HPV-Impfung: Zweite Runde an der Bergstraße

Das Modellprojekt zur Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs geht im Kreis Bergstraße in die zweite Runde. Dr. Claus Köster vom Gesundheitsnetz Rhein-Neckar hat sich vorgenommen, das Modell auszuweiten.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 5000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, 1600 sterben daran, mehr als 100 000 Frauen müssen operiert werden, um Krebsvorstufen zu entfernen. Das muss nicht sein, sagt Mediziner Claus Köster vom Gesundheitsnetz Rhein-Neckar. Es gebe schließlich einen wirkungsvollen Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs.

Das Problem: Nur wenige Mädchen nutzen die Möglichkeit einer Schutzimpfung. “Die Impfrate in Hessen ist miserabel”, sagt Köster. Nur 22 Prozent nehmen die Chance einer Impfung wahr. Obwohl die gesetzlichen Krankenkassen seit 2007 die Kosten übernehmen.

Impfexperten empfehlen die Impfung Mädchen im Alter zwischen neun und 14 Jahren, möglichst vor dem ersten Geschlechtsverkehr mit zwei Impfstoffdosen, die im Abstand von sechs Monaten erfolgen. Je früher die Impfung erfolgt, desto besser der Schutz, da das Immunsystem bei Jüngeren besonders gut auf die HPV-Antikörper anspricht.

Studien aus anderen Ländern zeigen, dass mit Hilfe der Impfungen ein deutlicher Rückgang von Krebsvorstufen erreicht werden kann, auch ein Rückgang von Feigwarzen, die ebenfalls durch Humane Papillomviren (HPV) ausgelöst werden, wurde verzeichnet, so Catharina Maulbecker-Armstrong, Leiterin des Referats Prävention beim Sozialministerium in Wiesbaden.

Doch oft gibt es Vorbehalte bei den Eltern. Viele Mädchen rutschen auch durchs Vorsorge-raster: “In der Regel sind sie im Alter von neun Jahren nicht mehr beim Kinderarzt in Behandlung, zum Hausarzt gehen sie auch nicht regelmäßig und für einen Besuch beim Gynäkologen sind sie viel zu jung”, so Köster. Das Projekt bezieht deshalb Grundschulen und Eltern mit ein. Auf Elternabenden informieren die Ärzte über Wirksamkeit und Nebenwirkungen. Eine Befragung der Teilnehmer ergab, dass sich 94 Prozent der Eltern nach einem solchen Abend ausreichend informiert fühlten. 65 Prozent entschlossen sich zu einer Impfung.

Weitere Schulen werden gesucht

Zur ersten Impfrunde im vergangenen Herbst sind insgesamt 104 Mädchen gekommen, heißt es in einer ersten Bilanz beim Sozialministerium in Wiesbaden. “Die Aufklärung der Eltern funktioniert, wir sind zufrieden”, sagt Köster. Natürlich würde er sich wünschen, dass 80 Prozent aller Mädchen an der Impfung teilnehmen würden. “Das ist derzeit noch nicht möglich.” Das Projekt generiere eine Blaupause. Wichtig sei, dranzubleiben und weiterzumachen. “Wir brauchen Unterstützer.” Er macht derzeit Werbung, um noch mehr Schulen mit ins Boot zu holen. “Wir versuchen auch, das Modell auf Hessen und auf andere Bundesländer auszuweiten.”

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