“Bist du verrückt?”: Ebola-Einsatz in Westafrika

Mario Di Gennaro, Foto: Privat

Mario Di Gennaro, Foto: Privat

Auf den Aufruf des Deutschen Roten Kreuz (DRK)  für einen Ebola-Einsatz haben sich bundesweit mehr  als 1600 Interessenten gemeldet, 404 haben sich beworben, davon wurden 121  als geeignet eingestuft. Darunter ist  Mario Di Gennaro aus Oberursel. Er  steht auf Abruf bereit.

Das DRK sucht seit Ende September  Ärzte, Krankenschwerster,  Pfleger, aber auch Pharmazeuten, Labortechniker und Röntgenfachkräfte für einen Einsatz in Westafrika. Geplant ist unter anderem, eine Behandlungsstation für Ebola-Patienten aufzubauen.   16 Freiwillige sind in der vergangenen Woche in Würzburg in einem Pilotkurs für den Einsatz im Kampf gegen Ebola geschult worden, mit dabei war  Mario Di Gennaro, Katastrophenschutzbeauftragter des DRK  in Hessen.
Di Gennaro ist 43  Jahre alt,  er wohnt in Oberursel und ist Vater zweier Kinder. Jeden Tag kann es  losgehen.  „Klar gehen mir die Gefahren eines solchen Einsatzes durch den Kopf“, sagt er. „Ich lese die Medienberichte ja auch.“ Angst, dass er sich bei der Pflege eines Ebola-Kranken selbst infizieren könnte, hat er nicht, dass es sich um einen gefährlichen Einsatz handelt, ist ihm aber bewusst.  „Es gibt Möglichkeiten, sich zu schützen.“
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat  weit über 8000 Ebola-Fälle in den drei am stärksten von Ebola betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone registriert. Mehr als 4000 Menschen starben bereits daran.  Die Risiken, an Ebola zu erkranken,  sind  auch für Helfer  groß:  In der Nacht zum Dienstag erlag in Leipzig  ein Mitarbeiter der Vereinten Nationen seiner schweren Krankheit.   In Frankfurt wird ein weiterer Mann behandelt, der sich ebenfalls in Westafrika beim Kampf gegen die Seuche angesteckt hatte.
Di Gennaro gehört nicht zum medizinischen Personal des DRK, sondern zu den Technikern und Logistikern der  Wasser- und Hygiene-Einheit.  „Unsere Aufgabe wird es sein, die Infrastruktur für die  Behandlungszentren aufzubauen“, erläutert er im Gespräch mit dem ECHO. Das Team sei  vor Ort unter anderem dafür zuständig, dass die Trinkwasseraufbereitung klappt und der Strom  fließt.
In Würzburg bekam Di Gennaro, wie die medizinischen Helfer auch, beigebracht, wie man Schutzanzüge richtig an- und auszieht und welche Regeln es im Umgang mit Ebola-Kranken gibt. Der kleinste Fehler kann zu einer Infektion führen.  In Afrika war er bislang nur einmal im Einsatz. Als Experte für Flutkatastrophen  war er vergangenes Jahr im Auftrag der  Europäischen Kommission  zwölf Tage  in Nigeria unterwegs.
Wo oder wann er  in Westafrika zum Einsatz kommt, steht noch nicht fest. „Wir befinden uns gerade  noch in der Planungs- und Koordinierungsphase.“   Es sei wichtig, so Di Gennaro,  dass die Einsätze gut vorbereitet werden. „Man darf nicht zu schnell und hektisch agieren.“ Momentan sind noch zwei Erkundungsteams des DRK  in Sierra Leone  und Liberia unterwegs, um zu prüfen,  welche Einsatzmöglichkeiten es für die Helfer gibt und wie die Lage vor Ort ist.  Di Gennaro rechnet mit einem Einsatz von maximal  vier Wochen. „Dann kommt das nächste Team und löst uns ab“, sagt er.
Aus seinem Umfeld kamen gemischte Reaktionen, als er verkündete, dass er sich als Freiwilliger gemeldet hat. „Bist du verrückt – diese Frage kam auch“, sagt er.  Er setzt auf Aufklärung und hofft, dass es nicht vor lauter Panik und Angst vor einer Ebola-Infektion  dazu kommt, dass Helfer wie er stigmatisiert und ausgegrenzt werden.
Von seinen Plänen, den Menschen in Westafrika zu helfen,  wird ihn das nicht abbringen. Das Ausmaß des  Ebola-Ausbruchs  sei so  groß und allemal Grund genug, um die Menschen  dort  nicht alleine zu lassen. Das DRK sucht  weitere Helfer  für  Einsätze gegen Epidemie.

Informationen  und Bewerbungsformulare   gibt es im Internet unter  der folgenden Adresse: https://drkhrnet.drk.de/Home

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