Rückblick nach vorne

Nach Frankfurt kommen und dort siegen, hieß mein Ziel, wie rechts oben im Blog zu sehen. Wobei Ankommen ja schon den Sieg bedeutete. Und außerdem bin ich erster meiner Altersklasse geworden! Ich hab zwar ein bisschen geschummelt und mich bei den Achtzigjährigen eingetragen, aber das ist doch nur ein Schönheitsfehler, oder?

Fauja Singh (rechts) mit seinem Trainer bei der Staffel (Quelle: Veranstalter/ BMW Frankfurt Marathon)

Fauja Singh (rechts) mit seinem Trainer bei der Staffel (Quelle: Veranstalter/ BMW Frankfurt Marathon)

In Wahrheit war es ein Klickfehler. Sonst wäre ich ja fast so abenteuerlich wie das Marathon-Phänomen Fauja Singh — der 100 Jahre alte “Tornado im Turban” lief am Sonntag auch mit, wenn auch “nur” die Staffel. Ein toller Farbtupfer war er, genau wie die vielen Fans, die Musikkapellen, die Kinder mit ausgestrecktem Arm zum Abklatschen — extrem motivierend, das alles!

Nicht zu vergessen der Moment purer Gänsehaut, als aus einem der vielen Streckenlautsprecher „We are the people“ von „Empire of the sun“ pumpte. Ausgerechnet dieser Song, bei dem ich jedes Mal meine, mir wachsen Flügel!

Empire Of The Sun – We Are The People from Mark on Vimeo.

Durchaus durchgeknallt: Marathon auf Husum

Jetzt sind auch die 42,2 KM zum Zähler rechts dazugefügt (und nicht 45, wie mein SportsTracker angibt, der sich damit als ziemlicher Hochstapler geoutet hat). Auf den Moment freute ich mich schon seit Beginn. War’s das?  Die Saison ist jetzt  vorbei – auch wenn es  Winter-Marathons für Stahlharte gibt. Ich könnte zum Beispiel im Januar in Leipzig mitlaufen oder ganzkörperverkleidet im März auf Husum. Husum, also bitte! Wer hat dort um diese Jahreszeit Lust auf Dauerlauf? Zumal der Veranstalter so wirbt: Endlose einsame Geraden, stille Dörfer, häufig nasskaltes Wetter, immer Wind.

Da ginge es mir vermutlich noch hundiger beim Ankommen als nach Frankfurt. Setzen konnte ich mich kaum, weil die Scharniere in den Beinen blockierten. Noch später auf der Treppe humpelte ich kabarettreif. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so ausgebrannt gewesen zu sein. Im Frankfurt gab es immerhin Kuchen, Cola und alkoholfreies Bier nach der Ankunft — in Husum wäre es Labskaus *g*

Die nächsten 21 Tage stehen unter dem Zeichen der Erholung – sagt jedenfalls Mario. Die Hälfte der Wettbewerbskilometer in Tagen sei die Faustformel der Regenerationszeit. Kurze Erholungsläufe, Essen und gerne ein Saunagang stehen auf dem Programm. Was ich mitnehme, sind drei gute Dinge: Das Gefühl, einen Berg in 1000 Schritten überwunden zu haben. Zweitens die Erkenntnis, dass Bewegung viel erholsamer sein kann als sich müde von der Arbeit auf die Couch zu fläzen. Und drittens die Befreiung von der Nikotinsucht. Gelegentlich zieh ich noch an einer  Genuss-Zigarre, auch wenn das meinem Blog-Motto nicht ganz gerecht wird. Trotzdem: der Sport hat jetzt Übergewicht.

Und deshalb geht der Blog weiter. Weniger regelmäßig, aber weiterhin lesenswert. Ohne Mario, bei dem ich mich auch hier nochmal herzlich bedanke! Dafür hoffentlich mit euch Lesern, für deren Anregungen ich mich, als Zwischenbilanz bedanke ebenso wie dem Blitzschnell-Supporter Jan Müller vom Medienhaus Südhessen!

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4:20:21 — Ich bin durch!

Ich bin durch — das ist durchaus doppeldeutig zu verstehen *g* Aber zuerst mal meine ich: ich hab die Marathon-Distanz geschafft. Wow! Und ich musste nicht unterwegs das Laufen oder gar den ganzen Lauf einstellen, weil Knie/Waden/Achillessehne/anderer Kram vom Laufapparat den Dienst verweigerten.

Im Gegenteil war es lange Zeit ein richtig prima Wettbewerb, lediglich das Geplärr des inneren Schweinehunds musste ich die ersten fünf Kilometer ertragen (Dinge wie: “ey, jetzt rennst du schon eine halbe Stunde und das ist immer noch: quasi nichts”). Die Bedingungen: herrlich. 12 Grad zeigte das Thermometer beim Start am Messeturm, dazu bedeckter Himmel, der in den folgenden vier Stunden etwas auflockerte.

Überraschend lang lief das alles richtig gut: Ich hatte einen Schnitt von 5:50 bis 6:00min/km, nachher sogar 5:40 bis 5:50. “Geil, die werden ja gar nicht schwer”, dachte ich an meine Beine. Als Wilson Kipsang gerade mit Beinahe-Weltbestzeit einlief, freute ich mich an meiner Halbzeit in respektabler Zeit.

Bis zwischen Kilometer 33 und 34 der Einbruch kam. Wie verdammt lang sich 1000 Meter auf einmal zogen. Mit wenigen Gehpausen, aber eben deutlich langsamer spulte ich den Rest ab. Und danach war ich erstmal wirklich durch — durch den Wind. Die Oberschenkel hatten verlernt, dass sie sich strecken und beugen konnten. Was ein Gehumpel, vor allem auf Treppen! Die Stimmung ebenfalls geknackst, einfach vollkommen kaputt.

Aber das Tolle am Laufen: Lange dauert das nicht an. Mittlerweile lauf ich schon wieder richtig rund und lasse mich von Schwester und Schwager mit Lasagne bekochen. Wunderbar!

Morgen gibt’s einen Detail-Bericht. Bevor ich mich aber zum Essen setze: Danke für die vielen Motivations-SMS und das Daumendrücken beim Lauf! Hat mir sehr geholfen :-)

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Trinken, bevor der Arzt kommt

*** Noch ein Tag bis zum Marathon ***


Beliebt und wichtig: Verpflegungsstationen entlang der Strecke. (Quelle: Jutta Wieland/pixelio.de)


Um das Essen habe ich mir während meines Trainings wenig Gedanken gemacht – jedenfalls viel weniger als um Lauftechnik oder ausgleichendes Muskeltraining. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sagt: „Wer sportlich aktiv ist, braucht keine besondere Ernährung“. Nur vor dem Wettkampf und für Vegetarier gibt es Sonderregeln.

Ernährung ist komplex und deswegen Anlass für Grundsatzdebatten. Aber zunächst einmal gibt es einen Richtwert für den täglichen Energiebedarf. Laut DGE liegt der für mich (26 Jahre und weitgehend im Sitzen arbeitend) bei 2800 Kilokalorien pro Tag. Eine Frau mit gleichen Parametern bräuchte 2100 Kilokalorien. Wobei auch daraus keine Wissenschaft zu machen ist. Kalorien habe ich nie gezählt, weil ich seit Jahren 75 Kilogramm wiege, trotz Essensschwankungen. „Der Körper regelt das Gewicht, angepasst an deine Ernährung“, sagt dazu mein Trainer Mario Bolz.

Energie liefern drei Quellen: Kohlehydrate, Fette und Eiweiße (Proteine). Kohlehydrate stellen schnelle Energie bereit und sollten 25 bis 40 Prozent der Tagesrationen ausmachen. Der Körper verwandelt sie in Glykogen, auch „Muskelbenzin“ genannt. Wie viel davon gespeichert wird, lässt sich mit Ausdauertraining verändern.
Eine Kohlehydrat-Diät kurz vor dem Marathon, auch bekannt als „Carbo-Loading“ findet sich in manchen Büchern. Mein Trainer hält mich aber auch ohne solche Essenspläne für gut vorbereitet. Sein einfacher Rat: „In der Woche vor dem Marathon solltest du nicht mehr hungrig sein.“

Fette sind das größte Energie-Depot: Ein Gramm enthält neun Kalorien, doppelt so viel wie Kohlehydrate oder Eiweiße. 35 bis 50 Prozent sollte der Anteil am täglichen Essen ausmachen. Schließlich die Eiweiße oder Proteine, unverzichtbar für Aufbau und Erhalt von Muskelzellen, Hormonen und Enzymen. Laut Empfehlung machen sie ein Viertel der Energie-Zufuhr aus, in der Praxis geschehe das aber viel zu selten. „Mit Eiweiß in den Tag starten“ heißt eine Regel. Hier muss ich mir als Vegetarier Gedanken machen.

Fleisch hat mit den höchsten Proteinanteil, sogar mehr als Eier. Die sind trotzdem hilfreich, um meinen durch Sport erhöhten Eiweißbedarf zu decken: ein Gramm, bei intensivem Training auch zwei Gramm pro Körpergewicht. Viel Eiweiß enthalten außerdem Milchprodukte, Nüsse und Hülsenfrüchte. Schwierig wird es bei Spurenelementen wie Eisen oder Zink, die in gängigen Pflanzen kaum enthalten sind. Für diese Mineralien nehme ich ein Präparat.
Beim Thema Trinken ist „viel“ das richtige Adjektiv, täglich 1,5 bis zwei Liter empfiehlt die DGE. Trainer Mario Bolz empfiehlt „viel Natürliches“: Direktsäfte, auch als gemixte Schorle. Keine Zuckerbomben wie Cola oder Eistee. Kaffee und Tee am besten ungesüßt.

Über das Trinken kommen wir zum Wettkampf. Dort braucht der Körper viele Kohlehydrate. Essen ist umständlich, also greifen Athleten zu Gels oder Sportgetränken. Amby Burfoot, der 1968 den Boston-Marathon gewann, rät im „Großen Buch vom Laufen“ zu drei Einheiten à 250 Milliliter pro Laufstunde. Es gibt Profis, die auf Cola schwören, eben wegen des Zuckers – im Wettkampf spricht nichts dagegen. Bis zu zwei Liter Flüssigkeit gehen pro Laufstunde verloren – unabhängig von den Inhaltsstoffen ist also vor allem die Menge wichtig.
Vor dem Start sollte der Magen nicht überfüllt sein. Drei bis vier Stunden vorher kommt eine kleine Mahlzeit – leicht verdaulich und kohlehydratreich – auf den Tisch, zum Beispiel Weißbrot mit Honig, auch Reis oder Nudeln mit fettarmen Soßen. Milchprodukte verbieten sich, deren Verdauung behindert den Körper auf der Strecke. Ein Hungerloch kurz vor dem Start füllt eine Banane gut.

Nach dem Zieleinlauf kommt erst der Durst und dann der Hunger – so geht es mir jedenfalls. „Die Ernährung nach dem Wettkampf ist davon abhängig, was man in den kommenden Tagen vorhat“, sagt Bolz. Wenn kein weiterer Wettkampf geplant ist, darf man einfach dem natürlichen Hungergefühl folgen. Wer bald wieder an der Startlinie steht, muss schnell regenerieren. Er sollte in der ersten Stunde nach Ende eines Marathons Eiweiß, Fette und Kohlenhydrate zu sich nehmen. „Hinsichtlich der Kohlenhydrate“, heißt dann der Tip von Bolz „so viel wie möglich.“

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Warum mein Trainer ein guter Trainer ist

*** Noch drei Tage bis zum Marathon ***

Die Vorbereitung ist vorbei — neun Monate vom durchaus noch tiefen Winter bis zur Zeit der Manchmal-Schon-Minusgrade. Zwischendurch war manchmal Sommer und nach dem Kaltstart ein sonniges Frühjahr. Meinen Trainer Mario hab ich in der Zeit als einen wirklich guten kennengelernt und wenn ich es in einem Satz zusammenfassen sollte, sage ich: Er macht Kompliziertes einfach.

Denn Laufen ist kompliziert — oder nicht? Viele dicke Bücher gibt es zum Thema und die strotzen vor Fachbegriffen. Klar, Laufen ist auch ganz einfach; ab auf die Strecke und los. Aber ich bin jemand, der es immer ganz genau wissen will, nach der perfekten Anleitung sucht und mich dabei auch mal tief in die Materie eingrabe. Mario hat die Fragen hinterher immer recht einfach aufgelöst.

Warum nicht eine Waffel zum Frühstück? In der Woche vor dem Wettkampf ist solcher Süßkram erlaubt. (Quelle: Albrecht E. Arnold/pixelio)

Ein aktuelles Beispiel sind Ernährungsfragen. Gerade vor dem Marathon gibt es Methoden, den Kohlehydrat- (genauer: Glykogen-)Speicher zu maximieren. Dann steht mehr von der leicht verwertbaren Energie zur Verfügung. Carbo-Loading heißt das. Aber da müsste ich einen ziemlich strengen Essensplan einhalten und je nach Methode sogar fasten. Marios Rat dagegen: “In der Woche vor dem Marathon solltest du einfach keinen Hunger mehr haben.” Mit was ich den stille, sei zweitrangig — solange es nicht Burger, Schoko und Cola sind. Dann ist auch mal Kuchen als Frühstück erlaubt anstatt vernünftiger Vollkornmüsli und Bananen.

Nochmal Ernährung: Was sollte ich in welchen Mengen nach 42 Kilometern essen? Welche Anteile von Fett, Eiweiß und Kohlehydraten? Marios Rat: “Iss einfach eine ganz normale Mahlzeit und soviel, wie du Hunger hast.” Also zum Beispiel Steak mit Bohnen und Kartoffeln — da sind alle drei Komponenten enthalten.

Außerdem ist Mario ehrlich: Besser wäre es, mich lieber an den Zugläufer mit der Zielzeit 4:15h einzuordnen als bei dem mit dem Ballon “3:59h”. Die Schlusseinheiten liefen eben nicht so optimal. Stichwort Abschluss: Heute morgen bin ich die letzten 30 Minuten vor dem Start in Frankfurt abmarschiert. Es kann losgehen!

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Der Medizinmann gibt das Okay

*** Noch sechs Tage bis zum Frankfurt-Marathon ***

Irgendwie dämlich: Bis zum Frühjahr nuckelte ich an Zigaretten, jetzt schon wieder -- am Asthma-Aerosol.

Starten kann ich also am Sonntag. Nachdem mich Dienstag letzter Woche ein Hustenanfall halsrötender Heftigkeit packte, ging ich zum Arzt statt zur Arbeit. Gut möglich, dass der Anfall durch die weiterhin ausgefallene WG-Heizung begünstigt wurde – Vermieter, ich liebe euch!

Der Hausarzt stellte dann fest, dass trotz zwei Wochen Kortisol-Behandlung die Lunge immer noch erschreckende Symphonien pfiff und verordnete dreierlei.

1. Doppelte Dosierung des Asthmamittels auf die 320-Mikrogramm-Ladung Budenosid plus Bronchenweiter von Mucosolvan.

2. Vier Tage Krankschreibung und dadurch wohltuende Erholung ohne das viele Reden und die arbeitsübliche Anspannung.

3. Lunge röntgen beim Facharzt.

Na, und der wackere Dr. Wacker sah dann, dass er auf dem Röntgenbild nichts sehen konnte. Eine Allergie schloss er dank Prick-Test ebenfalls aus. Laufen dürfte ich – zur Not eben mit Spray vor dem Start.

Es kann also losgehen. Wie es endet, kann ich allerdings schwer abschätzen. Nur einmal waren es mehr als drei Stunden und die endeten in Gehpausen.

Übrigens: Dass gerade frischbekehrte Ex-Raucher so ein hartnäckiger Katarhh erwischt, habe er schon ein paar mal gehört, sagte der Arzt. Natürlich zu wenig, um daraus belastbare Schlüsse zu ziehen – aber interessant ist es doch.

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Wie man schöne Strecken findet

Gut geführt auf offiziellen Radwegen, hier vor Griesheim...

Gut geführt auf offiziellen Radwegen, hier vor Griesheim...

Vor dem Problem, eine geeignete Strecke zu finden, stehe ich mit zunehmender Länge der Einheiten immer öfter. Zwei Anforderungen stelle ich:

1. Wenig Steigungen. Wenn ich schon lange laufe, dann will ich mich nicht auch noch mit Hügeln rumschlagen, die mich aus der Puste bringen. Das sieht mein Trainer Mario übrigens ähnlich, er kann es auch fachlich begründen. Am Anfang des Trainings sei das Laufen an sich wichtig und schon ein Wert gewesen. Mittlerweile komme es darauf an, möglichst viele Kilometer runterzuspulen und das geht in der Ebene eben leichter.

2. Möglichst lange und noch lieber ein Rundkurs. “Nimm dir eine lange Strecke, dann kommt dir die Distanz kürzer vor”, sagt Mario. Dann wird dem Auge halt mehr geboten. Würde ich meine 30km dagegen in 15 Runden an der Modau weglaufen, wäre der Spaß beim Teufel.

Wo finde ich also so eine Strecke, wenn ich noch dazu nicht heimisch bin auf den Überland- und Waldwegen vor Ort? Es gibt diverse Seiten mit Streckenempfehlungen. Die kommen teilweise auch sehr ansprechend rüber, wie etwa gpsies. Noch heftiger ist das Angebot bei jogmap, die unter der Ortsmarke “Darmstadt” 129 Seiten à 25 Strecken verzeichnen (wobei man hier blöderweise nicht nach Streckenlänge sortieren kann). Mein Problem mit diesen und anderen Seiten: Ich muss mir die Route angucken, im fotografischen Gedächtnis abspeichern und dann auch noch nach zweieinhalb Stunden die gerade passende Abzweigung im Kopf haben. “Na gut, solche Routen sind ja nur ein Vorschlag” mag mancher einwenden, aber zum Beispiel im Wald ist es schon besser, genau die richtige und nicht ungefähr die passende Gabelung zu kennen.

Bei gpsies kann ich mir  – der Name sagt es – die Route auch als Datei für mein GPS-Handy runterladen. Leider habe ich aber weder ein cooles iPhone noch ein Android, sondern ein Nokia-Smartphone. Das wurde bei uns in der Zeitung vor kurzem als “billiges Schulhof-Handy” abgewatscht. Die Kritik stimmt vermutlich, wenn ich sehe, wie man sich umständlich eine Lösung basteln muss, um eine Karte ins Nokia zu bekommen.

...auch verkehrsarme Tempo-30-Zonen sind im Angebot...

Das bringt es also auf die Schnelle nicht. Dann kam ich auf eine ganz einfache wie gute Lösung: Radfahrer haben nur eine leicht höhere Geschwindigkeit als Dauerläufer. Wo gutes Radfahren möglich ist, sollte man auch gut laufen können. Siehe da, der Radroutenplaner Hessen spuckt ganz kostenlos schöne Vorschläge aus. Und das beste ist: Die Strecken sind bestens markiert – dauerhaft, da offline. Mal am Baum, mal durch Aufkleber und durch Schilder.

So kam ich am Samstag auf den Radweg 21 bis Griesheim, der auch nach bis nach Nauheim führen sollte. Mitten in Griesheim muss ein Schild gefehlt haben, also sprang ich über auf den Radweg 18 und später auf Nummer 25, jetzt mit dem Ziel Büttelborn. Richtig schön waren die Wege, Wald wechselte mit freiem Feld und Autoverkehr gab es höchst selten. Ideal für einen Läufer.

Naja, in der Theorie jedenfalls. Ich wollte mal wieder die Drei-Stunden-Marke knacken. Das sah nach weitgehendem Abklingen meiner Erkältung und Bronchitis auch ganz gut aus. Praktisch hustete ich aber dann doch alle 20-25 Minuten heftig, was mich einfach aus dem Konzept brachte. Deshalb und wohl auch wegen des Trainingsrückstands wurden nach zwei Stunden die Beine bleischwer, da ging nichts mehr. Verdammt, langsam mache ich mir Sorgen, wie ich demnächst vier Stunden Laufen beim Marathon durchhalten soll…

...und am schönsten ist es mal wieder im Wald.

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Aufwand und Ertrag

Aus passenden Anlass ein Gedicht:

Ein halbes Jahr und sieben Tage
die ich den Wanst schon nicht mehr plage
mit Kondensat und Nikotin
zogen glücklich jetzt dahin
auch wenn ich oft noch Schmacht ertrage.

Pall Mall, HB und Lucky Strikes
und was sonst mein Suchtgedächtnis reizt
hab ich ersetzt durch Dauerlauf
und Sportgetränke, die ich sauf
manchmal war’s auch der Kräutergeist.

Nun kam es vor, dass ich mal schwach war,
wenn Festival oder Hochzeitstach war
da wurde qualmend losgesündigt
die Blog-Devise flott gekündigt
– trotzdem blieb das Training machbar.

Die Festivals, sie sind dahin,
und ich seit Wochen wirklich clean
da kommt doch dieser Kreuzkatarrh
und bleibt trotz Kortisonkur da
als Raucher hatte ich das nie.

Wär es denn dann nicht fast gescheiter
ich leb grad so wie früher weiter? ;-)

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Drei Stunden im Visier

Jungjoggerschatten im Altweibersommer

Ein letztes Mal Laufen in der Hitze eines Sommertags? Unbedingt! Weil ich gestern in der Zeit des Temperaturhochs bei den Lilien beziehungsweise ihren Offenbacher Gegenspielern stand, musste der wöchentliche Langlauf am Samstag nachmittag stattfinden. Drei Stunden standen auf dem Plan und ich freute mich schon, sie garantiert bei Sonne und nicht wie in Siegen im Regen zu verbringen.

In den Westen und auf das Oberfeld im Norden wollte ich nicht, das hatte ich schon oft genug. Natürlich sind längst nicht alle Strecken abgegrast dort, aber warum nicht gleich in den Osten. Vorbei am Prinzenberg (den ich an Nichtjogging-Tagen wegen der tollen Aussicht erklettere), runter in Richtung Trautheim und Mühltal, dann sollte es eigentlich nach Modautal-Brandau gehen. Weil aber ein Schild der Radroute, der ich folgte, fehlte, lief ich etwas in die falsche Richtung und war plötzlich in Ober-Ramstadt.

Entlang der Odenwaldbahn...

Der Haken an der Geschichte: drei Stunden wurden es auch diesmal nicht. Über diesem Wert hängt irgendwie ein Fluch. Oder ist es meine Unlust? Ich gebe zu: Zwei Stunden waren eine interessante Herausforderung. Drei Stunden nerven. Den Marathon mit vier Stunden und möglichst wenig Zerquetschten kann ich mir trotzdem vorstellen – als einmaliges Event. Trainingseinheiten von annähernd gleicher Länge machen wenig Laune.

Aber es gab ganz handfeste Gründe: Vor zwei Wochen war es der Dauerregen, der mich bremste, da hätte ich es geschafft! In der folgenden Woche habe ich einen Infekt aufgeschnappt, dem ich keine Bedeutung zumaß. Sowas kommt, aber vor allem bei Läufern geht es wieder. Wie hatte ich in einem Forum gelesen: “Jogger erkälten sich eh niemals”. Genau.

...aber dann ging mir der Dampf aus: Endstation Bushaltestelle.

Der Hals aber hörte nicht auf zu reizen und die Nebenhöhlen entzündeten sich – langer Lauf bitte nicht. Auf Maßnahmen außer mehr Gesundfutter wie Äpfel, Birnen und Bananen verzichtete ich trotzdem. Bei einem Seminar ließ ich mir ein paar Sinupret andrehen, ohne dass es viel besser wurde. Der ganze Mist wanderte zurück in die Lunge und am Freitag blieb nur der Arzt. Komisch, dort wegen Atemproblemen hinzugehen. Das war seit über fünf Jahren nicht nötig gewesen und wo ich nicht mehr rauche, hätte ich gedacht, die Probleme habe ich erst wieder ab 50 aufwärts… Aber kein Zweifel: die Lunge pfiff und rasselte. Ich verließ die Praxis mit meinem ersten Rezept für ein Anti-Asthma-Aerosol. Der Kortison-Kracher schlug auch recht schnell an. Jedenfalls bis zum Abend, da wurde es wieder heftiger.

Wie blöd es sich läuft mit Atemnot und Hustenreiz merkte ich am Samstag. Ich kam so aus dem Takt, dass schon nach einer Stunde die Beine betonschwer wurden. Das Darmstädter Hinterland ist zudem ein hügeliges, was die Sache nicht besser machte. Jedenfalls strandete ich nach 1:49h auf halbem Rückweg in Trautheim. Ende.

Was hätte ich machen sollen mit meinem Anfangs-Asthma? Amby Burfoot empfiehlt in ihrem seinem “Großen Buch vom Laufen”:

“Wärmen Sie sich vor einem Lauf oder Wettkampf etwa zehn Minuten lang auf. Beginnen Sie dann, schnell zu laufen. Darauf reagieren Sie vielleicht mit Asthma und lösen einen Adrenalinstoß aus, der die Bronchien erweitert. Wenn Sie können, laufen Sie fünf Minuten schnell, dann fünf Minuten langsam. Wiederholen Sie den Rhythmus mehrmals.”

Durch so intensives Aufwärmen im Intervallmodus sollte es möglich sein, 60 bis 90 Minuten ohne Anfall zu laufen. Gut für den Hinterkopf — ich hoffe natürlich, meinen Infekt bald ausgestanden zu haben. Falls nicht: Auch Paula Radcliffe (Marathon-Weltrekordlerin) und Jan Ullrich sind Asthmatiker.

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Die Norm fordert Enormes

Da war er noch ganz vorne: Haile Gebrselassie beim Berlin Marathon 2008, wo er den bis eben gültigen Weltrekord aufstellte. (Quelle: SCC EVENTS/Sailer)

Am Sonntag ist Berlin-Marathon. Der prominenteste Starter ist Haile Gebrselassie. Er wird nicht nur um den Sieg in Berlin, sondern auch die Qualifikation für Olympia 2012 laufen. Da allerdings liegt die Norm bei knackigen 2:05h — der 38 Jahre alte Athlet müsste also möglichst nahe an seinen eigenen Weltrekord von 2:03:59 herankommen. Mann, ist das eng! Aber um drei Startplätze gibt es in Äthiopien eben echte Konkurrenz.

Soviel toleranter ist die deutsche Norm allerdings auch nicht. Die liegt bei 2:12h für die Männer und 2:30h für die Frauen. Aber allgemein hat Deutschland da nicht viel zu holen. Bei Olympia 2008 in Peking gingen zwar drei deutsche Frauen an den Start, Männer fehlten allerdings komplett.

Update: Und dann hatte Haile gar nichts mit dem Treppchen zu tun. Erst wird er bei Kilometer 27 überholt, dann muss er ber Kilometer 35 abbrechen. Derweil läuft Patrick Makau zum neuen Weltrekord in 2:03:38h! Wahnsinn! Ganz weit vorne ist aber auch die Deutsche Irina Mikitenko. Mit 2:22:18h läuft sie auf den zweiten Platz in der Frauenwertung. Die ganze Story erzählt euch Achim Achilles.

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Sauwetter im Siegerland

Wann mich wohl zum ersten Mal der Regen überraschen würde, habe ich mich schon länger gefragt. Natürlich leg ich es nicht an auf eine Naturdusche und starte mein Training dann, wenn der Himmel halbwegs einladend aussieht. Aber während eines Zwei-Stunden-Laufs kann sich das ja ändern. Wie am vergangenen Sonntag.

Klatschnasses Haupthaar...

Für ein Singwochenende war ich bei Bekannten in Siegen. Dort gibt es waldbewachsene Hügel, naturbelassene Bäche, nette Menschen, ein tolles Restaurant – aber verdammt selten schönes Wetter. Nicht umsonst gründete sich im Studi-VZ die Gruppe “In Siegen scheint die Sonne?… Moment, da stimmt was nicht”. Ich laufe also los und es nieselt so leicht. Angenehm kühl, alles prima. Nach anderthalb Stunden jedoch schüttete es so dermaßen, dass selbst im Wald alles tropfte. Einschließlich mir. Sowas Blödes, ich wollte doch zum ersten Mal länger als drei Stunden laufen! So brach ich nach 2:35 ab.

Denn mittlerweile wurde es mir verdammt kalt. Im Sommer gibt die Verdunstungskälte eine willkommene Naturkühlung, im Frühherbst begann ich trotz Bewegung zu bibbern. Mario sagt, es gibt nur ein Wetter, bei dem er nicht läuft: Regen und +2 Grad. Was wäre also für Sonntag seine Empfehlung gewesen? Eine wasserdichte Jacke, die trotzdem den Schweiß rauslässt.

... dafür stehen die hier vor Kälte zu Berge.

Wobei er auch weiß: “Die heißen zwar atmungsaktiv, aber soviel atmen wie nötig können die gar nicht.” Wasserdicht ist viel zu schwer, wasserabweisend und dafür leichter klappt besser. Wenn ihr die Foren durchstöbert, werdet ihr feststellen, dass Markenprodukte nicht besser wegkommen als Discounter-Laufkleidung. Überzeugt hat mich dagegen der Tipp, ein spezielles Laufunterhemd zu tragen. Dann bleibt wenigstens die Schicht direkt auf der Haut halbwegs warm. Mensch, das ist ja doch noch ein Verwendungszweck für Laufunterwäsche. Bisher hielt ich sie für komplett überflüssig und bisher stimmte das auch.

Wenn es erstmal soweit ist mit Nässe und Kälte wie am Sonntag, solle man schnell den Heimweg antreten, sagt Mario. “Das bekommst du nicht wieder warm.” Jedenfalls nicht Mitte September. Joggen trotz Starkregen, das klappt laut Mario nur im Hochsommer.

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