wiesbaden und Mitglied des Berufsverbandes der Augenärzte, sagt dazu: „Die langen Wartezeiten kommen nicht dadurch zustande, weil die Kollegen faul sind – sie sind überlastet“.  Das Fach Augenheilkunde leide unter chronischem Nachwuchsmangel. „Das ist dramatisch.“ Die Honorierung sei so schlecht, dass junge Ärzte es nicht wagen würden, sich niederzulassen. Er sieht auch in den kommenden Jahren keine Entlastung, ganz im Gegenteil: Mit der zunehmenden Zahl an immer älter werdenden Menschen steige  die Zahl der Alterskrankheiten und damit auch die Zahl der Patienten, die bei Augenärzten vorstellig werden.

Was steht die Kassenärztliche Vereinigung in Frankfurt dazu? Sie stellt die Repräsentativität der Umfrage in Frage und weisen darauf hin, dass es in Notfällen keine Serviceunterschiede zwischen Kassen- und Privatpatienten gibt.  Eine Unterversorgung an Fachärzten – etwa in Darmstadt – sehen sie nicht.  Serviceunterschiede, die es „da und dort“ gebe, liessen sichmit dem Kostendruck iind en Praxen erklären.  Ohne Quersubventionierung durch Privatpatienten könnten die Praxen nicht mehr existieren und seien gezwungen, Privatpatienten zu behandeln. „Dafür wird meist ein bestimmter Teil der Sprechstunden reserviert –  und da wir in Deutschland nur etwa 10 Prozent Privatversicherte haben, ist dieWahrscheinlichkeit, recht rasch einen Termin zu finden, hoch“, heißt es auf Anfrage des ECHO.

Was wollen die Grünen? Die Bürgerversicherung. In den Solidarausgleich sollen alle Menschen einbezogen werden, egal, ob sie privat oder gesetzlich versichert sind. Auch Beamte und Selbstständige zahlen dann einkommensabhängige Beiträge.

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