Tendenz zum Wuchern

Blühende Frühlingstamariske Foto: Marion Menrath

Die Frühlingstamariske bringt Blütenpracht und mediterranes Ambiente in den Garten. Am falschen Ort gepflanzt, kann sie aber viel Arbeit machen. Foto: Marion Menrath

Niedlich sieht die junge Frühlingstamariske (Tamarix parviflora) im Garten aus. Mit den filigranen, nadelartigen Blättern bringt sie Mittelmeer-Ambiente nach Südhessen. Im Frühjahr sind die fedrigen Triebe dicht mit rosa Blüten übersät und der Baum wird zum Hingucker. Dass der Wuchs eher sparrig und ausladend ist, verzeiht der Gärtner dem jungen Gewächs.
Als Bewohner des östlichen Mittelmeergebiets verträgt die Pflanze aus der Familie der Tamariskengewächse Trockenheit und kalkhaltige Böden. Dafür steht sie gerne in praller Sonne. Dass das Bäumchen in seiner Heimat bis zu sechs Meter Höhe erreichen kann, verdrängt der Gärtner beim Pflanzen gerne.

Hofeinfahrt mit blühender Frühlingstamariske Foto: Marion Menrath

Nach einigen Jahrzehnten wird aus der Frühlingstamariske ein Baum, der die Hofeinfahrt überspannt. Foto: Marion Menrath

Wie eine ausgewachsene Frühlingstamariske nach schätzungsweise drei Jahrzehnten aussieht, lässt sich in unserem Garten besichtigen. Der Charakterbaum kämpft über der Hofeinfahrt mit einem Wolligen Schneeball und der Eibe um die Lufthoheit. Im Inneren des Gartens reichen die Zweige fast bis zum Teich. Ein dicker Ast wächst quer über den Weg und sorgt schon mal für dicke Beulen am Kopf.
Leider kratzen die verholzten Zweige gerne bei der Fahrt zur Garage über Autodächer oder wischen im Wind über die Wand des Nachbarhauses. Man muss in der warmen Jahreszeit quasi ständig mit der Heckenschere parat stehen. Zweimal im Jahr möchte man dem Baum zudem am liebsten mit der Axt auf die Rinde rücken: Im Frühjahr, wenn die feinen Blüten wie Sägemehl in die Hofeinfahrt rieseln und im Herbst, wenn die Blätter, nachdem sie sich zuvor dekorativ gelb verfärbt haben, ebenfalls der Schwerkraft folgen.
Als Einzelbaum mitten im Grundstück wäre die Tamariske auch im reiferen Alter gut aufgehoben gewesen. Doch in der Hofeinfahrt ist es ein typisches Beispiel für die richtige Pflanze am falschen Ort. Deshalb sollte man am besten schon beim Pflanzen die spätere Größe des Gewächses berücksichtigen.

Bambusspross zwischen Glockenblumen. Foto: Marion Menrath

Bambussprossen tauchen ohne Wurzelsperre an den unmöglichsten Orten auf. Foto: Marion Menrath

Beliebt sind auch Pflanzen, die sich durch Ausläufer vermehren. Dass die meisten Bambussorten nicht ohne Wurzelsperren gepflanzt werden sollten, wenn die Triebe nicht am anderen Ende des Gartens auftauchen sollen, hat sich bei vielen Gärtnern bereits herumgesprochen.
Eine weitere Pflanze, die zum Wuchern neigt, ist das Kleine Immergrün (Vinca minor). In Mitteleuropa kommt das Hundsgiftgewächs erst seit der Römerzeit vor. Im Garten ist die blau-violett blühende Pflanze beliebt, weil sie auch mit halb-schattigen und schattigen Standorten vorliebnimmt und auch im Winter grün bleibt. Doch mit seinen langen Ranken breitet sich der Halbstrauch rasch im Garten aus. Vorteil: Wo das Immergrün wächst, kommt kein Unkraut mehr hoch. Nachteil: Wo das Immergrün wächst, kommt auch keine andere Pflanze mehr hoch. Und im Gegensatz zum gefürchteten Giersch kann man das in allen Teilen giftige Immergrün nicht einmal aufessen.

Eine Lizenz zum Wuchern haben dagegen in unserem Garten die Glockenblumen. Die üppigen Blütenrispen bieten Bienen und Hummeln einen reich gedeckten Tisch. In diesem nassen Frühjahr gedeihen sie sogar in Pflasterfugen. Leider blühen sie fast alle zur gleichen Zeit. Im Sommer gönnen sie sich eine Ruhepause, um erst im Herbst mit einer zweiten Blüte zu beeindrucken.

Glockenblumen im Garten. Marion Menrath

Lizenz zum Wuchern: Glockenblumen geben geraden Wegen eine spielerische Note und locken Bienen und Hummeln an. Foto: Marion Menrath

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