Digitale Nabelschnur gegen Vereinsamung

"Kotaro", ein humanoider Roboter der Uni Tokyo; Foto: Manfred Werner

"Kotaro", ein humanoider Roboter der Uni Tokyo; Foto: Manfred Werner

Werden wir bald von Robotern gepflegt?  Sie sind ausdauernde, kostengünstige und zuverlässige Helfer – sofern die Programmierung stimmt.  Schweizer Forscher haben zum Thema Roboter in der Gesundheitsversorgung Patienten, Ärzte und Klinikvertreter befragt.

Die Schweizer Wissenschaftler haben die Roboter in drei Kategorien eingeteilt: 

  • Trainingsgeräte in der Reha (etwa Arm- und Beintrainer, Greif- und Gehhilfen).
  • Assistenzroboter, die bestimmte pflegerische Arbeiten übernehmen.
  • Sozial interagierende Roboter, die als Gefährten und Begleiter eingesetzt werden.

„Fortschritte in der künstlichen Intelligenz und der Produktion berührungsfreundlicher Materialien machen Roboter auch fürs Gesundheitswesen interessant“, heißt es beim  Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung in Zürich. Doch wie sieht es mit der Akzeptanz potenzieller Anwender aus? Sie ist umso geringer, je höher die Interaktivität der Roboter entwickelt ist:  Solange Roboter nur als Gehilfen eingesetzt werden, gibt es keine Probleme. Als Gefährten werden die Maschinen nicht akzeptiert.

Hat immer ein Lächeln im Gesicht: Assistenzroboter Hospi-Rimo von Panasonic. Er kann Hindernisse umfahren und Medikamente ausgeben. Foto: Panasonic

Hat immer ein Lächeln im Gesicht: Assistenzroboter Hospi-Rimo von Panasonic. Er kann Hindernisse umfahren und Medikamente ausgeben. Foto: Panasonic

„Viele Befragte befürchten, dass der zwischenmenschliche Kontakt verloren gehen könnte. Zudem fehlt Robotern auch die umfassende und flexible Sicht auf Patienten und Situationen“, erklärt  Projektleiterin Heidrun Becker vom Departement Gesundheit der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Pflegefachkräfte fürchten, dass sie aus Spargründen von Robotern ersetzt werden könnten. Patienten erhoffen sich von Robotern vor allem einen unabhängigeren Alltag mit  intelligenten Gehilfen, Rollstühlen und Servicerobotern für den Haushalt. Denkbar sei auch der Einsatz von elektronischen Seelsorgern. Die Industrie entwickelt bereits sogenannte Telepräsenzroboter, welche  per Videogespräch die persönliche Anwesenheit einer Pflegekraft oder Ärztin ersetzen sollen. Senioren könnten sie sozusagen als „digitale Nabelschnur gegen die Vereinsamung“ dienen.

„Umstritten ist bei Experten, ob das Pflegepersonal mit Robotern so entlastet wird, dass ihm mehr Zeit für die direkten Begegnungen mit den Patienten bleibt“, so Becker. Einig sind sich die Experten hingegen, dass die mechanischen Geräte nur als Ergänzung zu menschlichen Kontakten eingesetzt werden sollten und die Gesundheitskosten wahrscheinlich eher steigen als senken werden: Die Anschaffung ist teuer, zudem entwickelt sich die Technik rasch.

Weitere Fragen, die noch geklärt werden sollten: Wer haftet bei Schäden? Wie sicher sind digitale Patientendaten?  „Regelungen im Haftungsrecht, im Datenschutz und in der Ethik sollten  überprüft werden“, so die ZHAW-Forscherin. Empfehlenswert sei auch, dass bei Forschungsprojekten frühzeitig die späteren Nutzer und Betroffenen einbezogen werden,  damit die Entwicklung nicht an ihren Bedürfnissen vorbei zielt.

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