Stau am Fenster

Stau am Fenster: Weil der Winter nicht weichen wollte, war dieses Jahr kein Platz für Tomatensetzlinge. Foto: Marion Menrath

Stau am Fenster: Weil der Winter nicht weichen wollte, war dieses Jahr kein Platz für Tomatensetzlinge. Foto: Marion Menrath

Genau hier würden sie stehen, meine selbst gezogenen Tomatensetzlinge, am Fenster des Arbeitszimmers. Sie wären jetzt drei bis vier Wochen alt und schon einmal von den kleinen Kokosquelltöpfchen in einen größeren Topf verpflanzt worden. Doch ach, hier stehen nirgends kleine Tomaten rum. Dabei hatte ich im Geist schon viel versprechende neue Sorten ausgesucht und auch alte Favoriten, wie Black Krim oder die im vergangenen Jahr erfolgreich getestete Sorte Dasher, wollte ich wieder anbauen. Continue reading

Der Oktober ist kein Tomatenfreund

Die Tomatensaison neigt sich Anfang Oktober schnell dem Ende zu. Das Foto zeigt die Vielfalt der Tomatensorten: die Flaschentomaten links und rechts gehören zur alten peruanischen Sorte Andenhorn; vorne in der Mitte ist die orangene Auriga zu sehen. Die dunklen hinten gehören zur russischen Sorte Schwarzer Prinz. Die beiden Cocktailtomaten heißen Philovita, eine F1-Hybride von De Ruiter Seeds. Foto: Marion Menrath

Die Tomatensaison neigt sich Anfang Oktober schnell dem Ende zu. Das Foto zeigt die Vielfalt der Tomatensorten: die Flaschentomaten links und rechts gehören zur alten peruanischen Sorte Andenhorn; vorne in der Mitte ist die orangene Auriga zu sehen. Die dunklen hinten gehören zur russischen Sorte Schwarzer Prinz. Die beiden Cocktailtomaten heißen Philovita, eine F1-Hybride von De Ruiter Seeds. Foto: Marion Menrath

Für die Tomaten in meinem Garten wird es jetzt langsam eng. Selbst wenn sie einigermaßen geschützt vor dem Wohnzimmerfenster stehen, mögen sie Nachttemperaturen unter zehn Grad gar nicht. Dann reifen sie nicht mehr und bekommen sogar glasige Stellen, wenn sich Tau auf den Früchten niederschlägt. An einer Andenhorn habe ich das schon gesehen. Außerdem werden die Pflanzen anfälliger für Kraut- und Braunfäule. Die Bestände der Nachbarin, die sie zwar in einem Tomatenhaus, aber viel zu eng zusammen gepflanzt hatte, sind weitgehend hinüber. Bei mir kränkelt vor allem Auriga; die Früchte reifen aber noch aus. Auch die weitgehend resistente Philovita hat einzelne befallene Blätter. Dafür steht sie auch draußen im Regen. Bei einer Feuerwerk, die als Ersatzpflanze ins Freiland geraten ist, musste ich bereits befallene Früchte entfernen. Continue reading

Tomaten mit Schlagseite

Tomatenwildnis vor dem Wohnzimmerfenster. Sechs Pflanzen finden dort maximal Platz. Dafür stehen sie schön überdacht, gut gewärmt zur Südseite und trotzdem luftig. Foto: Marion Menrath

Tomatenwildnis vor dem Wohnzimmerfenster. Sechs Pflanzen finden dort maximal Platz. Dafür stehen sie schön überdacht, gut gewärmt zur Südseite und trotzdem luftig. Foto: Marion Menrath

Es ist wieder passiert. Dabei habe ich dieses Jahr extra den Sommerurlaub vorverlegt, damit ich im Hochsommer rechtzeitig zurück bin, um meine Tomatenpflanzen zu hätscheln und zu tätscheln. Als ich 2012 Ende August aus dem Urlaub zurückkam, erwartete mich nicht nur eine Tomatenschwemme, der ich nur noch mit Verschenken Herr wurde, sondern auch Pflanzen, die über die Brüstung vor dem Wohnzimmerfenster herunterhingen und eigentlich nur noch mit einem Kran oder akrobatischen Verrenkungen abzuernten waren. Nun beugt sich eine schwer beladene Pflanze der Sorte Schwarzer Prinz samt dem Anbindestab der Schwerkraft und hat schon schwer Schlagseite bekommen. Continue reading

Nach dem Sturm

Nachdem das kurze, aber heftige Unwetter am späten Dienstagnachmittag im Rhein-Main-Gebiet mal schnell den S-Bahn-Verkehr und den Flughafen lahmgelegt hat, bin ich doch mit etwas Bauchgrimmen nach Hause gefahren.

Am Arbeitsplatz in Heppenheim wurde der Himmel mitten am Tag bedrohlich dunkel. Unwetter in Heppenheim Es stürmte heftig und einige Geschäftsleute in der Innenstadt konnten gerade noch Ständer mit Kleidern oder Taschen ins Trockene bringen. Dann schüttete es einige Zeit und dann war der Spuk schon wieder vorbei. In Heppenheim selbst wurde nur ein einziger umgestürzter Baum gemeldet.

Zuhause in Griesheim führte der erste Weg in den Garten. Die erste Bestandsaufnahme fiel positiv aus: Alle Bäume und Sträucher waren an ihrem Platz, minus einiger Blätter; auch das Haus hatte keinen Ziegel verloren (vermutlich immer noch der erste Satz von 1983). Da das Unwetter von Westen kam, blieben sogar die mittlerweile sehr schweren Tomatenpflanzen vor dem Wohnzimmerfenster an der Südseite verschont.

Unerwünscht: Mögen die Fühler noch so putzig aussehen, die gefrässige Spanische Wegschnecke bekommt in meinem Garten kein Aufenthaltsrecht. Foto: Guillaume Brocker/Wikipedia

Unerwünscht: Mögen die Fühler noch so putzig aussehen, die gefrässige Spanische Wegschnecke bekommt in meinem Garten kein Aufenthaltsrecht. Foto: Guillaume Brocker/Wikipedia

An der Westseite musste ich eine große Glockenblume wieder aufrichten und von zwei dicken roten Nacktschnecken befreien. Diese Monster- Spanischen Wegschnecken dachten wohl, wenn der Stengel erst einmal auf der Erde liegt, kommen sie leichter an die delikaten Blätter. Wo sind eigentlich meine stachligen Untermieter, wenn man sie mal braucht?
Außerdem hat es leider zwei Fuchsienzweige erwischt und eine Freilandtomate musste wegen eines abgeknickten Stengels sorgfältig geschient werden.

Den größten Schreck bekam ich am Schluss auf der Terrasse: Dort lag ein großer Kirschbaumzweig mit schon angewelkten Blättern herum. Sollte es nächstes Jahr noch schlechter mit der Kirschenernte aussehen? Doch dem Bäumchen, das übrigens auf der entgegengesetzten Hausseite steht, schien kein Ast zu fehlen. Die Lösung wusste der Mann, als er vom Sport kam. Den Ast hat er von Freunden geschenkt bekommen, um daraus Kirschholz-Chips für die nächsten Grillexperimente herzustellen. Nun denn, dann ist ja alles noch mal gut gegangen.

Verspätete Eisheilige

Nachdem ich die Wettervorhersage für diese Woche gesehen habe, bin ich nun doch froh, dass meine Tomätlein noch unterm Glasdach stehen und nicht im Freien. Zwischen ein und zwölf Grad an Donnerstag und Freitag und kaum wärmer am nächsten Wochenende hört sich schon sehr eisig an. Dabei wollten wir eigentlich angrillen. Für das letzte Mai-Wochenende hörte sich das keineswegs verwegen an.

Normalerweise sollte mit der Kalten Sophie am 15. Mai die letzte der sogenannten Eisheiligen überwunden sein. Wikipedia rechnet allerdings vor, dass diese Bauernregeln möglicherweise schon vor der Umstellung auf den Gregorianischen Kalender entstanden sind und deshalb die wahren Eisheiligen heutzutage erst vom 23. bis 27. Mai drohen.
Eisheilige
Also wettermäßig alles noch im Lot? Notfalls bekommen die Tomaten über Nacht Unterschlupf im warmen Zimmer. Die Kartoffeln kommen vorerst auch nicht ins Freiland. Dabei haben einige sogar draußen überwintert: Im vergangenen Jahr hatte ich erstmals verschiedene Kartoffelsorten in Säcken geplanzt. Zwei der Säcke blieben nach der Ernte draußen stehen. Nun ist in beiden frisches Kartoffellaub zu sehen, was wiederum den Platz für die neuen Sorten, die auf ihren Auftritt warten, einschränkt.

Ansonsten wuchert im Garten im Schutz des Regens alles wild vor sich hin – na ja fast alles. Eine besonders mimosenhafte Rose hat sich schon Mehltau geholt. Da muss ich mal mit Hausmitteln ran. Sie mit verdünnter Milch einzusprühen oder mit einer Backpulver-Öl-Mischung soll angeblich helfen. Und an den zarten Jasminknospen tanzen die Blattläuse. Die mögen aber keine verdünnte Spülmittellauge.

Mickrige Tomaten

Pralle Tomatenernte 2012: Cocktail-, Fleischtomaten, schwarze und grüne - alles war dabei. Foto Marion Menrath

Pralle Tomatenernte 2012: Cocktail-, Fleischtomaten, schwarze und grüne – alles war dabei. Foto Marion Menrath

So langsam werde ich unruhig. Im Garten wuchert alles, der Vollfrühling ist endlich angekommen. Nur meine selbst gesäten Tomatenpflanzen halten nicht Schritt. So wie letztes Jahr, als ich in August/September kaum noch wusste, wohin mit den Tomaten sollte es auch dieses Jahr werden.

Das Beet vor dem Wohnzimmerfenster ist schon vorbereitet. Dort haben die Pflanzen im üppigen Kübel genügend Erde um sich auszubreiten.

Statt Blumen: Tomatenernte vor dem Wohnzimmerfenster. Foto: Marion Menrath

Statt Blumen: Tomatenernte vor dem Wohnzimmerfenster. Foto: Marion Menrath

Vor allen Dingen stehen sie aber überdacht und trotzdem luftig. Das ist in unseren Breiten wegen der Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) von Tomaten mittlerweile leider fast unverzichtbar geworden. Die Pilzerkrankung, die auch andere Nachtschattengewächse befällt, beispielsweise Kartoffeln, führt sonst oft zum Totalausfall der Ernte. Fünf, maximal sechs Pflanzen passen vor das Wohnzimmerfenster. Im Garten ist leider kein Platz für ein Tomatenhaus. Mittlerweile gibt es aber Krautfäule-tolerante Sorten, mit einer davon habe ich seit zwei Jahren gute Erfahrungen im Freiland gemacht.

Was nun leider noch fehlt, sind setzreife Tomatenpflänzchen. Während um mich herum die Nachbarn schon Tomaten gepflanzt haben, mickern meine selbstgezogenen Setzlinge noch immer herum.

Noch mickrig: Die Tomatenpflänzchen mögen das Wetter nicht. Foto: Marion Menrath

Noch mickrig: Die Tomatenpflänzchen mögen das Wetter nicht. Foto: Marion Menrath

Ich habe natürlich viel zu spät ausgesät, nämlich erst vor einem Monat. Aber vorher war das Wetter einfach zu schlecht. Auch so sind dieses Jahr nur knapp zwei Drittel der Samen gekeimt – 15 von 24. In den Vorjahren hatte ich dagegen praktische keine Ausfälle.

Warum ich dann nicht im nächsten Gartenmarkt Pflänzchen kaufe? Weil meine Tomaten etwas Besonderes sind; die überwiegend alten Sorten (und eine neue) habe ich vom Internetdealer meines Vertrauens erworben. In diesem Jahr habe ich folgende Sorten ausgesät:

  • Andenhorn: Eine Sorte aus Südamerika mit hörnchenförmigen, großen Tomaten, deren Form an Spitzpaprika erinnert und sehr viel Fleisch und wenig Kerne hat.
  • Auriga: Orangene Tomate, soll würzig-süß schmecken, ertragreich sein und aus der ehemaligen DDR stammen.
  • Feuerwerk: Alte russische Sorte, optisch sehr ansprechend, rot-gelb gestreift.
  • Philovita, F1-Hybride. Eine rote, sehr süße und ertragreiche Cocktailtomate. Für diese Sorte bin ich schwach geworden, sie  spaltet die Hobbygärtnerwelt. Gezüchtet wurde sie von De Ruiter Seeds, seit 2008 eine hundertprozentige Tochter von Monsanto. Monsanto wiederum ist berüchtigt dafür, weltweit Saatgutpatente aufzukaufen und die Patente insbesondere im Umgang mit Kleinbauern in der Dritten Welt rüde durchzusetzen. F1-Hybride bedeutet zudem, dass die Sorte nicht samenfest ist; das heißt bei den Nachkommen werden erwünschte Eigenschaften in nicht vorhersehbarer Weise vererbt.  F1-Hybriden müsse deshalb aufwendig immer neu aus zwei Elternsorten gekreuzt werden; entsprechend teuer sind die Samen. Gentechnik ist dabei übrigens nicht im Spiel. Doch wie man es dreht und wendet: Sie war bisher mit Ausnahme eines Wildlings vom Kompost in den beiden vergangenen Jahren die einzige, die bei mir im Freiland, völlig ohne Schutz, hohe Erträge gebracht hat und das bis zum ersten Frost.
  • Schwarzer Prinz: Eine alte russische Sorte aus Sibirien mit dunkelroter, purpurner Schale, die sehr gut schmecken soll. Der Prinz soll dieses Jahr die Schwarze Krim ablösen, ebenfalls eine schwärzliche russische Sorte, deren schwere Früchte bis 350 Gramm aber hohe Anforderungen an eine stabile Anbindung der Pflanzen stellen. Nun habe ich allerdings (zu spät) gelesen, dass auch die Prinztomaten dieses Gewicht erreichen.

Und falls zufällig jemand von der EU-Kommission mitlesen sollte. Ich habe diese Tomatensamen (mit Ausnahme der Philovita) natürlich als Zierpflanzen gekauft und baue sie wegen der hübschen Blüten auch im Blumenbeet vor dem Wohnzimmerfenster an. Die meisten dieser wunderbaren alten Bauernsorten haben nämlich keine Saatgutzulassung in der EU und wohl auch keine Chance eine zu bekommen.

In dieser Richtung droht übrigens neues Ungemach aus Brüssel, denn die EU-Kommission will das Saatgutrecht novellieren. Viele Initiativen, die sich für Vielfalt und alte Sorten auf dem Acker einsetzen, befürchten das Schlimmste. Spiegel zu Saatgutverordnung Eine erste Fassung las sich so, dass selbst Hobbygärtner kein Samenkörnchen mehr austauschen dürften. Das ist wohl schon vom Tisch. Auch “Mikrounternehmen” unter zwei Millionen Euro Umsatz sollen außen vor bleiben. Doch was ist mit größeren Unternehmen? Die Materie ist komplex. Auf alle Fälle sollte man die EU-Kommission im Auge behalten: Save our Seeds