Enttäuschung im Pflanzsack

Bunte, aber kärgliche Ernte: 436 Gramm lautete die Bilanz der Ernte in drei Pflanzsäcken in der Saison 2013. Es dominieren die Sorten Rote Emmalie und Vitelotte. Rechts sind zwei blasslila Knollen der Sorte Arran Victory zu sehen. Foto: Marion Menrath

Bunte, aber kärgliche Ernte: 436 Gramm lautete die Bilanz der Ernte in drei Pflanzsäcken in der Saison 2013. Es dominieren die Sorten Rote Emmalie und Vitelotte. Rechts sind zwei blasslila Knollen der Sorte Arran Victory zu sehen. Foto: Marion Menrath

Die dümmsten Bauern haben ja bekanntlich die dicksten Kartoffeln. Behauptet jedenfalls ein geläufiges Sprichwort. Was es über die Intelligenz des Gärtners aussagt, wenn dieser kaum mehr erntet, als er gepflanzt hat, darunter viele putzige Minikartoffeln, darüber wage ich dagegen nicht zu spekulieren.
Es waren im vergangenen Jahr exakt 435 Gramm aus drei Pflanzsäcken mit insgesamt 60 Liter Erde und das nach etwa vier Monaten Wachstum. Die geplante Verkostungsaktion bunter Kartoffeln mit Freunden musste ausfallen; die Menge reichte gerade für Pellkartoffeln für Zwei. Am Geschmack der bunten Miniernte war aber nichts auszusetzen. Weiterlesen

Mehr bunte Kartoffeln

Kaum beschäftige ich mich mit seltenen Kartoffelsorten, begegne ich Ihnen überall. Im Sonntagsecho vom 19. April gab es einen Bericht über die Slowfood-Messe in Stuttgart, bei der Rosa Tannenzapfen, Bamberger Hörnchen und Rote Emmalie, auch kurz Rote Emma genannt, verkostet wurden.
Slowfood-Messe in Stuttgart

Ganz so einfach, wie in dem Bericht geschildert, kommt man aber nicht an die seltenen Sorten. In gut sortierten Supermärkten gibt es ab und zu unter dem Label „französische Gourmetsorten“ blaufleischige Vitelotte sowie Cherie, eine Sorte mit roter Schale und gelbem Fleisch. Meist sind diese aber mit Chemikalien behandelt, damit sie eben nicht austreiben. „Nach der Ernte behandelt“ steht dann dabei. Schlechte Voraussetzungen also für Pflanzkartoffeln und essen mag ich die auch nicht.

Solange die Raritäten nicht weiter verbreitet sind, kommt man meist nur über das Internet an Pflanzkartoffeln oder zumindest unbehandelte Speisekartoffeln. ECHO-Fotograf Lutz Igiel ist mitten in der Heppenheimer Altstadt auf eine Gruppe von Menschen gestoßen, die dort alte Nutzpflanzensorten anbauen wollen. Artenvielfalt in Heppenheimer Altstadt
Weil die meisten Häuser direkt an der „Gass“ stehen, bleibt nur der Anbau in Kübeln, wie ich das auch machen will.

Eine größere Sortenauswahl haben beispielsweise folgende Händler (wobei jetzt bereits einiges ausverkauft und die neue Ernte noch nicht eingebracht ist):
Kartoffel Müller
Bioland Hof Jeebel
Ellenbergs Kartoffelvielfalt Letzterer ist der Züchter neuer interessanter Sorten wie Rote Emmalie und Blaue Anneliese.

Rote Emmalie im Topf

Kartoffelvielfalt: Rote Emmalie und ein gelbfleischige Sorte, in diesem Fall die vorwiegend festkochende Marena. Foto: Marion Menrath

Kartoffelvielfalt: Rote Emmalie und ein gelbfleischige Sorte, in diesem Fall die vorwiegend festkochende Marena. Foto: Marion Menrath

Am Sonntag war es so weit: Die Rote Emmalie musste ihre Qualität als Speisekartoffel beweisen. Schließlich will man auch verkosten, was man anbaut. Und von dieser Kartoffelsorte hatte ich als einziger genügende Mengen für solche Experimente – ein ganzes Kilogramm!

Feierlicher Anlass für die Verkostung war unser Auftakt der Spargelsaison. Um Ostern herum war es noch so kalt, dass die Saisoneröffnung bei den meisten Spargelbauern sehr spärlich ausfiel. Dank des (überwiegend) warmen Wetters in den vergangenen 14 Tagen sprießt es jetzt endlich unter den Folien und das Gemüse wird bezahlbar. Wer ohne Folie angebauten Spargel genießen will, muss dagegen noch mindestens bis Anfang Mai warten.

Als Begleitung gab es Pellkartoffeln mit einer Prise Salz gekocht, darunter vier Kartöffelchen der Roten Emmalie. Ebenfalls im Topf war die Sorte Marena, eine vorwiegend festkochende, gelbfleischige Kartoffel aus dem Jahr 1995. Da letztere schon ganz schön ausgetrieben war, hätte ich sie auch gleich auspflanzen können. Aber die wenigen Plätze sind ja für Emmalie und ihre exotischen Geschwister reserviert.

Bunte Kartoffeln liegen im Trend.

Kontrastprogramm: Weißer Spargel und die Kartoffelsorte Rote Emmalie auf einem Teller vereint. Foto: Marion Menrath

Auf dem Teller sieht die Emmalie sehr ungewöhnlich aus – sie ist durch und durch rot gefärbt und macht als festkochende Sorte insbesondere als Pellkartoffel eine gute Figur. Zum weißen Spargel bildet sie einen aparten Kontrast.

Gezüchtet hat die Sorte im Jahr 2005 Karsten Ellenberg aus Barum  im Landkreis Lüneburg, der sich auch sehr für die Wiederzulassung der deutschen Sorte Linda eingesetzt hat. Die Farbe in bunten Kartoffeln kommt von Anthocyanen, Pflanzenfarbstoffen, die auch in roten Trauben, Auberginen sowie roten, blauen und schwarzen Beeren vorkommen und als Radikalfänger positive gesundheitliche Auswirkungen haben sollen.

Die Emmalie hat einen feinen Kartoffelgeschmack. Im Vergleich zu der sehr erdig schmeckenden Marena hatte sie jedoch etwas Probleme sich abzuheben. Das mag aber auch daran gelegen haben, dass die Marena ziemlich am Ende ihrer Lagerfähigkeit angelangt war und deshalb sehr kräftig schmeckte. Im Herbst weiß ich hoffentlich Näheres.

Rote Emmalie und Rosa Tannenzapfen

Die Rote Emmalie ist eine relativ neue Kartoffelsorte mit rotem Fleisch und roter Schale. Foto: Marion Menrath

Die Rote Emmalie ist eine relativ neue Kartoffelsorte mit rotem Fleisch und roter Schale. Foto: Marion Menrath

Die Rote Emmalie ist da – und sie hat ihre Freunde mitgebracht. Zum Glück beanspruchen sie nicht viel Platz. Jedenfalls jetzt noch nicht. Es geht um Kartoffeln.

Im vergangenen Jahr habe ich zum ersten Mal in meinem Ziergarten Kartoffeln angebaut. Im Kleingarten brauchen diese ganz schön viel Platz, der monatelang für nichts anderes zur Verfügung steht. Doch man kann Kartoffeln auch quasi hochkant anbauen, nämlich in stabilen Säcken. Im vergangenen Jahr habe ich das, inspiriert durch Bücher, zum ersten Mal ausprobiert. Weiterlesen