Ablenkungsmanöver der Krankenkassen

Pulsmesser

Pulsmesser

Die gesetzlichen Krankenkassen haben 2010 und 2011 knapp 53 000 Fälle von Fehlverhalten im Gesundheitswesen verfolgt. Im Fokus stehen Ärzte, Apotheker oder Psychotherapeuten, die bei der Abrechnung schummeln, Gelder veruntreuen oder sich der Korruption schuldig machen.  Seit Anfang Januar geistern  diese Zahlen des  GKV-Spitzenverbandes der Krankenkassen  in den Medien umher.  Schlagzeilen über  Ärzte, die in kriminellen Machenschaften verstrickt sind, verkaufen sich gut. Der  Vorstandschef des Spitzenverbandes Gernot Kiefer kommentierte etwa in der FAZ: „Fehlverhalten von niedergelassenen Ärzten ist kein Massenphänomen, aber leider sind das auch keine zu vernachlässigenden Einzelfälle.“
Doch wie  genau sehen diese Einzelfälle denn aus? Für den Medizin-Blog startete ich eine Suche nach dem Bericht und den genauen Zahlen. Erfolglos.  Weder im Internet noch auf der Homepage des Verbandes werde ich fündig. Komisch.  „Der Bericht ist ans Bundesgesundheitsministerium gegangen und wird von uns nicht veröffentlicht“, sagt Pressesprecher Florian Lanz auf Nachfrage.  Die wichtigsten Zahlen,  Informationen und eine „Einordnung“ seien  jedoch auf der Internetseite veröffentlicht. Nein, danke! „Eingeordnet“ hätte ich die  Zahlen gerne  selbst.  Ganz ohne Gschmäckle.
Was wohl Patientenvertreter zu den Diskussionen über korrupte Ärzte sagen? Diese Meldungen schüren Misstrauen,  heißt es bei der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten (DGVP). Die Patientenvertreter gehen  davon aus,  dass die Quote der Betrugsfälle weit unter der Promille-Grenze liegt. Viel wichtiger sei es, darüber zu reden, dass die Krankenkassen Krankengeld kürzen, Diagnosen und Therapien verzögern oder  Medikamente und Hilfsmittel nur eingeschränkt bewilligen. „Die bei uns eingehenden Beschwerden zum Vorgehen der GKV sind nur die Spitze des Eisbergs“, so die DGVP.  Die meisten Versicherten und  Angehörigen erduldeten die  Kürzungen.  „Die Wenigsten kenne sich mit den gesetzlichen Krankenleistungen aus oder haben gar den Mut, sich in einem Widerspruchsverfahren um eigene Rechte zur Wehr zu setzen.“  Die Forderung der Patientenvertreter an die Krankenkassen: Mehr Transparenz schaffen. „Das könnte dann auch für den Wettbewerb der Krankenkassen um Versicherte nutzbar sein. “

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