Im Dach piepst es

Seit Sonntag ist klar: Bei Familie Star hat sich Nachwuchs eingestellt. Sobald ich das Fenster des überdachten Balkons öffne, piepst es im angrenzenden Dach aus mehreren Kehlen. Sehen kann die Jungen durch das Loch nicht. Aber dieser Starenkasten ist eben ganz schön groß und tief.

Wikipedia berichtet von vier bis acht Eiern und einer Brutzeit von elf bis 13 Tagen. Am 28. April habe ich zum ersten Mal gesehen, wie die Eltern mit Nistmaterial im Schnabel ins Dach fliegen, Und am 1. Mai waren sie immer noch damit beschäftigt. Alles nur Tarnung, wie ich jetzt weiß! Da müssen sie längst heimlich auf den Eiern gesessen haben. Wahrscheinlich waren die letzten Strohhalme als Spielzeug gedacht. Am 4. Mai kamen die Eltern nämlich schon mit Futter an (sah nach Menü Regenwurm aus).

Wikipedia weiß auch, dass Sturnus vulgaris in Deutschland möglichst synchron zwischen 10. und 30. April Eier legt. Sind die Jungen geschlüpft, werden sie 17 bis 21 Tage gefüttert, bevor sie zwischen 20. Mai und 10. Juni ausfliegen. Sind die Jungtiere um den 4. Mai geschlüpft, kann ich also mit dem Ausfliegen um 21. bis 25. Mai rechnen. Natürlich gibt es einige Unsicherheitsfaktoren, weil ich unter der Woche nicht so oft vor Sonnenuntergang am Schreibtisch sitze und möglicherweise einiges verpasst habe. Starenurlaub gibt der Dienstplan leider nicht wirklich her.

Ziel des Synchronbrütens soll sein, dass die Stare im Herbst ihre großen Schwärme bilden können, die durch pure Masse Raubvögel verwirren. Wobei selbstständige Jungvögel wohl schon ab Mitte Juni eigene Schwärme bilden, die dann bis zum Abflug in Richtung Mittelmeerraum und Nordafrika immer größer werden. Hoffentlich verlegen sie den Treffpunkt der jungen Rabauken dann nicht in meinen Garten – um diese Zeit könnten die spärlichen Süßkirschen reif werden.

 

 

 

 

Ärger mit den Untermietern

Der Singstar der Vogelwelt: Sturnus vulgaris. Foto: Wikipedia

Der Singstar der Vogelwelt: Sturnus vulgaris. Foto: Wikipedia

Normalerweise helfen Untermieter, die Fixkosten für Haus oder Wohnung auf mehr Schultern zu verteilen und so den Bankrott zu vermeiden. Dafür nimmt man in Kauf, dass der Untermieter auch mal eigene Vorstellungen vom Wohnen verwirklichen will.

Meine Untermieter haben jedoch keinen Vertrag, zahlen nicht und gefragt haben sie vor dem Einzug auch niemanden. Doch nun haust das Starenpärchen nun mal im Vordach. Das Loch in der Seitenverkleidung, das dorthin führt, hätte ich für höchstens spatzengroß gehalten. Doch die Stare haben bewiesen, dass sie da gut durchpassen.

Während ich diese Woche arbeiten war, ist man bei den Stars offensichtlich mit der Familienplanung weitergekommen. Jedenfalls flogen die Vögel heute mit etwas wurmähnlichem im Schnabel heran.

Nicht o.k. ist aber, dass sie sich jedes Mal laut keckernd beschweren, wenn ich die Fenster zum überdachten Balkon, der an das Loch angrenzt, aufmache oder mich dort gar am Fenster zu zeigen wage. Schließlich war ich zuerst da. Und den Balkon brauche ich demnächst, um die endlich gekeimten Tomatenpflänzchen aufzuziehen.

Meine anderen Untermieter, die Spatzen im Bambus am Hauseingang, konnten sich auch nicht mit dem Wunsch durchsetzen, dass dort nach Sonnenuntergang kein Licht brennen darf. Schließlich ist das im Winter arg früh und unsere Besucher sind meist keine Fledermäuse, sodass sie den Weg zu uns nicht mit Ultraschall finden. Die Spatzen mussten sogar hinnehmen, dass Menschen manchmal im Dunkeln Schnee schippen müssen – was einen einst zum Flattern im Dunkeln brachte. Ich hab‘ den Spatzen dann klargemacht, dass sie Kulturfolger sind und Schneeschippen etwas mit Kultur zu tun habe. Seitdem ist Ruhe.

Den Staren werde ich erzählen, dass sie laut Wikipedia angeblich zu den weltweit häufigsten Vögeln gehören. Bei der Stunde der Gartenvögel kamen sie 2012 in Deutschland allerdings nur auf Platz fünf, nach Spatz, Amsel, Kohl- und Blaumeisen. Die Neuauflage 2013 läuft nächste Woche, von 9. bis 12. Mai: Stunde der Gartenvögel

Untermieter im Anflug

Neugieriger Star am Balkonfenster. Foto: Marion Menrath

Neugieriger Star am Balkonfenster. Foto: Marion Menrath

Seit einer Woche schaut immer mal wieder ein neugieriger Star vom Fenster aus in den überdachten Balkon hinein. Vom Schreibtisch aus habe ich ihn gut im Blick. Ein zweiter war auch schon dabei. Meist sind die beiden aber so fotoscheu, dass sie sofort verschwinden, wenn ich die Kamera auf sie richte. Am Samstag hielt einer dann lange genug still, dass dieses Foto entstehen konnte.

Seit heute ist allerdings klar: Der will nicht nur spielen, der will sich einnisten. Wer Nistmaterial im Schnabel herumträgt, hat ernste Absichten.

Star: Der will nicht nur spielen, sondern sich einnisten. Foto: Marion Menrath

Star: Der will nicht nur spielen, sondern sich einnisten. Foto: Marion Menrath

Über ein Loch hat er den Zugang zu einem gigantischen Starkenkasten gefunden – unserem Vordach. Wie er sich mit dem mindestens 15-köpfigen Spatzenclan geeinigt hat, der den Garten als seinen Besitz betrachtet, ist unbekannt. Wobei die Spatzen meist im Bambus neben dem Hauseingang übernachten und ihre Nester unter Regenrinnen und in diverse Kletterpflanzen an der Westwand bauen.

Die Ankunft der Stare hinterlässt selbst bei mir als Vogelfreund zwiespältige Gefühle. Zwar singt er schöner als die Spatzen (was bei den kleinen Krawallmachern keine große Kunst ist), dafür hat er es anders als diese auf Obst abgesehen. Dass heißt ich muss mich voraussichtlich von noch mehr Frühkirschen verabschieden, als wenn nur die Amseln drauf rumhacken. Ob ein Schild hilft, dass die Vögel darauf hinweist, dass der Nachbar ebenfalls frühreife Kirschen hat und zwar einen viel größeren und schöneren Baum? Hoffentlich frisst er als Gegenleistung für Kost und Logis wenigstens ordentlich Schnecken.