Das lange Warten auf den Facharzttermin

Noch mehr Bürokratie im Gesundheitswesen, ob es etwas hilft, ist fraglich:  Ab dem 25. Januar müssen die Kassenärztlichen Vereinigungen Terminservicestellen organisieren, die Patienten innerhalb von vier Wochen an einen Facharzt vermitteln.   Besetzt ist die Stelle montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr und freitags von 9 bis 14 Uhr, die Nummer lautet 069 40050000.

Vor allem bei Augenärzten, Orthopäden und Hautärzten ist es für Kassenpatienten oft schwer, einen Termin zu ergattern. Krankenkassen wie die Techniker oder die AOK Hessen bieten seit längerem einen Terminservice an. Bedarf ist da. Bei der Techniker Krankenkasse wurde der Service in Hessen im vergangenen Jahr von 6600 Patienten genutzt. „81,3 Prozent der Nutzer hatten vorab erfolglos versucht, an einen Termin beim Arzt zu kommen, bevor sie sich an uns gewandt haben“, so Julia Abb, Pressereferentin der Techniker Krankenkasse in Frankfurt. 63 Prozent der Nutzer hätten sogar trotz aktueller Beschwerden erfolglos versucht, einen Arzttermin zu erhalten.

Nun hat der Gesetzgeber also mit den Terminservicestellen eine weitere Struktur geschaffen. Verankert sind die Vorgaben im Sozialgesetzbuch V. An die Vermittler, die im Auftrag der KV Hessen agieren, können sich Patienten wenden, die eine Überweisung an einen Facharzt haben und bei denen eine Behandlung dringlich ist und nicht aufschiebbar. Wer nur eine Früherkennungsuntersuchung machen möchte, muss auf herkömmlichem Wege versuchen, einen Termin beim Facharzt zu bekommen. Ebenso Patienten, bei denen eine Bagatellerkrankung vorliegt. Das heißt, dass bei ihnen keine Gefahr besteht, dass sich der Gesundheitszustand ohne Behandlung verschlechtert oder dass sich ihr Zustand durch eine längere Verzögerung beeinträchtigt. „Die Beurteilung des Sachverhalts obliegt dem überweisenden Arzt“, heißt es dazu in der Vereinbarung mit dem Spitzenverband der Krankenkassen.

„Es geht dabei nicht um die Vermittlung eines Wunschtermins bei dem Wunscharzt in der Nähe, sondern um einen Facharzttermin in zumutbarer Nähe“, heißt es auf Nachfrage bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Frankfurt. Was für Patienten zumutbar ist und was nicht, ist im Bundesmantelvertrag der Ärzte festgeschrieben: Die Anreisezeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln darf maximal 30 Minuten über der Zeit liegen, die man zur nächstgelegenen Praxis brauchen würde. In dieser Zeit kommt man als Darmstädter locker nach Heppenheim, Langen oder in den Süden Frankfurts.

Gelingt eine Terminvermittlung in den vier Wochen nicht, werden die Patienten an Krankenhäuser weitervermittelt, die die fachärztliche Versorgung der Versicherten zulasten der Honorare der Vertragsärzte sicherstellt. Wie das genau ablaufen soll, ist noch nicht bis in alle Einzelheiten geklärt.

„Wir gehen davon aus, dass die Servicestellen uns mitteilen, wenn Sie einen Patienten haben, der ambulant bei uns behandelt werden soll“, heißt es beim Klinikum Darmstadt. Bislang liege eine solche Genehmigung nur für die Zentrale Notaufnahme und für einige wenige spezielle Behandlungen vor. Um die Zusatzaufgabe ab dem 23. Januar zu stemmen, werden bei der KV in Frankfurt zehn neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Telefonnummer, unter der die Patienten anrufen können, will die KV erst Mitte nächster Woche mitteilen. Wie viele Versicherte das Angebot annehmen werden und wie teuer das Ganze kommt, dazu konnte die KV am Mittwoch ebenfalls keine Angaben machen: „Die Informationen aus der Fachabteilung fehlen noch.“ Derzeit seien die Fachärzte dazu aufgerufen, freie Termine an die Kassenärztliche Vereinigung zu melden.

Das neue Modell ist unter Ärzten und Krankenkassenvertretern umstritten. Für die KV Hessen braucht das deutsche Gesundheitssystem keine weitere regulatorische Instanz, um ein Problem zu lösen, das „höchstens punktuell besteht“. Viele Hausärzte machen auf Plakaten ihre Patienten darauf aufmerksam, dass sich an den Wartezeiten nichts ändern wird, da die Zahl der Ärzte weiterhin begrenzt sei. Für jeden noch schnelleren Termin müsse ein anderer Patient länger warten. Ähnliche Kritik äußert auch Dr. Susanne Jöhnck, Leiterin des sozialpsychiatrischen Dienstes des Gesundheitsamtes in Darmstadt: „An wen sollen Patienten denn überwiesen werden, es fehlt in Darmstadt und dem Landkreis doch an Ärzten.“ Schuld am Engpass ist ihrer Meinung nach die Bedarfsplanung, für die wiederum die KV zuständig ist.

Für Julia Abb von der Techniker Kasse ist eine geringe Wartezeit auf einen Arzttermin ein wesentliches Kriterium einer guten Versorgung. Sie kritisiert, dass dazu teure Parallelstrukturen geschaffen werden, obwohl es ja ähnliche Angebote bereits gibt.

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2 Responses to Das lange Warten auf den Facharzttermin

  1. Esther sagt:

    Ein guter Vorsatz, der in der Realität leider sehr schwer umzusetzen sein wird. Vor allem in ländlichen Bereichen bedarf es einer Lösung.

  2. Klaus sagt:

    Das kenne ich nur zu gut von meinem Augenarzt. Naja man muss zufrieden sein mit dem was man bekommt solange man jetzt nicht ernste Erkrankungen hat. Aber es muss dafür gesorgt werden dass dringende Fälle sofort behandelt werden und nicht erst warten müssen, da bedarf es wirklich einer Lösung!

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