Abschied vom Mai

Die Kirschen haben das Wetter satt. Statt reif zu werden, platzen sie lieber. Foto: Marion Menrath

Die Kirschen haben das Wetter satt. Statt reif zu werden, platzen sie lieber. Foto: Marion Menrath

Nein diesen Mai werde ich mit Sicherheit nicht vermissen. Er brachte viel zu viel Regen, mindestens doppelt so viel wie in normalen Jahren. Und auch der letzte Maitag am Freitag soll noch mal bis zu 40 Liter pro Quadratmeter im Gepäck haben. Selbst der Griesheimer Sand ist irgendwann mal nicht mehr aufnahmefähig.

Dafür knauserte der Mai mit Sonne, die sich kaum einmal einen ganzen Tag lang blicken ließ. Zwei fast schon flügge Jungspatzen haben es nicht geschafft. Sie sind offenbar kurz hintereinander am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag aus dem Nest in der Weigelie in unsere Hofeinfahrt gefallen. Auch die Stare sind plötzlich weg. Dabei saßen deren Junge trocken in einem Dachhohlraum. Zuletzt gesehen habe ich sie am Sonntag. Jetzt ist es auf einmal so ruhig im Garten. Ob sie schon nach Süden aufgebrochen sind?

Im Garten wuchern derzeit Pflanzen wie wild, die ich nicht so schätze. Schlingknöterich und Efeu kämpfen um die Vorherrschaft am Zaun und sind mal wieder dabei, gleich den Rest des Gartens in Besitz zu nehmen. Die frischen Efeublätter ähneln von der Größe her bereits kleinen Feigenblättern.

Die Rosen kränkeln dagegen. Die einen haben Mehltau, die anderen Rostpilze. Da es heute mal ausnahmsweise trocken war, habe ich massenweise rostbefallene Blätter und Triebe herausgeschnitten. Gift kommt mir nämlich nicht in den Garten. Gegen Mehltau soll im Verhältnis 1:9 verdünnte Milch helfen. Auch das habe ich mal ausprobiert. Schaden kanns nicht. Die Alternative wäre ein mittlerer Kahlschlag.

Auch die Kirschen haben es satt, ständig nass zu sein. Die frühreife Sorte platzt lieber, statt reif zu werden. Normalerweise (wenn die Sonne scheint) werden erst die Früchte oben im Bäumchen reif. Diesmal ist es umgekehrt. Das haben selbst die Amseln noch nicht mitbekommen.

Doch nicht alles am Mai war schlecht. Durch das kühle Wetter konnte man den Frühling quasi in Zeitlupe, Blüte für Blüte verfolgen. Die wichtigsten habe ich fotografisch in einer Zeitreise festgehalten, die von der Gegenwart zum Anfang des Monats zurückführt. Und nun freue ich mich auf den Juni. Der Mai kann von mir aus abtreten!

Weigelie in voller Blüte. Im vergangenen Jahr war sie 14 Tage früher dran. Foto: Marion Menrath

Weigelie in voller Blüte. Im vergangenen Jahr war sie 14 Tage früher dran. Foto: Marion Menrath

Alte englische Rosensorte. Dauerregen mag sie aber gar nicht. Foto: Marion Menrath

Alte englische Rosensorte. Dauerregen mag sie aber gar nicht. Foto: Marion Menrath

Die Clematis nutzt den Wilden Wein an der Hauswand als Rankhilfe. Foto: Marion Menrath

Die Clematis nutzt den Wilden Wein an der Hauswand als Rankhilfe. Foto: Marion Menrath

Prächtige alte Frühlingstamariske über der Hofeinfahrt. Bei Dauerregen hängen die mittlerweile verblühten Wedel so tief, dass kein Auto mehr drunterdurch passt. Deshalb musste mittlerweile einiges weichen. Foto: Marion Menrath

Prächtige alte Frühlingstamariske über der Hofeinfahrt. Bei Dauerregen hängen die mittlerweile verblühten Wedel so tief, dass kein Auto mehr drunterdurch passt. Deshalb musste mittlerweile einiges weichen. Foto: Marion Menrath

Das Fliederbäumchen der Sorte Sensation habe ich vor zwei Jahren gesetzt. Dieses Jahr blühte es zum ersten Mal. Die dunkelvioletten Blüten sind weiß gesäumt. Foto: Marion Menrath

Das Fliederbäumchen der Sorte Sensation habe ich vor zwei Jahren gesetzt. Dieses Jahr blühte es zum ersten Mal. Die dunkelvioletten Blüten sind weiß gesäumt. Foto: Marion Menrath

Der Blauregen blühte dieses Jahr zum ersten Mal wieder. Im vergangenen Jahr musste er radikal gestutzt werden, weil die Pergola ersetzt werden musste. Hat leider die Tendenz seine Tentakel zur Nachbarin auszustrecken. Foto: Marion Menrath

Der Blauregen blühte dieses Jahr zum ersten Mal wieder. Im vergangenen Jahr musste er radikal gestutzt werden, weil die Pergola ersetzt werden musste. Hat leider die Tendenz seine Tentakel zur Nachbarin auszustrecken. Foto: Marion Menrath

Alles tropft

Die Wohlriechende Heckenkirsche hat mittlerweile nur noch sehr wenig Blüten. Immerhin entstand dieses Foto im Trockenen vom Frühstückstisch aus. Foto: Marion Menrath

Die Wohlriechende Heckenkirsche hat mittlerweile nur noch sehr wenig Blüten. Immerhin entstand dieses Foto im Trockenen vom Frühstückstisch aus. Foto: Marion Menrath

Eigentlich hatte ich nach dem schönen Frühlingsauftakt viele Pläne für ein gärtnerisches Wochenende. Auch erste Ideen für ein Angrillen gab es schon.

Und nun das: Tropf, tropf, tropf, schütt. So geht das schon den ganzen Tag über. Am Freitag habe ich mich noch über den Regen gefreut, nachdem ich diese Woche den ersten durstigen Frühjahrsblühern mit dem Gartenschlauch beistehen musste.

Doch diese Kälte habe ich nicht bestellt, wirklich nicht. Die mühsam gekeimten Tomaten versuchen gerade zurück ins Samenkorn zu kriechen, die Kartöffelchen keimen nur noch in Zeitlupe. Im Garten warten zum falschen Zeitpunkt geschlüpfte Insekten auf bessere Zeiten und ein Starenpaar hat an unserem Dach ein Schlupfloch ins Trockene gefunden.

Außerdem blüht mittlerweile mein Apfelbäumchen, das ich voriges Jahr gesetzt habe. Das Ballerinabäumchen der pflegeleichten Sorte Topaz ersetzte einen Vorgänger, der mehrere Jahre auf dem Balkon unserer früheren Wohnung überlebt hat. Im Winter 2009/2010 hat es ihn dann aber doch dahingerafft. Nachdem es vergangenes Jahr nicht geklappt hat, hoffe ich eigentlich in diesem Herbst auf die erste Ernte.

Nach der Kaltfront zur Kirschblüte ist es jetzt pünktlich zum Auftakt der Apfelblüte wieder kalt geworden. Foto: Marion Menrath

Nach der Kaltfront zur Kirschblüte ist es jetzt pünktlich zum Auftakt der Apfelblüte wieder kalt geworden. Foto: Marion Menrath

So wird's nichts mit der Bestäubung: Tropfnasse Apfelblüten. Foto: Marion Menrath

So wird’s nichts mit der Bestäubung: Tropfnasse Apfelblüten. Foto: Marion Menrath

Dass der Regen auch schöne Seiten hat, habe ich dann bei einem (nassen) Rundgang im Garten entdeckt.

Tropf, tropf an einer Kletterrose. Foto: Marion Menrath

Tropf, tropf an einer Kletterrose. Foto: Marion Menrath

Was von den Kirschblüten übrig blieb. Foto: Marion Menrath

Was von den Kirschblüten übrig blieb. Foto: Marion Menrath

Nasses Insekt. Wegen der Flügelhaltung tippe ich auf eine Raubfliege. Diese ernähren sich von anderen Insekten. Es könnte eine Schwarze Mordfliege sein - oder eine ähnliche Art.  Foto: Marion Menrath

Nasses Insekt. Wegen der Flügelhaltung tippe ich auf eine Raubfliege. Diese ernähren sich von anderen Insekten. Es könnte eine Schwarze Mordfliege sein – oder eine ähnliche Art. Foto: Marion Menrath

Tulpen im Regen. Foto: Marion Menrath

Tulpen im Regen. Foto: Marion Menrath

Tulpen im Regen. Foto: Marion Menrath

Tulpen im Regen. Foto: Marion Menrath

Tulpen im Regen. Foto: Marion Menrath

Tulpen im Regen. Foto: Marion Menrath

Fische haben es gut. Das Nass ist ihr Element und Regen bringt meist schönes sauberes Wasser in den Teich, der nun viel weniger verschlammt ist. Foto: Marion Menrath

Fische haben es gut. Das Nass ist ihr Element und Regen bringt meist schönes sauberes Wasser in den Teich, der nun viel weniger verschlammt ist. Foto: Marion Menrath