Tomaten-Verwirrung

Tomaten-Jungpflanzen Foto: Marion Menrath

Die Tomaten sind gekeimt. Aber wo wächst welche Sorte? Der Klebestreifen mit der Beschriftung ist abgefallen, sodass es zwei Möglichkeiten gibt. Foto: Marion Menrath

Mir ist was Dummes passiert. Am 27. März habe ich Tomatensamen gesät, sechs Sorten in sieben Reihen mit je vier Kokos-Quelltöpfen. Und natürlich habe ich diese auch beschriftet – mit Filzstift auf einem Klebestreifen, den ich außen an dem Minigewächshaus angebracht habe. Dann sind die Tomaten nach und nach gekeimt. Ich habe das Gewächshaus immer wieder gedreht, damit die Pflanzen gleichmäßig wachsen. Und irgendwann war dann das etwas mürbe Klebeband weg – einfach abgefallen. Was jetzt?
Von den sechs Sorten ist nur eine freilandtauglich, Rote Johannisbeere, eine Wildtomate, die buschförmig wächst und auch im Freien guten Ertrag bringen soll. Andere Tomaten will ich nach etlichen schlechten Erfahrungen mit der Kraut- und Braunfäule nicht mehr im Freien auspflanzen. Unter den übrigen Sorten sind zwei F1-Hybriden, Sungold, eine orangene Kirschtomate und Pink Wonder, eine Fleischtomate die auf der alten Sorte Pink Brandywein basiert.

Lila Tomaten der Sorte Indigo Rose. Foto: Marion Menrath

Die Früchte der Tomate Indigo Rose sind wegen des hohen Gehalts an Anthocyan violett gefärbt. Die Sorte stammt aus einem Zuchtprogramm an der Oregon State University in den USA. Foto: Marion Menrath

Dazu kommen zwei alte Sorten: Balerinka kommt aus Russland und trägt birnenförmige rosa-rote Früchtchen. Ebenfalls birnenförmig, aber gelb, ist die Gelbe Dattelwein, die sehr ertragreich sein soll. Die einzige Sorte, die ich bereits vergangenes Jahr ausprobiert habe, ist Indigo Rose, mein besonderer Liebling: Die unreifen Früchte sind von einem tiefen Violett wie Pflaumen. Erst wenn sie reif sind, bekommen sie rote Bäckchen. Indigo Rose entstammt einem Zuchtprogramm an der Oregon State University, das bereits seit den sechziger Jahren läuft. Damals haben die ersten Züchter Wildtomaten mit blauen Früchten aus Chile und den Galapagos-Inseln eingekreuzt. Es handle sich um klassische Kreuzungen, keine gentechnisch veränderte Pflanzen, versichert Professor Jim Myers von der Oregon State University: Urspung von Indigo Rose Die Pflanzen sind zudem “samenfest”: Aus den Samen entstehen wieder Pflanzen, die der Ursprungssorte ähneln, nicht wie bei F1-Hybriden, bei denen die nächste Generation aufspaltet und somit komplett heterogen ausfällt.

Laut Myers enthalten die Tomaten hauptsächlich die Farbstoffe Petunidin, Malvidin and Delphinidin. Delphinidin gibt, wie der Name vermuten lässt, den Blüten des Rittersporns (Delphinium) ihre blaue Farbe, aber auch der Aubergine. Malvidin kommt in blauen Trauben und Primeln vor. Petunidin ist verantwortlich für die Blütenfarbe der Petunien, die übrigens ebenso wie Tomaten und Kartoffeln zu den Nachtschattengewächsen gehören.

Aufgeschnittene Tomate der Sorte Indigo Rose. Foto: Marion Menrath

Die violette Farbe der Indigo-Rose-Tomate konzentriert sich auf die Schale. Im Inneren ist sie rot. Foto: Marion Menrath

Auch in Apfelbeeren (Aronia) und amerikanischen Muscadine-Reben kommt dieses Anthocyan vor. Indigo Rose ist seit 2012 auf dem Markt; aber erst im vergangenen Jahr waren die Samen bei größeren Händlern in Deutschland verfügbar. Die violette Farbe konzentriert sich bei Indigo Rose übrigens auf die Schale. Im Inneren sind sie rot. Ich fand sie sehr lecker, eine gute Mischung aus süß und fruchtig. Und das Auge isst bei dieser ungewöhnlichen Farbe sicherlich mit.

Indigo Rose soll mir jetzt, zehn Tage später, auch helfen, die richtige Orientierung meines Minigewächshauses zu bestimmen: die Pflänzchen entwickeln nämlich in der Sonne auch an den Stielen einen leichten lila Schimmer. Noch eindeutiger zu identifizieren sind allerdings die Pflänzchen der Roten Johannisbeere in Reihe drei und sieben: Die Sämlinge sind deutlich kleiner und treiben bereits früh weitere Blättchen, während andere Sorten wie Balerinka und Dattelwein gerade mal mit den Keimblättchen dastehen.

Jetzt wird es Zeit, die Pflänzchen in gute Erde zu bringen. Neulich im Gartencenter war ich etwas frustriert: Dort gibt es schon einen halben Meter große Pflanzen, die kurz vor der Blüte stehen. Aber das ist beim derzeitigen kühlen Wetter auch etwas übertrieben.

Junge Tomaten Foto: Marion Menrath

Alles klar: Die Pflanzen in den Reihen 3 und 7 ähneln sich. Sie sind kleiner und entwickeln früh weitere Blättchen, das muss die Rote Johannisbeere sein. In Reihe 5 haben die Pflänzchen einen leichten lila Schimmer: Typisch für Indigo Rose. Foto: Marion Menrath

One thought on “Tomaten-Verwirrung

  1. Das ist ja wirklich ärgerlich mit dem Klebeschild. :(
    Und danke mit den tollen Tipps und den Link zu Ingo Rose :) kannte ich noch nicht.

    VG

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